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Der deutsch-amerikanische Fotograf Thomas B. Jones lebt in Kirchheim/Teck. Seine Familie in Florida besteht aus lauter Trump-Fans. Welchen Blick hat er auf die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten?

Der Fotograf Thomas B. Jones (Foto: Thomas B. Jones)
Der Fotograf Thomas B. Jones aus Kirchheim/Teck Thomas B. Jones

SWR-Moderatorin Ute Weber: Schaut sich Ihre Familie die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden heute überhaupt an oder weigert sie sich - so wie Donald Trump, der durch Abwesenheit glänzt?

Thomas B. Jones: Ja, ich glaube, sie werden auch durch Abwesenheit glänzen. Weil viele glauben, dass die Wahl ja sowieso gestohlen wurde, und dass alles gar nicht echt ist. Und deswegen werden alle gar nicht zuschauen, glaube ich.

Sie selbst sind pro Biden. Sie sind Demokrat. Gibt's denn immer noch Diskussionen bei Ihnen in der Familie, wenn sie für Trump schwärmt - nach dem 6. Januar, nach dem Aufmarsch im Kapitol mit fünf Toten? Oder rufen Sie heute am besten nicht zuhause an, weil sonst der Haussegen schief hängt?

Jones: Naja, ich versuche, in Gesprächen mit meiner Familie in den USA das Thema weitgehend zu umschiffen. Tatsächlich, um den Familienfrieden zu wahren. Aber ich muss auch sagen, dass der 6. Januar sicherlich eine gewisse Differenzierung reingebracht hat. Meine Familie hat auch gesehen: Das geht gar nicht, was da passiert ist. Gewalt liegt auch denen fern. Sie haben auch gesagt, dass sowas niemals passieren durfte. Ansonsten haben wir in den letzten vier Jahren versucht, das Thema gar nicht erst auf den Tisch kommen zu lassen, um nicht in einen Streit zu geraten.

Ziehen wir eine kleine Bilanz. In Trumps Amtszeit sind aktuell über 400.000 Menschen an Corona gestorben, weil er Corona geleugnet hat. 25 Millionen Menschen, heißt es, müssen gerade in Amerika hungern. Und mit dem heutigen Tag besteht für die Demokraten Hoffnung auf Veränderung. Könnte Biden zusammen mit seiner Vizepräsidentin Harrys die Wende für Amerika bedeuten? Oder haben Sie Angst, dass sich Amerikaner und Amerikaner weiter bekriegen?

Jones: Also ich hab die Angst, dass es erstmal mal so weitergeht. Biden mag die Wahl fair gewonnen haben. Aber es gibt trotzdem 75 Millionen Amerikaner, die umzustimmen sind. Und das ist eine Herkulesaufgabe. Ich glaube, dass er mit seinem Kabinett, das er aufgestellt hat, und mit seiner Agenda den richtigen Weg geht - absolut! Daumen hoch dafür. Aber es ist kein leichter Weg. Ich glaube auch nicht, dass es in vier Jahren zu schaffen ist. Es wäre vermessen anzunehmen, dass es so schnell geht.

Heute Abend um 18 Uhr deutsche Zeit wird Joe Biden den Amtseid leisten. Lady Gaga wird auftreten. Jennifer Lopez und sie werden zusammen die Nationalhymne singen. Nur tausend Gäste sind eingeladen aus Sicherheitsgründen. Schauen Sie sich das alles an oder wie gestalten Sie den heutigen Tag?

Jones: Ich werde es auf jeden Fall live anschauen. Ich freue mich schon sehr auf den Tag. Das ist jetzt endlich ein Lichtblick. Licht am Ende des Tunnels nach vier Jahren. Das wird gebührend gefeiert mit einem kleinen amerikanischen Whisky, wenn er den Eid geleistet hat.

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