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Schutz vor Überflutungen ist seit der Katastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW ein wichtiges Thema. Auch in der Region Stuttgart gibt es Vorsorgemöglichkeiten - aber nicht alle nutzen sie.

55 von 179 Kommunen in der Region Stuttgart haben sich auf Starkregen vorbereitet, indem sie ein Starkregenrisiko-Konzept nach der Strategie des Landes Baden-Württemberg erstellt haben. Das heißt, sie haben zum Beispiel analysiert, welche Risiken es in ihrem Ort gibt und wo das abfließende Wasser entlang laufen könnte.

Dass sich in der Region Stuttgart nur 30 Prozent der Kommunen mit diesem Verfahren für Starkregen auseinandergesetzt haben, bewertet Markus Moser, Referatsleiter beim Regierungspräsidium Stuttgart im Bereich Hochwasserschutz, kritisch. Er sieht Nachholbedarf: "Aus meiner Sicht sollte jede Kommune etwas machen. Auch Kommunen, die sagen, sie liegen auf dem Berg und haben kein Gewässer. Aber es geht ja auch um oberirdische Abflüsse, wenn es zum Beispiel gewittert, da fließt in jeder Kommune das Wasser." Laut Moser werden 70 Prozent der Kosten für Starkregengefahrenkarten vom Land Baden-Württemberg bezuschusst.

Vorbildliche Vorbereitung auf Starkregen und Hochwasser in Ditzingen

Eine Kommune, die mittlerweile gut auf Starkregen vorbereitet ist, ist die Stadt Ditzingen (Kreis Ludwigsburg). Das gesamte Glemstal gilt als Vorzeigeregion in Sachen Starkregenrisikomanagement im Land. Der Ort war im Jahr 2010 massiv überschwemmt worden. In der Folge haben die Verantwortlichen reagiert und unter anderem Mauern um gefährdete Gebäude errichtet, Wasserrückhalteflächen geschaffen und Neubauten besser geschützt. Zudem hat das Land als Reaktion auf die Überschwemmung das Starkregenmanagement für Kommunen standardisiert.

Niedrige Naturstein-Mauer vor Kindergarten in Ditzingen (Foto: SWR)
Eine der Schutzmaßnahmen, die die Stadt Ditzingen nach den Überflutungen 2010 getroffen hat: Eine Mauer, die Wasser um den dahinterliegenden Kindergarten herumleitet.

Warum aber hat sich Ditzingen um den Hochwasserschutz gekümmert und andere Städte und Gemeinden wiederum nicht? Hochwasser-Experte Markus Moser vom Regierungspräsidium Stuttgart vermutet, dass das mit der großen Arbeitsbelastung der kommunalen Verwaltungen zusammenhängen könnte. "Es kann oft nur das getan werden, wo der Druck am höchsten ist." Und bei schönstem Sommerwetter sei es oft schwer, Gemeinderäten oder der Stadtspitze klar zu machen, sich um den Hochwasserschutz zu kümmern, da immer andere Dinge dringender erschienen.

Bürgerinnen und Bürger können auch selbst Hochwasserschutz betreiben

Auch jede und jeder Einzelne könne Zuhause Maßnahmen treffen, so Moser. Bei Renovierungsarbeiten könne beispielsweise darauf geachtet werden, dass Heizungsanlagen und Elektrokästen nicht in den Keller kämen, sodass diese vor Überschwemmungen geschützt sind. "Sie können einen persönlichen Alarm- und Einsatzplan machen, Sie können Ihre persönlichen Dokumente sortieren, um sie griffbereit zu haben, wenn Sie doch irgendwo hingehen müssen. Es sind ganz viele unterschiedliche Bausteine, die man vorbereiten kann."

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