Winfried Hermann (Grüne), Verkehrsminister von Baden-Württemberg, spricht während eines Pressetermins am Mirkofon. (Foto: dpa Bildfunk, Tom Weller)

Aussagen laut Bahn "irreführend" und "inkorrekt"

BW-Verkehrsminister erwartet verspätete Fertigstellung von S21 - Bahn wehrt sich heftig

STAND

Stuttgart 21 wird bis 2025 nicht komplett fertiggestellt sein - sagt Verkehrsminister Hermann. Wegen des Bahnprojekts wird außerdem die Gäubahn ab Mitte 2025 nur noch bis Stuttgart-Vaihingen fahren.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ist sich sicher, dass Stuttgart 21 frühestens ab 2027 komplett fertig sein wird. Die Bahn will das Projekt schon ab 2025 in Betrieb nehmen. Zu diesem Zeitpunkt würden die Züge aber noch am Flughafen vorbeirauschen, sagte Hermann in der Freitagsausgabe der "Stuttgarter Zeitung" und der "Stuttgarter Nachrichten". Die Bahn wehrte sich heftig gegen die Aussagen Hermanns.

Verkehrsminister fordert Ergänzungsbahnhof

Seinen Ruf als unbequemen Kritiker hat Hermann schon lange. Oft hat er auf einer Ergänzungsstation für Regionalzüge und S-Bahnen unter dem heutigen Bahnhofsbau beharrt. Im Interview mit den Zeitungen hat er seine Forderung wiederholt: "Auf der ganzen Welt wird in Großstädten so geplant, dass man unterirdisch mit Bahnen fahren kann und darüber baut", kritisierte er im Interview.

Stuttgart

Zusatzstation für S-21-Bahnknoten Hermann pocht auf Ergänzungsbahnhof für Stuttgart 21

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat seine Forderung nach einer Zusatzstation für Stuttgart 21 erneuert. Bahn, Stadt und Region Stuttgart wollen diese Ergänzung nicht.  mehr...

Hermann: schrittweise Inbetriebnahme von S21

Hermann ist außerdem davon überzeugt, dass die komplette Fertigstellung von Stuttgart 21 länger als geplant dauern wird: "Wir werden eine schrittweise Inbetriebnahme von Stuttgart 21 erleben." Die sogenannte Große Wendlinger Kurve sei noch nicht fertig und die Gäubahn werde als Zugstrecke aus Singen in Stuttgart für etwa ein Jahrzehnt unterbrochen sein. Außerdem gebe es noch Unsicherheiten beim Abstellbahnhof Untertürkheim und beim geplanten Pfaffensteigtunnel.

Hermann ist sich sicher, dass die Züge am Flughafen auch nach 2025 am Hauptbahnhof vorbeirauschen werden. Reisende aus Ulm müssten mindestens bis 2027 in Stuttgart umsteigen, um an den Airport zu gelangen.

Dörflinger und Stadt reagieren mit Unverständnis

Die Reaktionen auf Hermanns Aussagen fallen scharf aus. Weder die wirtschaftliche noch die verkehrliche Notwendigkeit für eine Ergänzung des Bahnhofs sei nachgewiesen, sagte ein Sprecher der Stadt. Es gebe außerdem viele Fragen, auch zu den "Heilquellen oder zum Artenschutz". Eine ergänzende Station könne nur nach Fertigstellung des Bahnhofs gebaut werden, sagte er.

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Thomas Dörflinger, kommentierte Hauks Aussagen: "Wir sind vertragstreu." Im gemeinsamen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU sei festgehalten, dass die Umsetzung unterschiedlicher Punkte, wie zum Beispiel des langen Gäubahntunnels, angegangen werden solle. Diese Verlässlichkeit gelte auch für den grünen Koalitionspartner. Man solle "gemeinsam mit allen Projektpartnern voller Tatkraft in die Umsetzung kommen."

Bahn veröffentlicht mehrseitige "Richtigstellung"

Die Bahn reagiert noch deutlicher. Thorsten Krenz, Konzernbevollmächtigter für Baden-Württemberg, weist Hermanns Forderungen in einer mehrseitigen "Richtigstellung" an die Projektpartner Land, Stadt, Region und Flughafen zurück. Hermanns Aussagen seien "teils inkorrekt und in einen sachlich unzutreffenden Zusammenhang gerückt". Stuttgart 21 werde "vom ersten Tag der Inbetriebnahme an für Reisende eine Vielzahl an Verbesserungen bieten". In den Jahren danach werde es "ergänzende Inbetriebnahmen" geben.

