Mario Novak bietet Menschen Gesprächsmöglichkeit in der Fußgängerzone

Kirche in der Krise

Gespräche auf der Straße: Evangelische Kirche in Stuttgart geht neue Wege

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Katja Trautwein
Katja Trautwein

Die Kirchen haben mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Forderungen nach Veränderungen werden laut. Die Evangelische Kirche in Stuttgart bietet jetzt neue Angebote.

Von Smalltalk bis zur Lebenskrise - Mario Novak sitzt mit Klapptisch, Papphocker, Kaffee, Snacks und einem offenen Ohr in der Stuttgarter Innenstadt, inmitten des Alltagstrubels. Er ist Teil des Gemeinschaftprojekts "mitten:DRIN" des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart und der Evangelische Jugend Stuttgart (EJUS). Auch wenn Kirche immer unpopulärer werde, das Bedürfnis nach Nähe und Gespräche bliebe, so Mario Novak. Deshalb geht er mindestens einmal die Woche auf die Menschen zu, statt in einer Einrichtung der Kirchengemeinde auf sie zu warten.

"Manche Leute sitzen hier eine Stunde und erzählen ihre halbe Lebensgeschichte, manchmal kommt eine Träne."

Das zeige, dass sie mit ihrem Angebot am richtigen Platz sind. An seinem Tisch höre er oft, dass man zwar viele Kontakte hätte, aber niemanden zum "richtig reden". Ob durch sein Angebot wieder mehr Menschen in die Kirche gingen, sei für ihn zweitrangig, als Mensch müsse man einfach füreinander da sein. Und das ist er auch bei schlechtem Wetter. Selbst dann machen Menschen Halt an seinem kleinen Tisch und freuen sich über das Angebot. Ein Passant meint zustimmend: "Die Kirchen müssen auf die Leute zugehen. (...) Die Kirchen haben auch in der heutigen Zeit viel zu bieten an sich, haben aber ein Kommunikationsproblem".

Evangelische Kirche in Stuttgart bietet Gesprächsangebot in der Fußgängerzone
Evangelische Kirche in Stuttgart bietet Gesprächsangebot in der Fußgängerzone.

Kirche muss sich an Bedürfnisse der Menschen anpassen

So sieht das auch der Stadtdekan der evangelischen Kirche in Stuttgart, Sören Schwesig. Er will in seiner Kirche mehr Angebote, wie die von Mario Novak. Stadtdekan Schwesig versteht sich als "Detektiv", der ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Angeboten in der Kirche ist. Denn der Mensch sei ein religiöses Wesen mit der Sehnsucht nach Spiritualität, meint er. Die Kirche müsse aber die richtigen Zugänge finden. "Ich spreche ganz bewusst andere Leute an und sage 'was würde dich denn interessieren oder was schreckt dich denn so ab'. Weil ich merke, ich lebe ja doch ein Stück weit in einer Blase und muss immer gucken, dass ich meinen Blick da raus kriege".

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