Eine Kita in Wernau (Kreis Esslingen): Auch hier kämpft die Stadt immer wieder aufs neue darum, die Öffnungszeiten trotz Erziehermangels aufrecht zu erhalten. (Foto: SWR, Matthias Roman Schneider)

Leer gefegter Fachkräftemarkt

Erziehermangel: Kitas in der Region Stuttgart schränken Zeiten ein und lassen Plätze frei

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Eltern, die arbeiten, sind auf eine zuverlässige Betreuung ihrer Kinder angewiesen. Wegen fehlender Erzieher in Kitas gibt es aber besonders bei der Kleinkindbetreuung immer häufiger Probleme.

In Stuttgart hat die Stadt nach eigenen Angaben zuletzt die Öffnungszeiten im Bereich des Früh- und Spätdienstes in einzelnen Kindertagseseinrichtungen reduzieren müssen. Zudem können rund 1.200 reguläre Kita-Plätze in städtischen Einrichtungen wegen des Personalmangels nicht besetzt werden. Insgesamt stehen in Stuttgart rund 27.600 Betreuungsplätze für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren zur Verfügung. 280 Stellen von Erzieherinnen und Erziehern sind im Moment laut Stadt jedoch nicht besetzt.

Öffnungszeiten in einer Kita in Ludwigsburg eingeschränkt

Damit steht die Stadt Stuttgart nicht alleine da: So musste beispielsweise in Ludwigsburg eine Kita der katholischen Kirche wegen Personalmangels die Öffnungszeiten ebenfalls reduzieren. Dort gab es dann zuletzt nur noch eine Halbtagesbetreuung. Wie es in dem Ludwigsburger Familienzentrum weitergeht, ist nach Angaben des zuständigen Pfarrers noch offen.

Personalsituation in Kitas in Wernau angespannt - wie überall

Armin Elbl, Bürgermeister der Stadt Wernau (Kreis Esslingen) (Foto: SWR, Matthias Roman Schneider)
Armin Elbl, Bürgermeister der Stadt Wernau (Kreis Esslingen), muss regelmäßig um Fachkräfte für Kitas ringen. Matthias Roman Schneider

Der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl (parteilos) hat in seiner größten Einrichtung gerade noch verhindern können, dass die Betreuungszeiten reduziert werden müssen. Mehrfach schon hat die Stadt eine Stelle als Erzieherin oder Erzieher für den Kindergarten ausgeschrieben. Aber eine qualifizierte Bewerbung war nicht dabei, sagt Elbl. Nun konnte man über eine Personalleasingfirma eine Fachkraft gewinnen und hat damit Schlimmeres verhindert.

"Die Personalsituation ist bei uns angespannt, wie auch in anderen Kommunen im Land", bestätigt Elbl. Das sei so, seit 2013 der Rechtsanspruch auf den Kita-Platz für Kinder zwischen einem und drei Jahren eingeführt wurde. Die Stadt Wernau hat insgesamt 520 Plätze in insgesamt elf Kindertagesstätten. Eine Krippengruppe für Kinder unter drei Jahren ist wegen Personalmangel derzeit geschlossen. In der Stadt kommt es nach Angaben des Bürgermeisters immer wieder zu Personalengpässen in den Kindertagestätten und damit müssten dann auch gelegentlich wieder Betreuungszeiten verkürzt werden. Krankheitsfälle, Umzug, Kündigungen: Immer wieder muss die Stadt mit dem Personal jonglieren.

Corona hat die Lage an Kitas noch verschärft

"Wir haben einen enormen Fachkräftebedarf im Land." Allein die Stadt Wernau hat nach eigenen Angaben 30 Vollzeitstellen für die Kita-Betreuung im Kleinkindbereich. "Corona hat die schwierige Situation noch verschärft", betont Elbl. Denn wegen der Corona- Pandemie müssen die einzelnen Gruppen in den Einrichtungen strikt voneinander getrennt werden. So ist es beispielsweise nicht mehr möglich in Randzeiten Gruppen zusammenzulegen und dadurch Personal einzusparen.

Quereinsteiger als neues Kita-Personal und größere Gruppen?

Steffen Jäger, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Gemeindetags Baden-Württemberg (Foto: SWR, Frieder Kümmerer)
Steffen Jäger, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Gemeindetags Baden-Württemberg Frieder Kümmerer

Im Gemeindetag Baden-Württemberg sind die Probleme wegen fehlender Erzieherinnen und Erzieher bekannt. "Es ist tatsächlich so, und das ist auch keine neue Erkenntnis, dass wir hier einen habhaften Fachkräftemangel haben", so Steffen Jäger, Präsident und Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Gemeindetags. Auch Jäger weiß, dass im schlimmsten Fall verfügbare Betreuungsplätze nicht besetzt werden können oder Öffnungsszeiten verkürzt werden müssen.

"Der leergefegte Arbeitsmarkt wird kurzfristig nicht zu überwinden sein. Das ist Realität."

Als kurzfristige Übergangsmaßnahmen bringt Jäger Maßnahmen ins Spiel, wie Quereinsteigern einen leichten Zugang in den Erzieherberuf zu ermöglichen und Mindestpersonalschlüssel sowie Gruppengrößen aufzuweichen.

Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen ab 2026

Vom aktuell im Bund beschlossenen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in Grundschulen ab dem Schuljahr 2026/2027 zeigt sich Jäger wenig begeistert. Denn für diese Betreuung werde auf dem gleichen Fachkräftemarkt gefischt, der im Grunde ja jetzt schon leer sei. "Wir sind der Meinung, dass ein formulierter Rechtsanspruch nicht die Probleme löst", adressiert Jäger an die Bundesebene. "Es wäre besser gewesen, zunächst mit den Trägern zu sprechen, um wirklich zu prüfen, was es an Rahmenbedingungen braucht und was auch leistbar ist."

Die Lage könnte sich weiter zuspitzen

Auch der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl macht sich schon jetzt seine Gedanken über die Zukunft. Besonders auch wegen des Rechtsanspruchs auf Ganztagesbetreuung an Grundschulen ab 2026. "Es geht um den gleichen Personenkreis, der dann auch von Schulen zusätzlich umworben wird." Die Folgen sind nach seiner Einschätzung jetzt noch gar nicht absehbar. Jetzt gelte es alles dafür zu tun, dass der Mangel nicht noch größer wird und bis zum Rechtsanspruch gebe es ja auch noch Zeit zu handeln. Der Bürgermeister ist davon überzeugt: "Wir müssen jetzt mehr Menschen für diese Berufe im Umgang mit Kindern überzeugen und dafür ausbilden."

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SWR