Ein Zähler für die Energie-Abrechnung dreht sich mit scheinbar hoher Geschwindigkeit, sodass die hinteren Ziffern nicht mehr zu erkennen sind. Das zeigt an, dass die Energiepreise und auch die Nebenkostenfür Mieter derzeit stark steigen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Experten warnen vor höheren Energiekosten

Wird Stuttgart durch steigende Nebenkosten für Mieter unbezahlbar?

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Mieten in Stuttgart sind laut einer neuen Studie seit vergangenem Herbst nur "moderat" gestiegen. Experten warnen aber vor deutlich höheren Rechnungen für Energiekosten.

Die Mieten in Stuttgart sind im vergangenen Halbjahr nach einer neuen Studie des Immobilienverbands IVD Süd zwar nur in einer Größenordnung von unter einem Prozent gestiegen und damit weniger deutlich als in der Vergangenheit. "Die Mietpreisbremse hat die Mietanstiege in Stuttgart gebremst", heißt es in dem Bericht. Dennoch werden die Wohnkosten nach Ansicht von Experten weiter steigen. "2022 könnte lästig werden", so beschreibt es Stephan Kippes, Immobilienexperte von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU).

Seit 2015 seien Mieter noch relativ gut davongekommen, sagte Kippes im SWR. Aber es sei "bedrohlich", dass sich die Situation nun "komplett drehe". Die Folgen würden jedoch wohl erst im kommenden Jahr deutlich werden, denn die seit September zu beobachtenden Preisanstiege machten sich erst dann auf den Abrechnungen für Mieter bemerkbar, so der Forscher, der zugleich Leiter des Marktforschungsinstituts des Immobilienverbands IVD Süd ist.

Mieterverein: Immer weniger können sich Stuttgart leisten

Auch Jens Rüggeberg vom Mieterverein Stuttgart schlägt Alarm und spricht von einer dramatischen Entwicklung, die so keiner habe kommen sehen. "Ich befürchte, dass viele Mieterinnen und Mieter noch gar nicht realisiert haben, welche Gefahr ihnen da droht", sagte Rüggeberg dem SWR. Seiner Ansicht nach können sich Menschen mit geringem Einkommen und auch Normalverdiener das Leben in Stuttgart immer weniger leisten.

Was können die Mieter tun?

Kippes und Rüggeberg empfehlen Verbrauchern angesichts der hohen Preise Ähnliches: Wenn möglich, sollten sie schon jetzt einen höheren monatlichen Abschlag zahlen oder Geld für die kommende Abrechnung zurücklegen. Beide empfehlen, jährlich über Vergleichsportale zumindest zu prüfen, ob es günstigere Anbieter gibt, die für bis zu 24 Monate einen festgelegten Tarif bieten. Der Mieterverein Stuttgart fordert darüber hinaus von der Politik, mehr gegen die steigenden Preise zu unternehmen, zum Beispiel durch die Gewährung von Zuschüssen für die Verbraucher.

Wie entwickeln sich die Nebenkosten?

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation im kommenden Jahr darstellt. Immobilien-Experte Kippes rechnet jedenfalls weiterhin damit, dass 2022 für viele Mieter angesichts der steigenden Energiekosten "relativ bitter" werden könnte.

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