Eine dritte Impfung könnte Impfdurchbrüche verhindern (Foto: IMAGO, imago images/Shotshop)

Corona-Pandemie

Region Stuttgart: Mehr Impfdurchbrüche, aber wenig Intensivpatienten

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Vanessa Sieck

Die Zahl der Impfdurchbrüche steigt. Auch auf den Intensivstationen in der Region Stuttgart liegen teilweise geimpfte Corona-Patienten, allerdings sind es nur sehr wenige.

Woche für Woche beobachtet Mark Dominik Alscher, dass Menschen an Corona erkranken, obwohl sie doppelt geimpft sind. "Wir sehen die Impfdurchbrüche unter anderem bei unseren Mitarbeitern", erzählt der medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart. Von den 3.000 Beschäftigten sind rund 95 Prozent geimpft. Trotz doppelter Impfung erkranken zurzeit zwei bis drei Mitarbeiter pro Woche, sie zeigen aber nur leichte Symptome.

Bei gesunden Menschen verlaufen diese Impfdurchbrüche in der Regel eher mild. Gefährlich werden können sie aber vor allem für Ältere und für die, die ein nicht so gut funktionierendes Abwehrsystem haben, erklärt Alscher. Das bestätigt auch Jan Steffen Jürgensen, medizinischer Vorstand im Klinikum Stuttgart: "Die Geimpften mit Impfdurchbruch, die intensivmedizinisch behandelt werden, gehören zur Gruppe mit besonderen Risiken." Dazu zählen beispielsweise Organ transplantierte oder an Leukämie erkrankte Menschen.

Lage auf Intensivstationen derzeit stabil

Während im Robert-Bosch-Krankenhaus und in den RKH-Kliniken in Ludwigsburg und Bietigheim zurzeit nur Ungeimpfte auf der Intensivstation liegen, müssen in den Rems-Murr-Kliniken und im Klinikum Stuttgart jeweils zwei geimpfte Patienten intensiv medizinisch behandelt werden. Die Lage sei - insgesamt gesehen - aber stabil, meint Jan Steffen Jürgensen: "Wir haben weiterhin deutschlandweit auf den Intensivstationen weniger als zehn Prozent Geimpfte, der Rest sind Ungeimpfte. Insofern ist da keine dramatische Verschiebung zu sehen."

Die 7-Tage-Inzidenz ist bei Ungeimpften nach wie vor deutlich höher als bei Geimpften. Im Zeitraum vom 4. bis 10. Oktober war sie in Stuttgart dreimal so hoch, teilte das Gesundheitsamt mit. Bei den Ungeimpften lag die 7-Tage-Inzidenz bei 198,2, bei den Geimpften bei 59,2.

Immer mehr Probleme durch Post-Covid

Mark Dominik Alscher bereitet auch bei den Impfdurchbrüchen vor allem ein Thema große Sorgen: Post-Covid. "Wir sehen gerade bei unseren jüngeren Mitarbeitern: Selbst wenn der eigentliche Akut-Infekt nicht gravierend verlief, haben wir manchmal das Post-Covid-Thema, dass die Leistungsfähigkeit deutlich reduziert ist und Langzeitprobleme auftreten. Das will man natürlich auch nicht", sagt er. Deswegen sei es fast nur ein gewisser Trost, dass die Verläufe bei jemandem, der einen Impfdurchbruch hat, in der Regel geringer sind.

Dritte Corona-Impfung langfristig für alle?

Um so viele Erkrankungen wie möglich zu vermeiden, gibt es für bestimmte Gruppen jetzt schon Drittimpfungen. Dazu zählen Alte, aber auch Mitarbeitende in den Krankenhäusern. "In den Bereichen, in denen unsere Beschäftigten auf vulnerable Menschen treffen können - beispielsweise auf der Kinderkrebsstation - handeln die Beschäftigten verantwortungsbewusst und sind überwiegend dritt-geimpft, um dort Vorsorge zu treffen", sagt der Chef des Stuttgarter Klinikums, Jan Steffen Jürgensen.

Sein Kollege vom Robert-Bosch-Krankenhaus könnte sich sogar vorstellen, dass die dritte Impfung bald zunehmend breiter angeboten wird: "Da muss ich jetzt zwar spekulieren, aber es könnte irgendwann auch soweit sein, dass man eigentlich immer eine dritte Impfung nach sechs bis zwölf Monaten empfiehlt."

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