Großbrand im Stuttgarter Busdepot entstand wohl durch E-Busse

Bus-Experte Wagner: Beim Laden werden Batterien sehr warm

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Eine Woche nach dem Großbrand im Stuttgarter Busdepot hält auch die Polizei für möglich, dass das Feuer von E-Bussen ausging. Wie ist das einzuschätzen? Fragen an den Fachjournalisten Thorsten Wagner.

Bei dem Brand im Busdepot der Stuttgarter Straßenstraßenbahnen (SSB) sind 25 Busse zerstört worden. Wegen Einsturzgefahr kann die ausgebrannte Halle noch nicht betreten werden. Nach Überprüfung der Daten des Brandmeldesystems und der damit verbundenen Temperaturensensoren kommt die Stuttgarter Kriminaltechnik zu dem Schluß, dass der Ladevorgang eines E-Busses den Brand ausgelöst haben könnte. Die Ermittler gehen derzeit von einem technischen Defekt aus. Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte am Mittwoch gesagt, dass das Feuer nach jetzigem Kenntnisstand an einem E-Bus entstanden sei. Thorsten Wagner befasst sich seit Jahren als Redakteur und Tester mit dem Thema Bus.

SWR: Herr Wagner, für wie wahrscheinlich halten Sie denn die These vom Brandherd Elektrobatterie?

Thorsten Wagner: Es gibt viele Spekulationen, die ins Kraut schießen. Sicherlich auch, weil es wenig Informationen gibt bisher. Aber das, was wir wissen - dass es Augenzeugen gab, die auf einem Busdach ein Feuer entdeckt haben ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die Brandmeldeanlage angeschlagen hat - das deutet schon recht deutlich darauf hin. Bei Elektrobussen sind die Lithium-Ionen-Batterien meist auf dem Dach verbaut.
Zweites Indiz ist für mich, dass die Feuerwehr bestätigt hat, dass sie sehr schnell beim Brandherd war und da schon mehrere Busse in Brand standen. Ich bin kein Feuerwehr-Experte. Aber ein normaler Busbrand, der vom Motor ausgeht oder vielleicht auch von einer Klimaanlage, kokelt eine Weile vor sich hin. Und das war hier definitiv nicht der Fall. Das hat durchgezündet.

"Ich muss auch den heldenhaften Mut der Mitarbeiter betonen, die da wirklich noch 60 Busse rausgefahren haben ... Hut ab! Sonst wäre noch mehr passiert."


In diesem Zusammenhang muss man auch den heldenhaften Mut der Mitarbeiter betonen, die da wirklich noch 60 Busse rausgefahren haben, als schon mehrere in Brand standen. Hut ab, kann ich da nur sagen, sonst wäre noch mehr passiert.

Wie kann es denn überhaupt zu einem Brand im Depot kommen? Also im Ruhezustand der Busse?

Wagner: Ja, das könnte man so denken, das ist richtig. Aber im Grunde genommen haben diese Busse dann die größte Arbeit vor sich: Sie müssen die Energie für einen ganzen nächsten Tag wieder laden. Das ist ein ganzer Haufen Energie - bis zu 600 Kilowattstunden, die da reingepresst werden, mit meist 150 Kilowatt am Stecker. Und das ist eine Höchstbelastung für so eine Batterie. Wir kennen das vom eigenen Handy. Wenn es nachts auflädt, wird das auch knackig warm. Eigentlich werden die Batterien dabei am meisten gefordert.

Das heißt, hier liegt auch eine Gefahrenzone sozusagen.

Wagner: Na, ich würde es nicht Gefahrenzone nennen. Das sind ja alles Dinge, die teilweise seit Jahrzehnten gemacht werden und getestet sind. Aber bei der Depotladung, wie sie bei uns in Deutschland hauptsächlich verwendet wird, haben die Batterien nachts oder abends noch mal Höchstleistungen zu vollbringen.

Ausgebrannte Omnibusse stehen in einem Busdepot. Nach einem Großbrand in dem Depot ist die Ursache des Feuers weiterhin unklar. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)
Völlig ausgebrannte Busse nach dem Großbrand im SSB-Busdepot. picture alliance/dpa | Marijan Murat

Es handelt sich bei einem der abgebrannten Busse um ein Fahrzeug von Daimler. Das hat der Konzern auch bestätigt. Da gab es erst im Frühjahr diesen Jahres eine große Rückholaktion. Dabei handelt es sich um Busse, die mit einer neuen Generation von Batterien ausgestattet waren, sogenannten Feststoffbatterien. Die hatten einen Isolationsfehler. Könnte das eine mögliche Brandursache sein?

Wagner: Da sind wir wieder im Reich der Spekulationen. Der Fehler wurde abgearbeitet und der Rückruf wurde ordnungsgemäß über's KBA (Kraftfahrbundesamt) beendet. Ich habe keinen Grund, davon auszugehen, dass das nicht so ist. Von der reinen Theorie her könnte das natürlich sein. Aber wie gesagt: reine Spekulation momentan.

Die Suche nach der Brandursache durch die Polizei steht noch aus im Fall SSB-Depot Stuttgart-Ost. Was erwarten Sie davon?

Wagner: Da sprechen Sie einen Knackpunkt an. Also bei den beiden anderen Depotbränden dieses Jahr in Düsseldorf und Hannover steht bei einem noch ein Gutachten aus, beim anderen ist das Ergebnis keine Brandstiftung, sondern ein technischer Defekt. Welcher? Ich erwarte nicht viel mehr von den Ergebnissen in Stuttgart, auch angesichts der Kommunikationskultur, die die Pressestelle momentan hat, nämlich überhaupt nichts zu sagen. Das ist ein wichtiges Thema. Wir sind alle auf dem Weg zur Elektromobilität. Die ist beim Bus unvermeidlich. Und da muss mit offenen Karten gespielt werden!

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SWR