Auf dem Stuttgarter Markplatz demonstrieren im Regen Frauen und Männer für mehr Rechte von Frauen im Iran.  (Foto: SWR)

Forderung nach mehr Frauenrechten

Tod einer jungen Frau im Iran: Auch Menschen in Stuttgart protestieren

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Nach dem Tod einer jungen Frau im Iran demonstrieren die Menschen dort für die Rechte von Frauen. Auch in Stuttgart gingen am Samstag Iranerinnen und Iraner auf die Straße.

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Auf dem Marktplatz in Stuttgart haben am Samstagnachmittag rund 60 Iranerinnen und Iraner für mehr Rechte von Frauen in ihrem Heimatland demonstriert. Grund für die Proteste ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini im Iran, die nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei in einem Krankenhaus starb. Schon am Freitag waren in der Landeshauptstadt Hunderte Menschen auf die Straße gegangen, um sich mit den Menschen im Iran zu solidarisieren.

"Wir sind heute hier, um ein Zeichen zu setzen. Es ist egal, ob wir im Iran leben oder nicht. Ob wir betroffen sind von diesen Dingen oder nicht. Frauenrechte und Menschenrechte liegen uns am Herzen. Egal wo."

Auch die 25-jährige Aktivistin Mersedeh Ghazaei hat am Samstag an dem Protest in Stuttgart teilgenommen. Sie ist Iranerin, wurde in Deutschland geboren und ist hier aufgewachsen. Sie sieht es als ihre Pflicht, sich mit den Frauen im Iran zu solidarisieren, wie sie dem SWR sagte: "Mein Privileg, das ich hier habe, die Sicherheit, die ich hier habe, die Rechte, die ich hier habe, möchte ich nutzen, um für meine Schwestern im Iran zu sprechen."

"Die haben uns das Recht auf Freiheit und Demokratie weggenommen"

Abdolnasser Hamid, Vorsitzender des Iranischen Kulturvereins Stuttgart, wirkt bei den Protesten in Stuttgart organisatorisch mit. Er selbst war seit 20 Jahren nicht mehr im Iran - aus Angst um sein Leben, sagte er dem SWR. Das Demokratieverständnis an die nächste Generation weiterzugeben, sieht er als Pflicht.

"Junge Leute, die das Land aufbauen. Das Land gehört denen. Es wird zerstört. Korruption, Drogenprobleme, Menschenrechte werden mit Füßen getreten. (...) Die haben uns das Recht auf Freiheit und Demokratie weggenommen."

Iran-Experte: Aktivistinnen im Iran beweisen unglaublichen Mut

Der Iran-Experte der Universität Freiburg, Olmo Gölz, bewundert den Mut der Demonstrantinnen im Iran. Dem SWR sagte er, die Aktivistinnen, die derzeit auf die Straße gehen, begäben sich in Lebensgefahr und wüssten das auch. Als Grund für die Proteste nennt Gölz die Lebensrealität in der islamischen Republik. "Die persönlichen Erwartungen junger Menschen an das Leben sind nicht mehr deckungsgleich mit der Lebensrealität. Jetzt werden - nicht zum ersten Mal im Übrigen - als selbstverständlich erachtete Grund- und Menschenrechte eingefordert."

Die iranische Führung reagiert mit Drohungen und einer harten Line. Proteste werden gewaltsam niedergeschlagen. Außerdem sind das Internet und die Zugänge zu sozialen Medien gedrosselt oder sogar ganz abgeschaltet. Der Iran-Experte Gölz erklärte: "Das Regime versucht im Moment einerseits, durch regionale Abschaltung den Informationsfluss im Iran zu behindern und andererseits, die entscheidenden sozialen Medien zu blockieren". Die kommenden Tage würden nun aber zeigen, ob es zu einem großflächigen Eingriff in allen Kommunikationswegen komme.

Iranischer Präsident droht erneut allen Demonstrierenden

Auslöser für die Protestwelle war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Sie war vergangene Woche von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie gegen die strenge islamische Kleiderordnung verstoßen haben soll. Nach ihrer Festnahme starb sie in einem Krankenhaus. Seitdem demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen die Regierung. Der iranische Präsident Ebrahim Raisi drohte am Samstag allen regierungskritischen Demonstrantinnen und Demonstranten. Es müsse "entschlossen gegen diejenigen vorgegangen werden, die der Sicherheit und Ruhe des Landes entgegenstehen", zitierten iranische Staatsmedien Raisi.

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Moderation: Natalie Amiri
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