Panoramabahn-Strecke der Gäubahn in Stuttgart mit Regionalzug. (Foto: IMAGO, IMAGO / Arnulf Hettrich)

Streit über die Abbindung in Stuttgart-Vaihingen

Stuttgart 21: Interessensvertreter einigen sich auf Faktencheck zur Gäubahn

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Es war ein Krisentreffen, zu dem Stuttgarts Oberbürgermeister Nopper ins Rathaus eingeladen hatte. In der nicht öffentlichen Sitzung wurde nun ein Faktencheck zum Erhalt der Gäubahn beschlossen.

Der Interessensverband Gäu-Neckar-Bodensee, dem unter anderem die Anrainergemeinden entlang der Gäubahn angehören, die Landeshauptstadt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart haben sich am Donnerstag auf einen Faktencheck geeinigt. Das teilten die beteiligten Vertreter in einer Pressemitteilung mit. Ziel sei es, die Diskussion um das Thema Gäubahn zu versachlichen.

Dem gemeinsamen Krisentreffen gingen mehrere Wochen Diskussionen im Rahmen der Bauarbeiten von Stuttgart 21 voraus, in denen um die Unterbrechung der Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen gestritten wurde. Nach den aktuellen Plänen sollen ab 2025, solange die Gäubahn noch nicht an den neuen Tiefbahnhof angeschlossen ist, die Züge aus Zürich und Singen kommend in Stuttgart-Vaihingen enden. Von dort sollen die Fahrgäste mit der S-Bahn weiter zum Hauptbahnhof fahren. Experten rechnen aktuell damit, dass diese Zwischenlösung etwa zehn Jahre dauern würde. Dagegen wehren sich Umweltverbände und die Gemeinden entlang der Gäubahn mit verschiedenen Rechtsgutachten.

Stuttgarts Oberbürgermeister Nopper: "Wir wollen einen Gäubahnfrieden"

Frank Nopper (CDU), Oberbürgermeister von Stuttgart, versucht die Wogen zu glätten. "Ziel sollte es sein, einen Gäubahnfrieden zu halten", so Nopper. Schließlich hat die Stadt Stuttgart ein Interesse daran, die Flächen am jetzigen Hauptbahnhof für eigene Bauprojekte zu bekommen. "Wir alle sind Gäubahn, wir alle möchten einen Weg finden, einen Ausgleich zu finden. Ich bin zuversichtlich, dass uns dies in der Abwägung gut gelingen wird", so Nopper weiter.

Ist es sinnvoll Gleise liegen zu lassen?

"Wir haben heute als Oberbürgermeister entlang der Gäubahn von Singen bis nach Böblingen noch mal deutlich zum Ausdruck gebracht, dass wir eine Kappung der Stuttgarter Gäubahn an den Hauptbahnhof nicht akzeptieren können", sagte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) dem SWR. "Für einen großen Teil der Gäubahnfahrgäste, die in die Landeshauptstadt wollen, wäre das über mehr als 10 Jahre mit erheblichen Einschränkungen verbunden."

Die Forderung der Anrainergemeinden sei es ganz konkret, die derzeit bestehenden Gäubahngleise am jetzigen Kopfbahnhof im derzeitigen Zustand zu belassen, bis eine Alternative verfügbar ist. Wie sinnvoll das wäre, soll der Faktencheck, durchgeführt vom Landesverkehrsministerium, klären. Man verstehe natürlich, dass die Stadt Stuttgart ein Interesse daran habe, die städtebauliche Entwicklung voranzutreiben, so Belz weiter. "Aber auf der anderen Seite darf die städtebauliche Entwicklung des Rosensteinquartiers nicht zu Lasten von 1,4 Millionen Bürgerinnen und Bürgern entlang der Gäubahn passieren."

Die Gäubahn in Stuttgart (Foto: SWR)
Ein Zug der Gäubahn auf der Panoramastrecke zwischen Stuttgart-Vaihingen und Hauptbhanhof.

Keine juristische Auseinandersetzung gewollt

Guido Wolf (CDU), Vorsitzender des Interessenverbandes Gäu-Neckar-Bodensee, teilte nach dem Treffen mit: "Für die Verbandsmitglieder ist es entscheidend wichtig, dass wir uns nicht in juristischen Auseinandersetzungen verheddern, sondern weiterhin den gemeinsamen Schulterschluss üben." Es liege in der Natur der Sache, dass bei einem derart bedeutenden Projekt regional unterschiedliche Interessen artikuliert werden. "Unser Ziel muss es sein, diese mit Blick auf die verkehrliche Perspektive für unseren gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum zu bündeln. Die Bereitschaft hierzu war auch heute wieder deutlich zu erkennen."

Gemeinsames "Ja" zum Pfaffensteigtunnel

Bei all den Kontroverse sind sich die Beteiligten in einem Punkt einig: Man befürwortet den Pfaffensteigtunnel, der künftig die Gäubahn von Böblingen aus über den Flughafen Stuttgart an den neuen Tiefbahnhof anschließen soll. Damit könne eine höhere Zugfolge, die auch für den sogenannten Deutschlandtakt notwendig sei, gewährleistet werden. "Die Region unterstützt alle Bemühungen, damit die Gäubahn deutschlandtaktfähig wird. Dazu ist der Pfaffensteigtunnel ein entscheidender Auftakt, der nun angegangen wird", so Thomas Bopp, Vorsitzender vom Verband Region Stuttgart.

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