Die Wendlinger Kurve sei überhaupt nicht Teil des Projekts Stuttgart 21. Sie sei erst nach Baubeginn der Schnellfahrstrecke vereinbart worden, so Krenz. Den Abschnitt als Beleg für eine schrittweise Inbetriebnahme von Stuttgart 21 anzuführen, sei "schlicht falsch", heißt es in dem Schreiben. Der Abstellbahnhof werde "rechtzeitig gebaut und in Betrieb genommen", versicherte Krenz. Hermanns Aussagen zu den Kosten für die Gäubahn seien "irreführend".

Stuttgart

Treffen von Projektpartnern Stuttgart 21: Bund zahlt Vorplanung für Gäubahn-Tunnel - Geld für digitalen Schienenknoten kommt

Mit Spannung ist am Freitag die 27. Sitzung der Stuttgart 21-Projektpartner erwartet worden. Klar war am Ende wenig - es wurden lediglich zwei Finanzierungszusagen verkündet.  mehr...

Gäubahn fährt ab Mitte 2025 nur bis Stuttgart-Vaihingen

Stuttgart 21 betrifft trotzdem die Gäubahn - das wird nach Angaben der Deutschen Bahn klar. Ab Mitte 2025 soll die Gäubahn vorübergehend nur noch bis Stuttgart-Vaihingen fahren. Die Bahnverbindung reicht von der Schweizer Grenze über Singen nach Stuttgart. Im Zuge des Bahnprojekts "Stuttgart - Ulm", soll dieser Streckenverlauf geändert werden.

Statt wie bisher über den Bahnhof Stuttgart‐Vaihingen, die Panorama-Strecke und den Nordbahnhof, sollen die Züge über den Flughafen den Stuttgarter Hauptbahnhof erreichen. Bis das so weit ist, müssen die rund 10.000 Reisenden, die diese Strecke täglich nutzen, in Stuttgart-Vaihingen in die S-Bahn umsteigen, um in die Innenstadt zu kommen. Denn nach Angaben der Deutschen Bahn ist die Weiterführung der Strecke während der Bauarbeiten nicht möglich.

SWR-Recherchen: Fahrt zum Hauptbahnhof wäre eigentlich möglich

Ein internes Gutachten aus dem Jahr 2018, das dem SWR vorliegt, zeigt: Eine Weiterfügung der Gäubahn in die Stuttgarter Innenstadt wäre aber möglich, die Mehrkosten wären vergleichsweise gering. Zwischen 1,5 und 2,8 Millionen Euro würde es kosten, die bisherige Strecke der Gäubahn beizubehalten, bis zur geplanten Fertigstellung des neuen Stuttgarter Hauptbahnhof Mitte 2025. Das geht aus dem Gutachten hervor.

Die Bahn hatte angegeben, dass diese Weiterführung nicht möglich sei, weil die dafür nötigen Gleise zwischen dem Nordbahnhof und dem Hauptbahnhof entfernt werden müssten. Stattdessen plant die Stadt Stuttgart in diesem Bereich den Ausbau des Rosenstein-Quartiers.

Mehr zum Thema

Stuttgart

Kosten steigen auf 9,15 Milliarden Euro Milliardenprojekt "Stuttgart 21" wird noch teurer

Die Deutsche Bahn soll am Freitagnachmittag ihren Aufsichtsrat in einer nicht öffentlichen Sondersitzung über die genauen Mehrkosten beim Großbauprojekt Stuttgart 21 informieren.  mehr...

Hintergrund: Zehn Jahre nach Baubeginn Historie des Bahnprojekts Stuttgart 21

Die Anfänge des Bahnprojekts reichen weit zurück. Eine bessere Bahnverbindung zwischen Stuttgart und Ulm war das erste Ziel des Projekts, das dann als "Stuttgart 21" bekannt wurde.  mehr...

Stuttgart

Bahnprojekt Stuttgart 21 Lange Umwege um Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof

Die Arbeiten für das Bahnnprojekt Stuttgart 21 gehen voran. Wer mit dem Zug am Stuttgarter Hauptbahnhof ankommt, braucht ab sofort mehr Zeit. Der Weg zur Innenstadt wird länger.  mehr...

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR Fernsehen BW

STAND
AUTOR/IN