Gammelshausen kann Bauplätze derzeit kaum verkaufen (Foto: SWR)

Im Land der Häuslebauer

Gemeinde Gammelshausen bleibt auf Bauplätzen sitzen

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Für ein neues Baugebiet in Gammelshausen gab es rund 100 Interessenten. Jetzt sind 19 Plätze ausgewiesen, aber erst vier verkauft. Warum springen viele Bauwillige jetzt wieder ab?

Rund 100 Bewerbungen hatte die Gemeinde Gammelshausen im Kreis Göppingen für ein neues Baugebiet. Doch jetzt springt ein Interessent nach dem anderen ab. Und Gammelshausen hat ein Problem: Die Erschließung des Baugebietes hat die Gemeinde insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro gekostet. Ein Teil des Geldes musste über Kredite finanziert werden. Um diese zurückzahlen zu können, sollten in diesem Jahr elf von insgesamt 19 Bauplätzen verkauft werden. Aber erst vier Bauplätze sind vergeben.

Bürgermeister sieht klaren Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg

Gammelshausens Bürgermeister Daniel Kohl (parteilos) sieht einen klaren Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg: höhere Lebenskosten, steigende Kreditzinsen, höhere Materialkosten und vor allem eine große Unsicherheit bei den Menschen. Selbst zwei Tage vor Notarterminen für den Bauplatzkauf bekommt der Rathauschef jetzt Absagen. Man bekomme es finanziell nicht hin, sagen die Interessenten. Den Bürgermeister lässt das nicht kalt.


"Wenn man dann merkt, jetzt ist ein Lebenstraum geplatzt, dann nimmt einen das auch persönlich mit."

Gammelshausen verteilte die Bauplätze nach einem Punktesystem

Um die insgesamt 19 Bauplätze einigermaßen gerecht an die ursprünglich über 100 Bewerberinnen und Bewerber zu vergeben, ging die Kommunalverwaltung mit einem Punktesystem vor. Wer sich beispielsweise in Vereinen engagiert, Kinder hat oder noch keine Immobilie besitzt, hat mehr Punkte bekommen als andere. Die Bewerber mit den höchsten Punktzahlen wurden dann bevorzugt behandelt. Mittlerweile verbringt der Bürgermeister viel Zeit mit Anrufen bei Interessenten auf der Nachrückliste - und kassiert auch dort Absagen.

Traum vom Traumhaus bei junger Familie geplatzt

Einer der potentiellen Nachrücker ist Stefan Gödecke. Er kommt aus Gammelshausen und fühlt sich dort auch wohl. Er und seine Frau haben beide gute Jobs. Sie haben zwei Kinder, deshalb wird es in der bisherigen Wohnung langsam eng. Also haben sie sich im neuen Baugebiet beworben. Doch auf der Punkteliste waren sie nur Nachrücker. Als sie dann die Chance auf einen Bauplatz bekamen, war die Zinsschraube schon angezogen. Es war zwar schon alles fertig geplant, aber der Traum vom Traumhaus in ihrer Traumsiedlung ist erstmal ausgeträumt. Stefan Gödecke und seine Familie können sich den Bau nicht mehr leisten. Hohe Zinsen, steigende Baukosten, wesentlich höhere Lebenshaltungskosten als früher bedeuten eine nicht zu kalkulierende Unsicherheit.

"Am Ende musste man sagen: das funktioniert leider nicht. Das ist zuviel Belastung für uns als vierköpfige Familie."

Ganz aufgegeben hat Familie Gödecke den Traum vom eigenen Haus noch nicht. Sie hofft langfristig auf wieder fallende Zinsen. Bis dahin soll die jetzige Wohnung umorganisiert werden. Die Eltern ziehen ins Kinderzimmer. Die Kinder bekommen das große Schlafzimmer. Und Stefan Gödecke macht weiterhin Home Office am Küchentisch.

Immer mehr Bauwillige geben auf - nicht nur in Gammelshausen

Auch Gammelshausens Bürgermeister Daniel Kohl hofft auf bessere Zeiten. Acht der 19 Bauplätze wollte die Gemeinde sowie erst in den nächsten Jahren verkaufen. Dass die Gemeinde das Baugelände umsonst erschlossen hat, glaubt er nicht.

"Ich bin mir sicher, dass wir auch den letzten Platz verkaufen. Die Frage stellt sich nur, wann. Das "ob" stellt sich nicht."

Allein ist die Kommune im Kreis Göppingen mit der derzeitigen Problematik nicht. Anderen Kolleginnen und Kollegen gehe es ähnlich, sagt Kohl. "Das ist landauf, landab eine Thematik, die wir so als Bürgermeister noch nicht gekannt haben."

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