STAND
ONLINEFASSUNG
AUTOR/IN

Wie dreht man als Naturfilmer in Zeiten der Pandemie einen Film, der weltweit Klimaaktivisten zu Wort kommen lässt? Jungregisseur Franz Böhm aus Gerlingen gibt im SWR-Interview überraschende Antworten.

Der 22-jährige Regisseur Franz Böhm hat seinen ersten Lang-Film gedreht. "Dear Future Children" heißt er, und er ist aktuell beim Ludwigsburger Filmfestival Naturvision, das als Online-Veranstaltung abgehalten wird, zu sehen. SWR-Moderatorin Verena Neuhausen wollte von Franz Böhm wissen, welche Art von Filmemacher er sei. Von Naturfilmern gebe es bekanntlich die Vorstellung, sie lägen in einem abgelegen Winkel der Welt auf der Lauer, um eine seltene Tierart abzufilmen....

Franz Böhm: Das muss ich natürlich gleich zurückweisen. Wir haben mit einem sehr talentierten und jungen internationalen Team gedreht. In Hongkong, Uganda und in Chile, haben uns auch viel mit Aktivismus und mit Klimaaktivismus beschäftigt und haben da wahnsinnig spannende Protagonistinnen begleitet. Das war ein sehr aufregender Dreharbeiten.

SWR: Also keine Tiere, sondern Aktivisten. Die hätten Sie doch auch hier in Stuttgart finden können. Sie kommen ja aus Gerlingen. In Stuttgart gibt es immerhin die in Deutschland ältesten Friday for Future -Community. Warum also so weit weg?

Franz Böhm: Die Aktivisten hätten wir auf jeden Fall auch in Stuttgart, in Deutschland und generell in Europa finden können. Jedoch sind viele Geschichten außerhalb auch extrem spannend. Und gerade der Klimawandel hat in Uganda einen extrem heftigen Eindruck hinterlassen - und auch jetzt schon einen starken Einfluss auf das Leben unserer Protagonistinnen gehabt. Wir wollten uns den globalen Aktivismus anschauen und auch zeigen: Was verbindet Aktivistinnen über Kontinental-Grenzen hinweg?

SWR: Konnten Sie denn reisen? Wie hat das geklappt in Zeiten der Pandemie?

Franz Böhm: Wir haben die Dreharbeiten zum großen Teil schon vor dem Start der Pandemie abgeschlossen. Wir waren tatsächlich bis März 2020 mit den Dreharbeiten beschäftigt und haben dann nur noch einmal während der Pandemie unter sehr großen Sicherheitsvorkehrungen erneut in Hongkong gedreht. So haben wir praktisch dieses Problem umgangen und hatten dann die Zeit während der Pandemie für den Filmschnitt und die Fertigstellung genutzt. Das hat einigermaßen gut funktioniert.

SWR: Spannend ist auch ihre Filmfinanzierung. Sie haben Crowdfunding, also Geldsammeln, betrieben. Kommt da womöglich eine angeborene schwäbische Sparsamkeit durch?

Franz Böhm: (lacht) Mit Sicherheit! Das Crowdfunding ist eine sehr neue und innovative Art, um Filme zu finanzieren. Wir haben auch eine tolle Unterstützung der MFG Baden-Württemberg bekommen (Medien - und Film-Gesellschaft, Anm. d.Red.). Aber das Crowdfunding ist eben eine sehr demokratische Art und Weise, wie man Filme finanzieren kann; weil man dem Publikum sozusagen "die Stimme" gibt. Man gibt dem Publikum die Möglichkeit, den Film mit Kleinstbeträgen zu unterstützen. Und so kam bei uns ein doch sehr toller Betrag zusammen, der uns erlaubt hat, dieses Projekt überhaupt zu realisieren.

SWR: Publikum ist ein Stichwort. Sie sind ja aktuell nicht in Ludwigsburg vor Ort zum Naturvision Festival. Wie wichtig ist denn das eigentlich, bei einem Festival wie dem in Ludwigsburg ins Gespräch zu kommen mit anderen Filmschaffenden oder auch mit dem Publikum?

Franz Böhm: Das ist für uns die absolute Essenz. Wir haben schon jetzt mit "Dear Future Children" sehr viele Festivals besucht, auch sehr viele kleinere private Vorführungen organisiert, zusammen mit anderen Filmschaffenden: Vor allem aber mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, ist eigentlich mit die wichtigste Phase des Projekts für uns. Und das geht natürlich jetzt gerade in Corona-Zeiten auch stark über digitale Wege. Wir hatten erst in den vergangenen Wochen die sogenannten Schulkinowoche in Baden-Württemberg mit digitalen Formaten. Das war eine großartige Erfahrung - und wir freuen uns natürlich auf jeden Austausch mit dem Publikum. Aber aktuell in Ludwigsburg geht das auch nur digital.

STAND
ONLINEFASSUNG
AUTOR/IN