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Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat ein Jahr nach der "Krawallnacht" von Stuttgart Bilanz gezogen. 140 Tatverdächtige seien bisher ermittelt worden.

Ein Jahr nach den heftigen Ausschreitungen in der Stuttgart Innenstadt in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 2020 ist sich Strobl sicher: "Wir sind auf einem guten Weg, die Innenstadt von Stuttgart für alle Bürgerinnen und Bürger wieder sicherer zu machen." Gemeinsam mit Justizministerin Marion Gentges (CDU) zog er eine Bilanz der strafrechtlichen Aufarbeitung der Vorfälle der "Krawallnacht" von Stuttgart.

150 Ermittlungsverfahren nach "Krawallnacht"

Bisher wurden 150 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Gegen 83 Menschen ergingen bereits Urteile, von denen 65 rechtskräftig sind, sagte Justizministerin Gentges. Strobl und Gentges unterstrichen, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen und würden mit langem Atem fortgesetzt.

Land setzt auf Prävention

Um in Zukunft solche Vorfälle zu vermeiden, setzt die Landesregierung auf Prävention. Dazu gehöre auch die Installation einer Videoüberwachung an Orten in der Stuttgarter Innenstadt, an denen öfter kriminelle Taten geschehen, so Strobl. Das solle potentielle Randalierer abschrecken. Im Sommer 2020 wurde außerdem eine Sicherheitspartnerschaft zwischen der Stadt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg geschlossen. Laut Strobl ging es dabei konkret um zehn Maßnahmen, die in weiten Teilen bereits erfolgreich umgesetzt worden seien. Als Beispiel nannte er brennpunktorientierte Polizeistreifen und ein konsequentes Vorgehen gegen Mehrfach- und Intensivtäterinnen-und täter sowie eine bessere nächtliche Beleuchtung der Stuttgarter Innenstadt.

"Wo die rote Linie überschritten wird, schreiten wir konsequent ein. "

Polizei unterstützt "Wiedergutmachungskonferenzen"

Auch der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz zeigt sich überzeugt von diesem Ansatz der Prävention. Jungen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sei sehr wichtig. Dass friedlich an einem Wochenende gefeiert werde, gehöre zu unserer Stadtgesellschaft dazu. Werde aber eine rote Linie überschritten – durch Straftaten, durch Gewalt oder durch Aggressionen gegen Polizeibeamte, werde die Polizei konsequent einschreiten. Der Stuttgarter Polizeipräsident sagte außerdem am Freitag: "Wir unterstützen auch Wiedergutmachungskonferenzen, in denen Opfer und Täter die Tat und deren Folgen gemeinsam aufarbeiten." Außerdem kommen in Kooperation mit der Mobilen Jugendarbeit spezielle Kommunikationsteams zum Einsatz, so Lutz. Sie könnten die Gesamtlage deeskalieren.

Mehr Respekt zwischen jungen Menschen und Polizei

Der Streetworker Simon Fregin wirbt unterdessen für mehr Respekt zwischen jungen Menschen und Polizei. "Viele junge Leute beschweren sich, dass sie zu häufig ohne Anlass kontrolliert werden und die Beamten sich nicht auf Gespräche einlassen", sagte der Sozialarbeiter der Deutschen Presse-Agentur. Die Polizei wiederum beklage, beleidigt, bespuckt und angegriffen zu werden. In dieser Gemengelage habe Corona wie ein Katalysator gewirkt. Fregin versteht sich als Beobachter der Jugendszene zusammen mit vier anderen Streetworkern. Sie sind über die Caritas und die Diakonie als Träger und die Stadt als Finanzier für vier Jahre als Reaktion auf die Krawallnacht eingestellt worden.

Am späten 20. Juni 2020 hatten dutzende vor allem Jugendliche und junge Männer nach einer Drogenkontrolle in der Stuttgarter Innenstadt randaliert. Polizistinnen und Polizisten wurden bedroht und verletzt. Es kam zu Plünderungen von Geschäften in der Stuttgarter Innenstadt.

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