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Das war klar wie Kloßbrühe: Frank Nopper (CDU) gewinnt die OB-Wahl in Stuttgart. Seine Partei feiert ihn dafür. Doch bei allem Verständnis für die Feierlaune muss Edda Markeli aus der SWR-Redaktion Landespolitik in ihrem Kommentar etwas Wasser in den Sekt gießen.

Bei genauerer Betrachtung ist dieses Wahlergebnis nicht aus eigener Kraft zustande gekommen, sondern weil sich das andere politische Lager nicht auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen konnte. Das ökosoziale, liberale Lager hat nämlich eine Mehrheit, die wurde nicht genutzt. Die Stärke der CDU beruht somit auf der Schwäche der anderen, auf deren Dilettantismus und Egoismus, auf Neid und Eitelkeit. Aber: Gewählt ist gewählt!

CDU konnte in Großstädten kaum noch punkten

Die CDU kann also Großstadt? Das betont sie jedenfalls selbst jetzt auf allen Kanälen. Klar, denn bisher war das die Achillesferse der konservativen Traditionspartei: In den Großstädten konnte sie kaum noch punkten. Ein Stuttgarter Oberbürgermeister macht aber noch keinen Trend. Die CDU bleibt vorerst schwach in den modernen Citys. In den zehn größten Städten in Baden-Württemberg ist jetzt Frank Nopper einer von nur drei Stadtoberhäuptern mit CDU-Parteibuch. Und selbst in Stuttgart hat er im städtischen Kernbereich, also in den Stadtteilen im Zentrum und direkt drumherum keine Mehrheiten gewinnen können.

Edda Markeli (Foto: SWR)
Edda Markeli, SWR-Redaktion Landespolitik

Dennoch gibt der Wahlsieg Noppers der CDU Auftrieb, auch für die bevorstehende Landtagswahl, wenn es um die Nachfolge von Winfried Kretschmann geht. Die CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann kann sich Noppers Sieg ans Revers heften, sie hat ihn schließlich im internen Kandidatenrennen unterstützt. Aus dem Erfolg in der Landeshauptstadt kann sie neue Kraft schöpfen, zumal sie hier, in ihrer Heimatstadt, für den Landtag kandidiert.

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Ob das reicht, um den populären Ministerpräsidenten von den Grünen zu schlagen, ist aber eher unwahrscheinlich. In Umfragen liegt Eisenmann im Direktvergleich weit hinter Winfried Kretschmann. Um ihn zu überholen, müsste die CDU landesweit noch kräftig zulegen. Bei der letzten Infratest-Umfrage lagen aber die Grünen deutlich vorne. Der Wahlkampf für die CDU wird auf jeden Fall hart.

OB-Wahl Stuttgart für Grüne ein Desaster

Und die Grünen? Die machen es sich definitiv zu einfach, wenn sie immer im Windschatten ihres beliebten Zugpferdes Kretschmann dahintraben. Die OB-Wahl in Stuttgart ist für die größere Regierungspartei ein Desaster und offenbart ein bislang gut verstecktes Personalproblem. Am 14. März ist Landtagswahl - bis dahin kann in diesen unberechenbaren Zeiten der Corona-Pandemie noch viel passieren.

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