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Veronika Kienzle (Grüne) wollte Stuttgarts erste Oberbürgermeisterin werden. Jetzt hat sie aufgegeben. Im Wahlkampf war Kienzle zu schwach. Ein Kommentar von SWR-Redakteurin Verena Neuhausen.

Noch ist nicht klar, wer der nächste Chef im Stuttgarter Rathaus wird. Eines steht aber bereits fest: Die Grünen verlieren den wichtigsten Posten an der Spitze der Landeshauptstadt. Ein Amt, von dem der legendäre Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel immer gesagt hatte, es sei das zweitwichtigste im Land.

Die SWR-Redakteurin Verena Neuhausen (Foto: SWR)
Verena Neuhausen kommentiert den Rückzug von Grünen-Kandidatin Veronika Kienzle aus der OB-Wahl in Stuttgart.

Das Problem waren dabei nicht die grünen Themen - denn die haben sich durchaus durchgesetzt. Nur eben bei anderen Kandidaten aus dem linken Spektrum. Verkehrswende, saubere Luft, bezahlbarer Wohnraum, Klimaschutz: Das sind Themen, mit denen andere Kandidaten den Grünen Stimmen abgenommen haben.

Veronika Kienzle konnte im Wahlkampf nicht überzeugen

Und auch die Kandidaten selbst, Veronika Kienzle, hat enttäuscht. Vielleicht auch darum, weil sie eben keine Vertreterin aus der etablierten Parteiprominenz der Grünen ist. Eine Verlegenheitslösung, nachdem die beliebte baden-württembergische Landtagspräsidentin Muhterem Aras und der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir nicht kandidieren wollten. Was blieb war eine grüne Kandidatin, die im Wahlkampf wenig kraftvoll wirkte, neben einem CDU-Kandidaten, der seine 18 Jahre Erfahrung als Oberbürgermeister der nahen Kreisstadt Backnang in den Mittelpunkt seiner Kampagne gestellt hatte.

Grüner OB Fritz Kuhn hat Wähler enttäuscht

Für die Grünen ist es peinlich, Stuttgart jetzt aufzugeben. Das dürfte auch mit der Performance des noch amtierenden grünen OB Fritz Kuhn zu tun haben. In jüngsten Umfragen hatte die Hälfte der Bevölkerung ihm attestiert, kein guter Oberbürgermeister gewesen zu sein. Die wirklich grünen Anliegen in der Autostadt Stuttgart sehen viele nur halbherzig umgesetzt. Besserer ÖPNV, weniger Autos in der Stadt, mehr Radwege, engagierterer Klimaschutz - Kuhn hat in acht Jahren Amtszeit für viele Grünen-Wähler weniger erreicht, als sie gehofft hatten.

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Nopper könnte von linker Zerstrittenheit profitieren

Und so hat die CDU kurz vor der baden-württembergischen Landtagswahl in Stuttgart gute Chancen, den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt zu stellen. Eine CDU, die davon profitieren könnte, dass das Lager links von ihr zerstritten ist. Denn auch wenn die Grünen resiginiert haben: Mit dem unabhängigen Marian Schreier und Hannes Rockenbauch vom Linksbündnis sind weiterhin zwei in Stuttgart profilierte Namen im Rennen. Zwei Namen, die sich gegenseitig die Stimmen wegnehmen werden - und damit der CDU und Frank Nopper den Weg zum Chefsessel im Stuttgarter Rathaus ebnen könnten. Den Posten an Stuttgarts Spitze jetzt an die CDU zu verlieren, ist gleichzeitig ein Verlust an Renommee - und das nur wenige Monate vor der Landtagswahl. Ein Debakel für die Grünen.

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