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Weil er in der Stuttgarter Krawallnacht einem bewusstlosen Studenten gegen den Kopf getreten hat, muss ein Jugendlicher jahrelang ins Gefängnis. Auch sein Begleiter wurde verurteilt.

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Nach einer besonders brutalen Attacke in der Stuttgarter Krawallnacht ist ein junger Randalierer unter anderem wegen versuchten Totschlags zu einer Jugendhaftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Stuttgarter Landgericht sprach den 17-Jährigen am Freitag auch des Landfriedensbruchs, eines Angriffs auf einen Polizisten und der gefährlichen Körperverletzung schuldig, wie ein Gerichtssprecher nach Abschluss des nichtöffentlichen Prozesses mitteilte. Der Jugendliche aus Geislingen an der Steige (Kreis Göppingen) hatte in der aufgeheizten Juni-Nacht unter anderem einen am Boden liegenden und bereits bewusstlosen Studenten gegen den Kopf getreten.

Auch 19-Jähriger wegen Attacke auf Studenten verurteilt

Auch der 19 Jahre alte Begleiter des Jugendlichen muss wegen der Attacke auf den unbeteiligten Studenten ins Gefängnis. Der Esslinger wurde von der Jugendstrafkammer unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Opfer hatte sich gegen Angeklagte gestellt

Der 24-jährige Student hatte sich gegen die Randalierer gestellt und sie aufgefordert, keine Flaschen mehr zu werfen. Daraufhin wurde er von hinten attackiert und ging bewusstlos zu Boden. Die beiden Angreifer malträtierten ihr Opfer daraufhin mit Fußtritten. Dabei haben sie nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft den Tod des Studenten zumindest billigend in Kauf genommen. Das Opfer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma.

Viele Verdächtige noch in Untersuchungshaft

Die beiden Angeklagten gehören zu den etwa 130 Verdächtigen, die die Polizei nach den Ausschreitungen, Plünderungen und Sachbeschädigungen in der Stuttgarter Innenstadt ermittelt hatte. Viele von ihnen sitzen noch in Untersuchungshaft, gegen Dutzende andere wurde der Haftbefehl gegen Auflagen ausgesetzt.

Polizei will Suche nach Verdächtigen ausweiten

Ab kommendem Montag will die Polizei verstärkt nach weiteren Verdächtigen suchen und an die Öffentlichkeit gehen. Es würden Fahndungsfotos von 17 bislang nicht identifizierten mutmaßlichen Tätern veröffentlicht, sagte eine Polizeisprecherin. Zu jedem einzelnen Verdächtigen auf den Abbildungen gebe es einen richterlichen Beschluss. Bei den nächtlichen Auseinandersetzungen nach einer Drogenkontrolle der Polizei im Juni 2020 hatten Dutzende, vor allem junge Männer, in der Stuttgarter City randaliert. Zahlreiche Polizeibeamte wurden verletzt und Schaufenster von Geschäften zerstört. Die Vorfälle sorgten bundesweit für Schlagzeilen und Debatten.

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