E-Autos löschen! Da gibt es ein paar Dinge zu beachten. (Foto: SWR, Vanessa Sieck)

"Beherrschbare Gefahr"

Übungseinsatz in Affalterbach: Feuerwehr trainiert brennende E-Autos zu löschen

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Wenn ein Elektroauto brennt, muss die Feuerwehr besondere Risiken beachten. Bei einer Übung am Samstag in Affalterbach haben sich Einsatzkräfte schulen lassen.

Das verunfallte Auto qualmt stark, die verletzte Person ist bereits geborgen. Feuerwehrleute aus dem Kreis Ludwigsburg löschen den simulierten Brand in Affalterbach (Kreis Ludwigsburg) und bekommen dabei Tipps von Christian Kern und Daniel Rothmaier. Die beiden Unternehmer aus Maulbronn leiten die Schulung.

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Bei einem Einsatz mit einem E-Auto muss die Feuerwehr bestimmte Gefahrenquellen im Blick haben. "Es ist eine Hochvoltanlage eingebaut. Da muss man sich drauf vorbereiten, um im Ereignisfall drauf reagieren zu können", erklärt Sascha Hänig, Kommandant der Feuerwehr Affalterbach. Außerdem birgt ein ausgebrochenes Feuer bei einem E-Auto andere Risiken als bei einem Verbrenner.

"Die Elektromobilität ist mit vielen Problemstellungen behaftet, die eigentlich gar keine sind - wenn man weiß, um was es geht."

Der Übungseinsatz soll Hemmungen abbauen und die Einsatzkräfte bestmöglich vorbereiten. Denn egal welcher Autotyp - die erste Vorgehensweise der Feuerwehr ist dieselbe. "Wir löschen und brauchen ein bisschen mehr Wasser, vor allem dann, wenn die Lithium-Ionen-Batterien betroffen sind. Das bringt dann auch ein bisschen eine Besonderheit, weil diese Lithium-Ionen-Batterien kontrolliert und beobachtet werden müssen, auch über einen längeren Zeitpunkt", erklärt Andy Dorroch.

Batterien müssen kontrolliert werden

Weil sich die Batterien theoretisch immer wieder neu entzünden könnten, auch wenn sie schon gelöscht erscheinen, kontrollieren die Einsatzkräfte sie mit Wärmebildkameras. "Wobei die Gefahr tatsächlich beherrschbar ist. Ich wehre mich dagegen zu sagen: Oh Gott, Elektromobilität ist furchtbar und geht gar nicht. Das stimmt nicht", gibt Dorroch Entwarnung.

Für den Fall, dass die Feuerwehr eine in Brand geratenen Batterie nicht unter Kontrolle bekommt, wird das E-Auto in einem sogenannten Löschcontainer voller Wasser versenkt. Allerdings sei das die letzte Konsequenz, erklärt Dorroch: "Es stimmt nicht, dass wir jedes Fahrzeug mit Batterie ins Wasser tauchen, weil etwas passieren könnte."

Erfindung: Löschsack statt Löschcontainer

Solche Container müssten im Ernstfall extra angefordert werden, könnten nicht problemlos an jede Stelle transportiert werden und sind selten. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Dettingen an der Iller, Leo Steinhauser, wollte eine praktischere Lösung für seine Feuerwehr und ist daher selbst zum Erfinder geworden. Er hat sich eine Art Löschsack ausgedacht und gemeinsam mit einer Firma für Feuerwehrausrüstung zur Marktreife entwickelt.

Erfinderisch waren auch Christian Kern und Daniel Rothmaier, die in Affalterbach die Schulung geleitet haben. Sie haben gemeinsam das Auto entwickelt, an dem Einsatzkräfte das Löschen eines brennenden E-Fahrzeugs simulieren können. Solche Übungen seien wichtig, erklärt Sascha Hänig: "Die Elektromobilität ist die Zukunft unseres Straßenverkehrs und da fehlt den Feuerwehren im Land bislang die Erfahrung."

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