STAND

Trotz Mittelalterkulisse gilt Esslingen als „Ingenieursstadt“ und ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Vor den Toren Stuttgarts bietet die Stadt rund 50.000 Arbeitsplätze.

Esslingen ist eine Stadt für Sportliche. 268 Höhenmeter sind es vom niedrigsten Punkt am Neckar bis in die Höhen der Stadt. Menschen aus 136 Nationen leben rechts und links vom Neckar in 24 Stadtteilen, die vom Schurwald auf der einen Seite bis zum Rand der Filderebene auf der anderen Seite reichen.

Dauer

Weinbautradition und Mittelaltermarkt

Tausend Jahre Weinbautradition haben die Stadt geprägt. Die älteste Sektkellerei Deutschlands hat noch heute ihren Sitz mitten in der Stadt. Deutschlandweit bekannt ist Esslingen auch für seine rund 200 gut erhaltenen Fachwerkhäuser. Einmal im Jahr werden die Uhren 600 Jahre zurückgedreht. Während des bekannten Mittelaltermarkts zur Weihnachtszeit gibt es in den engen Gassen Mittelalter zum Fühlen und Anfassen, zum Schmecken, Riechen und Mitmachen. Besucher können im Holzzuber baden oder sich im Bogenschießen üben, mittelalterliche Tänze lernen und freche Lieder singen. 

Dauerthema Stau

Bei aller Idylle hat die Stadt am Neckar ein Problem: Alle vier Brücken müssen in den nächsten Jahren saniert werden. Und die Esslinger stehen zu Stoßzeiten im Stau. Pessimisten sprechen davon, dass das die nächsten fünf Jahre Dauerzustand sein wird. Denn ist die eine Brücke fertiggestellt, kommt die nächste Brücke dran. Die Stadt hat Ampelschaltungen optimiert und ein Stadtticket eingeführt. Für drei Euro können die Fahrgäste den ganzen Tag die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Das Problem: Auch der Bus steckt mangels ausreichender Busspuren im täglichen Stau fest.

Esslingen in Bildern Idyll und Problemzone

Ein Panorama der Stadt Esslingen (Foto: SWR, Carmen Lustig)
Trotz mittelalterlicher Kulisse gilt Esslingen als Ingenieurstadt und bietet über 50.000 Arbeitsplätze. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Wie entwickelt sich Esslingen weiter? Verkehrsprobleme, Wohnungsnot und die Bebauung von freien Flächen sind umstrittene Themen in der Stadt. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Der historische Marktplatz – zweimal die Woche findet hier der Wochenmarkt statt. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Schmucke Fachwerkhäuser prägen das Stadtbild. Hier gibt es auch die älteste zusammenhängende Fachwerkhäuserzeile Deutschlands. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Samstags treffen sich die Esslinger auf dem Wochenmarkt und trinken gerne ein Gläschen Sekt beim „Kessler“, Deutschlands ältester Sektkellerei. Überhaupt haben über tausend Jahre Weinbautradition die Stadt geprägt. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Esslingen hat keine Straßenbahn. Stattdessen fahren seit 75 Jahren Oberleitungsbusse durch die Stadt. Das Netz für O-Busse soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Das Stadtticket gilt seit April. Für 3 Euro kann man im ganzen Stadtgebiet einen Tag lang öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Auf den Radschnellweg entlang des Neckars setzen viele Esslinger ihre Hoffnung: Vorbei am Stau auf der verstopften B10 in die Landeshauptstadt radeln. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Die Diskussion um den Standort der Stadtbücherei hat in Esslingen für den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt gesorgt. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Leere Ladenflächen mitten in der historischen Innenstadt. In der Küferstraße stehen viele Geschäfte leer. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Anstehende Brückensanierungen testen die Geduld der Autofahrer in Esslingen und kosten die Stadt viel Geld. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen
Die neue Weststadt ist mit ihrer Größe von über 12 ha das bedeutendste Stadtentwicklungsprojekt. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhof- und Hengstenbergareals entstehen über 600 Wohnungen. Carmen Lustig Bild in Detailansicht öffnen

Schlechte Luft

Weil auch in Esslingen dicke Luft herrscht, versucht die Stadt Fahrverbote zu vermeiden. Doch auf die Schnelle wird sich wenig ändern. Allein die geplante Anschaffung von 17 weiteren Elektrohybridbussen - Kostenpunkt jeweils rund eine Million Euro pro Bus - und der Ausbau des Oberleitungsnetzes werden sich über fünf Jahre hinziehen. Mithilfe der neuen Technik sollen 63 Prozent der im Esslinger ÖPNV zurückgelegten Kilometer emissionsfrei werden. Momentan sind es nur 21 Prozent.

Auch das Radwegnetz soll ausgebaut werden. Hoffnung setzen die Esslinger auf den Bau des Neckar-Radschnellwegs. Zurzeit wird die Machbarkeit von unterschiedlichen Trassenvarianten geprüft. Es ist aber noch nicht absehbar, wann er tatsächlich befahrbar sein wird.

Ein Protestschild auf einem Marktplatz (Foto: SWR, Carmen Lustig)
Wie entwickelt sich Esslingen weiter? Verkehrsprobleme, Wohnungsnot und die Bebauung von freien Flächen sind umstrittene Themen in der Stadt. Carmen Lustig

Lebendige Innenstadt

Eine Herausforderung bleibt es, die Innenstadt am Leben zu erhalten. Das Ladensterben macht auch vor der Fachwerk-Innenstadt nicht Halt. Immer mehr kleine Betriebe geben auf oder machen altersbedingt dicht. Zuletzt war es die Esslinger Bäckerlegende Bernd Mohr - sein Ofen in der Esslinger Innenstadt bleibt nach 60 Berufsjahren für immer kalt.

Streitthema Stadtbibliothek

Als aufmüpfige Schwaben haben sich die Esslinger bei der Diskussion um den Standort und die Erweiterung ihrer Bibliothek erwiesen. Mit dem ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt haben sie dem Gemeinderat Anfang des Jahres widersprochen und den Entschluss für einen geplanten Neubau kassiert.

Besonderheit: Bürgerausschuss

Die Esslinger reden gerne mit. Deshalb haben sie als einzige größere Stadt in Deutschland die Tradition der Bürgerausschüsse bewahrt. Bürgerausschüsse sind ehrenamtliche Vertretungen eines Stadtteils und werden von dessen Bürgern in einer Bürgerversammlung für drei Jahre gewählt. Sie dienen der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat als Ansprechpartner für die Interessen ihres Stadtteils.

Bei der letzten Kommunalwahl lag die Wahlbeteiligung trotzdem unter dem Landesdurchschnitt. Nur 46% der Esslinger gingen zur Wahl.

STAND
AUTOR/IN