Auf der Bahnstrecke zwischen Stuttgart-Obertürkheim und Untertürkheim hatte sich der Schotter abgesenkt. Es kommt immer noch zu Verspätungen. (Foto: IMAGO, IMAGO / Panthermedia)

Besteht ein Zusammenhang zu S21-Bauarbeiten?

Gleisbett in Stuttgart abgesackt: Weiter Verspätungen bei S-Bahnen und im Fernverkehr

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In Obertürkheim klaffte vergangene Woche ein Loch im Gleisbett. S21-Kritiker sehen einen Zusammenhang zu den dortigen Bauarbeiten. Es kommt zu Verspätungen - nicht nur bei der S-Bahn.

Der Schotter wurde laut Bahn wieder aufgefüllt, trotzdem kommt es nach wie vor zwischen Stuttgart-Obertürkheim und Neckarpark in beiden Richtungen zu Verspätungen. Der Grund ist ein schätzungsweise rund ein Meter auf ein Meter großes Loch, das sich vergangene Woche unter den Schienen gebildet hatte. Einige Querstreben unter dem Gleis schwebten dadurch frei in der Luft. Ein Bild des Lochs kursierte im Netz und sorgte für Diskussionen. Die Stuttgarter Nachrichten hatten zuerst über das Thema berichtet.

"Die Absenkung wurde umgehend bemerkt und behoben", teilte die Deutsche Bahn am Dienstag auf Anfrage mit. Zu möglichen Gründen für den Vorfall hält sich die Bahn bedeckt. "Die Ursache für die Absenkung ist noch unklar", hieß es lediglich auf Anfrage.

Stuttgart-Obertürkheim: Züge müssen langsamer fahren

An der betroffenen Stelle verlaufen vier Gleise für die S-Bahn und den Fernverkehr. Aus Vorsichtsgründen gilt auf dem 400 Meter langen Abschnitt seit dem Vorfall für alle Züge eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometer pro Stunde. Dadurch komme es zu Verspätungen "im geringen Minutenbereich" der Linie S1, sagte ein Sprecher der Bahn dem SWR. Diese Verspätungen übertragen sich laut Bahn teilweise aber ins S-Bahn-Gesamtznetz.

Außerdem sind auch Regional- und Fernverkehrsverbindungen in Richtung Ulm, Tübingen und München beeinträchtigt, da auch diese Züge an der betroffenen Stelle langsamer fahren müssen. Wann die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben werden kann, ist laut Bahn unklar.

Bahn sieht bislang keinen Zusammehang zu S21

Im Bereich der betroffenen Stelle werden Tunnel für Stuttgart 21 gebaut. Die Bauarbeiten in diesem Gebiet gelten als sehr schwierig - unter anderem, weil zwischen Tunnel und Erdoberfläche nur vergleichsweise wenig Platz ist. Die Bahn gibt auf Anfrage an, dass derzeit kein Zusammenhang zu den Bauarbeiten im Untergrund hergestellt werden könne - weil die Ursache eben noch unklar sei.

Direkt unter der betroffenen Stelle ist der Vortrieb für den Tunnelbau nach Angaben der Bahn abgeschlossen. Ein Stück entfernt von der betroffenen Stelle liegt die Bruckwiesenbrücke. Auch sie macht die Arbeiten in diesem Gebiet knifflig, da die Brückenpfeiler tief ins Erdreich hineinreichen und mit einem komplizierten Bauverfahren gesichert werden müssen, damit im selben Bereich Tunnel gebaut werden können.

S21-Gegner vermuten Zusammenhang zu Tunnelbohrungen

Gegner des Bauprojekts vermuten hingegen, dass das Absacken des Schotters mit den S21-Arbeiten zusammenhängt. Wolfgang Kuebart von der S21-kritischen Initiative "Ingenieure 22" kritisierte außerdem an der Bahn: "Mehr als 'Unklare Ursache' erfährt man von der DB nicht. Vertrauensbildend würde wirken, wenn die DB den vollen Umfang der Vorgänge kommunizieren würde." Hans-Jörg Jäkel, auch von den Ingenieuren 22, geht davon aus, dass der Vorfall auch noch Nachwehen für die Bahn haben könnte: "Ich denke, dass das Eisenbahn-Bundesamt von der Bahn Nachweise haben will, dass an all den anderen Kreuzungsbereichen, wo die neuen Tunnel in Obertürkheim flach unter Gelände langlaufen, nicht das Gleiche passieren kann", sagte Jäkel dem SWR. Dies sind allerdings bislang nur Vermutungen.

Zu der Frage, ob zu dem Vorfall mit dem abgesackten Schotter zwischen der Bahn und dem Eisenbahn-Bundesamt Kontakt herrscht, wollte ein Sprecher der Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm gegenüber dem SWR nichts sagen.

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