Online-Unterricht aus der Ukraine (Foto: SWR)

Krieg in der Ukraine

Ukrainische Kinder im Kreis Göppingen: Fliegeralarm in der Heimat stört Online-Unterricht

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In Börtlingen bekommen Maria und Yulia Online-Unterricht aus ihrer ukrainischen Heimatstadt. Doch dort müssen sich ihre Freundinnen und Freunde immer wieder in Sicherheit bringen.

Alles wirkt wie ganz gewöhnlicher Online-Unterricht: Maria (14) und Yulia (13) sitzen am Esstisch, schauen auf Smartphones und folgen den ukrainischen Worten ihrer Lehrerin. Virtuell sind Maria und Yulia mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern in ihrer Heimatstadt Winnyzja im Südwesten der Ukraine verbunden. Seit einigen Wochen leben sie jedoch in Börtlingen, einem kleinen Ort im Landkreis Göppingen. "Am Tag haben wir acht Unterrichtsstunden und dazwischen zehn- bis fünfzehnminütige Pausen", sagt Yulia.

SWR-Reporter Frieder Kümmerer hat Maria und Yulia getroffen:

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Online-Unterricht zusammen mit anderen Kindern aus der Ukraine

Doch immer wieder erleben Maria und Yulia, wie sich ihre Freundinnen und Freunde sowie die Lehrkräfte zuhause in der Ukraine schnell vor russischen Angriffen in Sicherheit bringen müssen.

Online-Unterricht aus der Ukraine (Foto: SWR)
Der Unterricht läuft über das Smartphone. Heute geht es um das Karpaten-Gebirge.

So ergeht es beispielsweise ihrer Klassenlehrerin Lydija Aleksandrowna Lyvkowitsch, die trotz des Ukraine-Kriegs in Winnyzja geblieben ist. Findet ein Fliegeralarm während ihrer Zeit im Schulgebäude statt, versteckt sie sich dort im Keller und beim Unterricht zuhause im Flur. "Man soll immer zwei Wände um sich herum haben", erklärt sie, "zu Hause habe ich sehr dicke Wände."

Online-Unterricht aus der Ukraine (Foto: SWR)
Lydija Aleksandrowna Lyvkowitsch sitzt in ihrem Klassenzimmer in Winyzja. Wenn Fliegeralarm ist, muss sie den Unterricht abbrechen und in den Schulkeller gehen.

Kinder sollen trotz des Ukraine-Kriegs ein Stück Normalität erleben

Erst nach einem solchen Fliegeralarm kann der Unterricht auch im schwäbischen Börtlingen weitergehen. Er soll den Kindern ein Stück Normalität bieten. Gerade die alltäglichen Dinge würden ihren Töchtern helfen, erzählen die Mütter von Maria und Yulia. Dazu gehöre auch der Online-Unterricht, der den Kindern zeige, dass die Lehrerinnen und Lehrer durchhielten.

"Sie kämpfen an ihrer eigenen Front."

Schon einige Tage nach Kriegsausbruch sei der Unterricht online wieder aufgenommen worden. Man tue alles, damit die Schüler das Schuljahr regulär beenden könnten.

SWR-Reporter Fabian Ziehe hat für das Radio darüber berichtet:

Kinder berichten von freundlichem Empfang im Schwäbischen

Yulia und Maria fühlen sich wohl in Börtlingen. Die Menschen hätten sie nett und freundlich aufgenommen, auch die Nachbarn seien hilfsbereit.

So wurden die Familien der beiden Mädchen in Börtlingen aufgenommen:

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Yulias und Marias Freundinnen und Freunde sind zum Teil verstreut über Polen, Rumänien und Deutschland oder in der Ukraine geblieben.

"Ich vermisse meine Freunde sehr, aber ich bin froh, im Online-Unterricht zu sehen, dass es Ihnen gut geht. Denn ich mache mir schon Sorgen, viele sind in Winnyzja geblieben und die Sirenen gehen sehr oft an."

Yulia und Maris würden gerne auch in eine deutsche Schule gehen. Bisher sei das noch nicht möglich gewesen, teilte das Schulamt Göppingen dem SWR mit. Aber man sei gerade dabei, ein pädagogisches Konzept für die ukrainischen Kinder im Kreis zu erarbeiten. Schon in wenigen Tagen sollen auch Yulia und Maria hier vor Ort in die Schule gehen können - während ihre Freundinnen und Freunde in Winnyzja sich wohl weiter wegen Fliegeralarm in Sicherheit bringen müssen.

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