Wie sehen die Anzeichen einer toxischen Beziehung aus? Darauf möchte der Verein "Soroptimist International Club Stuttgart" zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam machen.

Aktionstage gegen Gewalt an Frauen

"Toxische Beziehungen kommen schleichend wie Daumenschrauben"

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Katja Trautwein

Gewalt in einer Beziehung kommt häufiger vor, als viele vielleicht denken. Ein Stuttgarter Frauen-Netzwerk will helfen und sensibilisiert für die Anzeichen einer toxischen Beziehung.

Mit der Kampagne "ReadTheSigns" - Anzeichen erkennen - will das Frauen-Netzwerk "Soroptimist International" helfen, aus gewaltvollen Partnerschaften zu entkommen. Besonders zur von der UN ausgerufenen Kampagne "Orange the World" macht das Netzwerk auf das Problem aufmerksam.

Die Anzeichen einer toxischen Beziehung kommen schleichend, wie Daumenschrauben, die sich langsam immer weiter anziehen, sagt Uta Hessbrüggen. Sie ist Präsidentin des Soroptimist Club Stuttgart Zwei und spricht aus eigener Erfahrung: "Ich bin sehr emanzipiert und selbstbewusst in meine Ehe reingegangen und ich hab es wirklich nicht gemerkt".

Psychische Gewalt: Schuldzuweisungen, Liebesentzug, Isolation von Freunden

Anlässlich der UN-Kampagne gegen geschlechterspezifische Gewalt "Orange the World" verteilen zwei der Soroptimist Clubs in Stuttgart Infokarten und Bierdeckel, um betroffenen Frauen und die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, dass Gewalt an Frauen, nicht erst bei körperlicher Gewalt beginnt. Psychische Gewalt werde auch von den Betroffenen selbst oft lange nicht als solche erkannt, wie etwa ständiges Kritisieren, Schuldzuweisungen, Liebesentzug oder auch die Isolation von Freunden.

"Ich hab auch nach der Trennung noch [...] in Situationen plötzlich panisch und gestresst reagiert, weil ich in mir die Stimme meines Ex-Mannes hörte, der wieder mit Vorwürfen kam."

Anlaufstellen für Betroffene: bundesweites Hilfetelefon

Ob physische oder psychische Gewalt, jede Frau könne es treffen, egal aus welchem Kultur- oder Bildungskreis und egal welchen Alters, sagt Hessbrüggen. Ein erster Schritt, um sich aus toxischen, gewaltvollen Partnerschaften zu befreien kann ein Anruf beim bundesweiten Hilfetelefon 08000 116 016 sein. Es ist rund um die Uhr besetzt und bietet Beratungen in zahlreichen Sprachen. In Stuttgart finden Betroffene unter anderem von der Stadt Stuttgart und "Frauen helfen Frauen e.V." diverse Anlaufstellen.

Auch Katerina G. hat Gewalt in ihrer Beziehung erlebt. SWR Aktuell BW berichtete im Fernsehen am 25. November davon:

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Jede vierte Frau in Deutschland von Gewalt durch Partner betroffen

Laut dem Bundesfamilienministerium erlebt jede vierte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens mindest einmal körperliche oder sexualisierte Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. Das baden-württembergische Innenministerium hat mitgeteilt, dass im Jahr 2021 in Baden-Württemberg über 13.200 Fälle von Partnergewalt bekannt wurden. Um die Dunkelziffer zu untersuchen, erstelle die Kriminologischen Forschung Baden-Württemberg aktuell an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg eine repräsentative Bürgerbefragung.

Zahl der hilfesuchenden Frauen in Stuttgart stark gestiegen

Die Zahl der Frauen, die sich wegen häuslicher Gewalt an Beratungsstellen in Stuttgart wenden, hat sich nach Angaben des Beratungs- und Hilfsangebots "Frauen helfen Frauen e.V." in den letzten vier Jahren enorm erhöht. So haben von 2018 bis 2021 alleine bei der Fraueninterventionsstelle (FIS) in Stuttgart 68 Prozent mehr Frauen Hilfe gesucht.

Und auch die beiden Stuttgarter Frauenhäuser seien seit Jahren überlastet. 72 Plätze stünden zur Verfügung, 69 würden gemäß der Istanbul-Konvention, ein völkerrechtlicher Vertrag des Europarats von 2011, fehlen, so "Frauen helfen Frauen e.V." Laut des internationalen Frauennetzwerks "TERRES DES FEMMES Menschenrechte für die Frau e. V." ist das auch bundesweit ein Problem. Mehr als 14.600 Frauenhausplätze gebe es demnach in Deutschland zu wenig.

Die "Orange the World"-Aktionstage beginnen jährlich mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November und enden mit dem Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Vielerorts werden Zeichen in Orange gesetzt.

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Katja Trautwein