"Wir helfen, wo wir können"

Hilfsorganisation "Wolja" empfängt Flüchtlinge am Hauptbahnhof in Stuttgart

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Die Gruppe "Wolja" hilft ukrainischen Flüchtlingen am Stuttgarter Bahnhof und vermittelt auch Unterkünfte. Von der Stadt Stuttgart fordert die Organisation mehr Unterstützung.

Maria Azzarone und Julia Melnyk haben die Gruppe "Wolja" erst vergangene Woche ins Leben gerufen. "Wir haben die Bilder von Flüchtlingen im Fernsehen gesehen und wollten einfach was tun", sagte Maria Azzarone dem SWR. Sie selbst hat italienische Wurzeln, ihre Freundin Julia stammt aus der Ukraine.

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Damit alles reibungslos klappt, wünschen sich die Ehrenamtlichen allerdings mehr Unterstützung von staatlicher Seite. Maria Azzarone fordert eine zentrale Stelle bei der Stadt Stuttgart, die sie unterstütze. Viele Dinge seien noch ungeklärt. Allein am Dienstag hätten sie sich um 30 Flüchtlinge aus der Ukraine gekümmert. Azzarone geht fest davon aus, dass das aber erst der Anfang war. Von Seiten der Stadt heißt es, dass man "Wolja" dankbar sei für ihre Arbeit. Viele Strukturen müssten noch aufgebaut werden. Laut einem Sprecher ist beispielsweise ein Info-Point für ukrainische Geflüchtete am Bahnhof geplant.

Sexuelle Belästigung in einer Privatunterkunft

Bereits am Wochenende kamen mehr als 50 Flüchtlinge am Bahnhof in Stuttgart an und konnten nicht weiterreisen, weil die Bahnstrecke nach Karlsruhe gesperrt war. Die Ehrenamtlichen von "Wolja" organisierten kurzerhand Unterkünfte in Stuttgart. Inzwischen vermittelt die Gruppe aber nur noch an Hotels oder Pensionen, denn sie haben mit Privatunterkünften erste schlechte Erfahrungen gemacht. Eine junge Frau wurde in einer privat vermittelten Unterkunft sexuell belästigt. Die Polizei musste eingeschaltet werden, Anzeige wurde erstattet.

Drei Frauen sitzen am Schreibtisch und koordinieren ehrenamtlich die Flüchtlingshilfe (Foto: SWR)
Julia Melnyk, Vita Kochurova und Maria Azzarone. Die drei Frauen haben in Stuttgart die Gruppe "Wolja"gegründet.

Seit der vergangenen Woche ist viel geschehen. Nach dem Beginn des Krieges hat Maria Azzarone gemeinsam mit ihrer Freundin Julia Melnyk "Wolja" gegründet. Helfen ist für Azzarone selbstverständlich.

"Man braucht doch keinen direkten Bezug zur Ukraine. Wer helfen kann, sollte helfen".

Julia stammt aus der Ukraine, kam vor drei Jahren nach Stuttgart. Hier arbeitet sie als Krankenschwester. In ihrer Heimatstadt Cherson fallen jetzt täglich Bomben, fast stündlich telefoniert sie mit ihrer Mutter. Auch am Dienstagmorgen hat sie mit ihr gesprochen: "Wir haben uns gegenseitig gesagt, dass die Liebe am Ende gewinnt", erzählt Julia und schluckt dabei.

"Wolja" ist Teil eines Netzwerks von Hilfsorganisationen

Am Stuttgarter Hauptbahnhof hängen seit Beginn des Krieges an allen Bahnsteigen Plakate. Wer den darauf gedruckten QR-Code scannt, landet auf der Facebook-Seite von "Wolja". Dort finden die Geflüchteten Hilfsangebote. Die Gruppe ist ein Verein in Gründung und hat noch keine eigene Webseite.

Warten auf Flüchtlinge aus der Ukraine am Hauptbahnhof Stuttgart. Die Stuttgarter Hilfsorganisation Wolja wartete am Montagabend vergeblich auf Menschen aus dem Kriegsgebiet. (Foto: SWR)
Warten auf Flüchtlinge aus der Ukraine am Hauptbahnhof Stuttgart: Die Stuttgarter Hilfsorganisation Wolja wartete am Montagabend vergeblich auf Menschen aus dem Kriegsgebiet.

Auf ihrer Facebook-Seite finden sich auch Chatgruppen in ukrainischer oder russischer Sprache. Inzwischen hat die Gruppe Kontakt zu allen ukrainischen Vereinen geknüpft, sie steht in Verbindung mit der Stadt und kirchlichen Organisationen. Um die Nachrichtenflut bewältigen zu können, bräuchten sie allerdings dringend noch mehr helfende Menschen, die ukrainisch sprechen.

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