Die Helfenstein-Klinik des Trägers Alb-Fils-Kliniken in Geislingen an der Steige. Im Streit um die geplante Schließung der Klinik möchte die Stadt Geislingen den Kreis Göppingen verlassen und zugleich Teil des Alb-Donau-Kreises werden.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Stefan Puchner)

Zoff um Klinik-Standorte im Kreis Göppingen

Umbau Helfenstein-Klinik in Geislingen: Leistungsspektrum soll "umfangreich" bleiben

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Trotz drohenden Landkreiswechsels geht der Umbau der Helfenstein-Klinik in Geislingen weiter. Die Alb-Fils-Kliniken stellten weitere Schritte zu einer ambulanten Einrichtung vor.

Seit dem 1. Januar ist der stationäre Teil der Chirurgie in der Helfenstein-Klinik in Geislingen (Kreis Göppingen) geschlossen, die Kapazitäten wurden nach Göppingen in die Klinik am Eichert verlegt. Der Schritt war Ende Mai 2021 vom Kreistag so beschlossen worden – und hat zu massiven Verwerfungen geführt: Aktuell prüfen Geislingen und die Nachbargemeinde Böhmenkirch einen Landkreiswechsel in den Alb-Donau-Kreis. In einem Bürgerentscheid hatten über 80 Prozent der Geislinger für die Prüfung eines Wechsels votiert, in Böhmenkirch waren es immerhin über 70 Prozent.  

Umbau der Klinik-Standorts in Geislingen geht weiter

Dessen ungeachtet wird der Umbau der Alb-Fils-Kliniken des Landkreises Göppingen weiter vorangetrieben. Bei einer Pressekonferenz am Freitag stellten deren Geschäftsführer Ingo Hüttner und Wolfgang Schmid zusammen mit dem Vorsitzenden der Kreisärzteschaft Göppingen, Frank Genske, die nächsten Schritte vor. So soll es in den Jahren 2022 und 2023 ein "reduziertes stationäres Angebot" ohne stationäre Chirurgie geben mit einem Leistungsspektrum, das "gegenüber den Vorjahren zwar verändert, aber nicht weniger umfangreich" sei. Ziel ist der schrittweise Aufbau einer ambulanten Gesundheitseinrichtung.

Schwerpunkt auf internistischem Angebot

Im stationären Bereich will die Helfensteinklinik bis 2023 vor allem internistische Leistungen inclusive Notfallversorgung anbieten. Außerdem sollen die Räume der bisherigen Intensivstation für ambulante Operationen genutzt werden. Eine Praxis für Gynäkologie ist schon in Betrieb. Dazu sollen zwei neue Praxen im Bereich Pneumologie und Gastroenterologie an der Helfensteinklinik eröffnet werden. Die Palliativstation wird unverändert mit acht Betten fortgeführt.

Alb-Fils-Kliniken: keine wirtschaftlichen Gründe für Schließung

Hintergrund für die Herabstufung des Geislinger Klinik-Standorts waren drei Gutachten. Laut diesen ist ein wirtschaftlicher Betrieb der Geislinger Helfenstein-Klinik in der bisherigen Form nicht weiter darstellbar. Die Kapazitäten sollten lieber am Göppinger Standort der kreiseigenen Alb-Fils-Kliniken GmbH gebündelt werden, also in der Klinik am Eichert. Am Freitag erklärte der medizinische Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, Ingo Hüttner, allerdings: "Der wirtschaftliche Moment war nicht der Treiber." Entscheidend seien vielmehr politische Rahmenbedingungen gewesen. 2015 noch war die Devise ausgegeben worden: eine Klinik, zwei Standorte.

Angst vor schlechterer Notfallversorgung in Geislingen und Böhmenkirch

Geislingen und Böhmenkirch befürchten nun unter anderem eine schlechtere medizinische Notfallversorgung der Bürger – gerade derjenigen, die auf der Albhochfläche wohnen. Zwar gibt es aktuell noch eine Notaufnahme in Geislingen, allerdings ohne Schockraum. Patienten mit komplexeren Symptomen könnten dort nicht mehr wie bisher versorgt werden. Der Weg nach Göppingen ist nicht nur für die Patienten von Nachteil, die längere Fahrzeit bindet auch Rettungsdienst-Kapazitäten von Geislingen.  

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SWR