Die aufgebauten Buden auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt werden nach der Absage direkt wieder abgebaut. (Foto: SWR, Verena Neuhausen)

Absage kurz vor der Eröffnung

Frust bei den Standbetreibern des Stuttgarter Weihnachtsmarktes

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Erst Esslingen und Ludwigsburg - dann sagt auch Stuttgart am Montagabend den Weihnachtsmarkt ab. Kurz vor dem Start. Die geschockten Standbetreiber hoffen auf finanzielle Hilfe.

Am Morgen nach der Absage des Stuttgarter Weihnachtsmarktes wirkt die Szenerie skurril: Alles wäre bereit zum Öffnen, erste Schaustellerinnen und Schausteller bauen aber ihre Buden schon wieder ab. Lange hatten sie gehofft und alles vorbereitet - am Mittwoch sollte der Weihnachtsmarkt eigentlich starten - dann kam die Absage des Stuttgarter Weihnachtsmarktes am Montagabend doch. Für die Beschickerinnen und Beschicker des Weihnachtsmarktes ein "Stich ins Herz", so Werner Burgmeier, Präsident des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute Baden-Württemberg.

Erste Reaktionen: Trauer, Ängste, Wut

Am Montagabend ist die erste Reaktion der Budenbetreiberinnen und Betreiber vor allem bodenlose Enttäuschung. "Ist das wirklich so?", fragt Mark Roschmann, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Südwest Stuttgart. Er wollte am Mittwoch endlich wieder seinen Süßwarenstand auf dem Weihnachtsmarkt eröffnen.

"Ich bin sprachlos. Wir haben ja darauf hingefiebert. Wir sind hier auf den letzten Drücker angekommen und haben alle die letzten Geldreserven da reingesteckt. Die Waren sind gekauft, das Personal ist bezahlt. Jetzt steht man erstmal ohne Geld da."

Trotzdem macht er der Stadt Stuttgart keinen Vorwurf. Sie hätten alles versucht, um den Markt mit strengen 2G plus-Regeln stattfinden zu lassen. Aber der Druck vom Land und von den Absagen der anderen Märkte in der Region, deren enttäuschte Besucher dann vielleicht alle nach Stuttgart gepilgert wären, war einfach zu groß.

Anders sieht es der Betreiber von einem Stand für Herrnhuter Sterne. Er ist von der Vorgehensweise der Stadt enttäuscht. Man habe gewartet bis der maximale Schaden für die Schaustellerinnen und Schausteller entsteht. "Jeder, der nur einmal in der Woche Nachrichten hört, wusste genau was los ist", sagt er. Die Stadt hätte seiner Meinung nach so eine bundesweite Massenveranstaltung gar nicht erst angehen dürfen. Seit August bereiten sie sich auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt vor. "Jetzt sind wir erstmal pleite", sagt er bitter.

Für den Betreiber des Standes für Herrnhuter Sterne ist die Absage des Weihnachtsmarktes finanzielles Desaster (Foto: SWR)
Sein Stand war schon komplett aufgebaut, das Geld für Waren und Personal eingeplant. Dann kam die Absage des Weihnachtsmarktes.

Hoffnung auf zusätzliche Corona-Soforthilfen von Land und Bund

Im Zuge der Absage des Weihnachtsmarktes appelliert Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) an Bund und Land, die Gastronomen und Schausteller, die von den Absagen der Weihnachtsmärkte betroffen sind, mit zielgerichteten Corona-Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Es handele sich ganz überwiegend um kleine Familienbetriebe, so der Oberbürgermeister, die in der Folge der Pandemie in ihrer Existenz bedroht seien. In diesem Winter nun noch schlimmer als zuvor.

Auch der Präsident des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute Baden-Württemberg, Werner Burgmeier, beharrt dringend darauf, dass sich die Politik schnell etwas für die Betroffenen ausdenken müsse. Dies sei zwar bereits von den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder zugesagt, aber noch nicht abschließend beschlossen worden, so Burgmeier. Zudem müsse die Politik dringend längerfristige Hygienekonzepte für derartige Veranstaltungen auf den Weg bringen. Ansonsten würde diese traditionsreiche Zunft bald nicht mehr existieren können.

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SWR