RKI: Höchststand an Neuinfektionen (Symbolbild Intensivstation) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)

In den meisten Kreisen im roten Bereich

Auslastung von Intensivbetten im Raum Stuttgart bleibt durch Corona angespannt

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Das Personal ist erschöpft, die Intensivbetten stark belegt: Im Raum Stuttgart berichten Klinikbetreiber weiter von Intensivstationen am Limit.

"Ich hole mir heute die Erstimpfung. Jetzt muss ich's halt machen", sagt ein junger Mann aus Göppingen dem SWR, bevor er sich an diesem Mittwoch bei einem Impfbus in Ostfildern-Scharnhausen (Kreis Esslingen) impfen lässt. Er wolle angesichts der 2G-Regel "endlich seine Freiheit wieder haben." Derweil bleibt die Situation auf den Intensivstationen in der Region angespannt.

Viele rötlich markierte Landkreise

So hat sich beispielsweise im Kreis Esslingen die Lage auf den Erwachsenen-Intensivstationen nach Angaben des Intensivregisters (Stand 10.11., 15:15 Uhr) am stärksten zugespitzt: Dort ist von insgesamt 65 Betten derzeit nur noch eines frei. Damit treffe es den Kreis Esslingen im Großraum Stuttgart am härtesten: "Wir haben aus Esslingen auch schon Patienten in Ludwigsburg aufgenommen", berichtet Götz Geldner vom Klinikum Ludwigsburg. Noch gebe es in der Region teilweise derartige "Verschiebungsmöglichkeiten", sagt er - "wobei die bald ausgeschöpft sind."

Die Zahlen in der Grafik können von denen im Text abweichen, da sie automatisch aktualisiert werden.

Der Kreis Böblingen steht bei diesem Thema kaum besser da - dort ist von 35 ebenfalls nur noch ein Intensivbett frei. Zu den rötlich markierten Kreisen zählt außerdem Ludwigsburg mit vier verfügbaren Betten. Die Situation sei dramatisch, so die RKH Kliniken, die im Kreis mehrere Standorte betreiben:

"Es ist 12 - oder eher 2 nach 12"

Die Situation auf den Intensivstationen ist nicht überall gleich

In Stuttgart wiederum sind 25 Betten unbelegt. Damit sind dort im Stadtkreis wie bereits Anfang der Woche nach wie vor etwa 11 Prozent der Intensivbetten frei.

Im Vergleich dazu ist die Situation auf den Intensivstationen im Kreis Göppingen etwas weniger angespannt: Statt rötlich wird dieser derzeit dementsprechend grau gekennzeichnet. Das bedeutet in diesem Fall, dass dort rund 12 Prozent der Intensivbetten noch frei sind - in absoluten Zahlen entspricht das vier freien Plätzen.

Vergleichsweise gut steht in dieser Hinsicht der Rems-Murr-Kreis da: Hier sind derzeit noch 12 Plätze für Intensivpatienten frei und damit mehr als jedes vierte Bett (23,53 Prozent).

Kein großer Unterschied zwischen Region Stuttgart und BW

"Der Großraum Stuttgart unterscheidet sich nicht so stark von ganz BW", ordnet Götz Geldner vom Klinikum Ludwigsburg die Lage in der Region ein. Sie liege im Vergleich weder unter den am stärksten noch unter den am wenigsten betroffenen Gegenden im Land. Und was heute bereits in Stuttgart gelte, wird seiner Ansicht nach mit ein, zwei Tagen Verzögerung demnächst auch in anderen Landesteilen zu beobachten sein.

Engpässe auf Intensivstationen haben in der Corona-Pandemie außerdem bereits dazu geführt, dass über die sogenannte "Triage" diskutiert wurde, also die Frage, ob in einer solchen Situation bestimmte Patienten vorrangig behandelt werden sollten. Martin Schuster von den RKH Kliniken erklärt jedoch im Video, warum er diesen ursprünglich militärischen Begriff für irreführend hält.

Immer mehr Impfdurchbrüche bei über 80-Jährigen

Insgesamt teilen Experten der RKH Kliniken mit, dass Corona nun auch auf die gut geimpfte Gruppe der Menschen über 80 Jahren übergreife. Gerade Geimpfte fühlten sich sicher, seien es aber de facto nicht zwangsläufig. Dennoch: Es sei und bleibe eine "Pandemie der Ungeimpften". In ganz BW sei die Inzidenz im Oktober bei Ungeimpften dementsprechend fast acht Mal so hoch gewesen wie unter Geimpften. Über die Gesamtsituation sagt RKH-Geschäftsführer Jörg Martin: "Wir dachten, wir hätten das Schlimmste überstanden - das ist nicht so".

Und der Klinikverbund Südwest teilt dem SWR auf Anfrage mit: "Hinzu kommt, dass nach fast zwei Jahren Pandemie und Ausnahmebelastung speziell die Fachkräfte auf den Intensivstationen am physischen wie psychischen Limit sind."

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