Stau trotz neuem Tunnel (Foto: SWR)

Verkehrsaufkommen nur etwas entlastet

Trotz Eröffnung des Stuttgarter Rosensteintunnels: Weiter Ärger und Frust wegen Stau

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Aita Koha

Seit vergangenem Samstag ist der Rosensteintunnel für den Verkehr freigegeben. Doch Autos und Lkw stehen am Leuze-Knoten trotzdem weiterhin im Stau.

Der Frust hat nicht lange auf sich warten lassen: Viele Autofahrer stellen keine Verbesserung fest, wenn sie die B10/B14 durch Stuttgart nehmen. Denn die Verkehrssituation hat sich zumindest vom Pragsattel kommend Richtung Esslingen durch den Neubau des Rosensteintunnels nicht merklich verbessert.

Schon am Wochenende der Eröffnung staute sich der Verkehr um die Wilhelma. Grund war wohl das erhöhte Verkehrsaufkommen aufgrund des schönen Wetters. Nun rollt seit diesem Montag der Berufsverkehr. Der einzige Unterschied zu vorher ist, dass die Autos nicht mehr auf der Neckarstraße und Pragstraße, sondern jetzt im Rosensteintunnel feststecken. Die Stadt versucht zu erklären, woran das liegt.

"Die Erwartungshaltung war höher, als wir sie erfüllen konnten."

Es brauche eine Eingewöhnungszeit, sagt Mutz dem SWR. Seine Kollegen seien täglich draußen, um die Verkehrssituation zu erfassen. Sie haben demnach 16 Signalprogramme, die den Takt der Ampeln steuern. Bei diesem müsse in den nächsten Wochen nachjustiert werden.

Staubild am Rosensteintunnel (Foto: SWR)
Wer vom Pragsattel Richtung Esslingen fährt, steckt immer noch oft im Stau.

Mutz zufolge hat sich die Verkehrslage Richtung Pragsattel verbessert, nur nicht in die andere Richtung. Das hänge mit dem Leuzetunnel zusammen, indem es einspurig wird, weshalb sich der Verkehr in den Rosensteintunnel zurückstaut. Das wird sich wohl erst bessern, wenn der Bau im Leuzetunnel abgeschlossen ist. Das wird voraussichtlich Ende 2024 der Fall der sein.

Rosensteintunnel sollte für weniger Stau sorgen

Eigentlich sollte die Untertunnelung den Stauschwerpunkt zwischen Wilhelma, Rosensteinbrücke und Pragsattel entschärfen. "Stuttgart wird durch den Rosensteintunnel zu einer Stadt mit besserer und flüssigerer Mobilität", hatte Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) schon vor der Tunneleröffnung mitgeteilt. "Aber nicht nur das: Stuttgart wird durch den Rosensteintunnel auch mehr und mehr zu einer Stadt am Fluss und zu einer Stadt mit mehr Lebensqualität", fügte er damals hinzu.

Kritiker befürchten zusätzlichen Verkehr

Auf 1.300 Metern unterquert der neue Tunnel den Rosensteinpark und Teile des zoologisch-botanischen Gartens der Wilhelma. Er soll vor allem Stadtviertel wie Bad Cannstatt, den Hallschlag und auch den Stuttgarter Osten vom Verkehr entlasten.

Denn wenn an der Wilhelma kein Stau mehr sei, würden die Autofahrerinnen und Autofahrer die Schleichwege durch die Viertel nicht mehr nutzen, argumentiert die Stadt. Das sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Stuttgart anders.

"Wir wollen ja den Stau."

Denn sobald man Verkehr flüssig mache, gebe es keinen Grund, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, sagte Gerhard Pfeifer, Stuttgarter BUND-Chef, dem SWR. Dabei möchte der BUND die Menschen gerade dazu bewegen, die S-Bahn oder das Fahrrad zu benutzen.

Außerdem befürchtet Pfeifer, dass der neue Tunnel noch mehr Verkehr anzieht: Der Tunnel animiere dazu, bei Stau auf der Autobahn auf die B10 mitten durch Stuttgart auszuweichen, so Pfeifer. Auch für Lkw-Fahrer sei die B10 am Neckar entlang attraktiver als die Autobahn, weil dort weniger Steigungen seien und sie somit spritsparender vorankommen würden.

Die Zeit der Umleitung gehört nun der Vergangenheit an (Foto: SWR)
Die Zeit der Umleitung gehört nun der Vergangenheit an.

Stadt will Grünanlage am Neckarknie

Die Stadt ist dennoch der Ansicht, dass die Menschen in Stuttgart vom neuen Tunnel insgesamt profitieren: "Der Bau des Rosensteintunnels ermöglicht eine umfangreiche Aufwertung des öffentlichen Raums im Umfeld des Projektes, an der Wilhelma und am Neckarufer", so Stephan Oehler, stellvertretender Leiter des Amtes für Stadtplanung und Wohnen.

Neben zusätzlichen Fuß- und Radwegen plant die Stadt eine neue Grünfläche entlang des Neckars, mit Zugängen direkt zum Fluss. Diese Planung stehe allerdings erst am Anfang, weshalb sich die Stuttgarterinnen und Stuttgarter bis 2029 gedulden müssten, so die Stadt am Donnerstag vor der Eröffnung des Tunnels. So lange dauere die Planung und Umsetzung dieses grünen Zugangs zum Fluss.

Der Rosensteintunnel ist aktuell das teuerste Verkehrsprojekt der Stadt Stuttgart (Foto: SWR)
Der Rosensteintunnel ist aktuell das teuerste Verkehrsprojekt der Stadt Stuttgart.

Die Kosten für den Tunnel waren explodiert

Der Tunnel sollte schon früher fertig werden, doch Lieferengpässe hatten die Eröffnung verzögert. Steigende Baupreise, Probleme im Untergrund, die längere Bauzeit und ein Streit zwischen der Stadt und der Baufirma trieben die Kosten in die Höhe.

Aus den ursprünglich veranschlagten 193 Millionen Euro wurden 456 Millionen Euro. "Ich denke, man muss auf den Effekt und Nutzen gucken, den Infrastrukturprojekte bringen. Außerdem auf die Lebensdauer", sagt Tiefbauamtsleiter Jürgen Mutz zu den Kosten. Der Rosensteintunnel habe eine "Lebensdauer" von 100 Jahren.

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