Pandemie wirkt sich unterschiedlich auf Kliniken aus

Droht Kündigungswelle bei Pflege auf Intensivstationen im Großraum Stuttgart?

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In der Pflege vieler Krankenhäuser in der Region Stuttgart drohen Engpässe wegen Corona. Besonders in den Intensivstationen kündigen Pflegekräfte. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Die Pandemie hat Pflegekräfte in den Kliniken an den Anschlag gebracht. Vor allem auf Intensivstationen seien Pflegerinnen und Pfleger überlastet, so die Einschätzung des Deutschen Berufsverbandes für Pflegekräfte (DBfK). Laut Andrea Kiefer, der Vorsitzenden des DBfK Südwest in Stuttgart, erwäge ein Drittel aller Pflegekräfte auf den Intensivstationen zu kündigen. Denn die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte seien durch die Pandemie sowohl psychisch als auch körperlich belastender geworden.

"Viele Intensiv-Pflegekräfte sind ausgebrannt und manche haben sich angesteckt und leiden zum Teil noch heute an den Auswirkungen."

Der Sprecher der RKH-Kliniken im Kreis Ludwigsburg, Alexander Tsongas, bestätigt: "Viele Pflegekräfte, insbesondere im Bereich der Intensivpflege, sind ausgebrannt und manche haben sich angesteckt und leiden zum Teil noch heute an den Auswirkungen." Wegen Personalmangels könne eine neue, aus zwei ehemals getrennten Bereichen bestehende Intensivstation nun nur mit 20 statt mit 24 Betten an den Start gehen.

Auch beim Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Stuttgart spricht man von einem Personalmangel besonders in den Intensivpflege. Trotz vieler Beteuerungen habe die Politik an den Rahmenbedingungen für Pflegeberufe nicht grundsätzlich Verbesserungen geschaffen. Wie der medizinische Direktor des RBK, Mark Dominik Alscher, dem SWR sagte, könne man nicht alle offenen Stellen in der Pflege zeitnah besetzen. Insgesamt 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebe es in der Pflege. Weil nicht genug Personal gefunden werde, müsse man sich mit mehr Leasingkräften als geplant behelfen. Derzeit arbeiteten 26 solcher Leasingkräfte auf den Stationen, so Alscher.

Intensiv-Pflegekräfte kümmern sich um Corona-Kranke (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)
Ein Drittel der Intensiv-Pflegekräfte erwägt eine Kündigung wegen Corona, heißt es beim Bundesverband für Pflegekräfte in Stuttgart. picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Klinikum Stuttgart trotzt dem Trend

Ein anderes Bild zeichnet dagegen das Klinikum Stuttgart. Wie Klinikchef Jan Steffen Jürgensen dem SWR sagte, sei es in Pandemiezeiten sogar gelungen, die Anzahl der Beschäftigten in der Pflege zu erhöhen. Seiner Erfahrung nach sei die befürchtete große Kündigungswelle durch die Pandemie nicht eingetreten. Das Klinikum Stuttgart habe 2020 die Anzahl der Pflegekräfte um 50 Vollkräfte auf über 2.700 steigern können, so Jürgensen. Auch im Bereich der Ausbildung sei die Pflege beliebt. Obwohl man mit knapp 1.000 Ausbildungsplätzen (840 im Jahr 2020) das Angebot noch einmal ausgeweitet habe, übersteige die Nachfrage das Angebot. Dem SWR sagte Jürgensen: "Wichtig (und derzeit in Berlin per Streik bei Charité und Vivantes gefordert) werden weitere Maßnahmen zur Sicherung guter Betreuungsschlüssel, an denen das Klinikum Stuttgart mit seiner bereits deutlich überdurchschnittlichen starken Pflegeausstattung gemeinsam mit dem Personalrat arbeitet."

Laut Andrea Kiefer vom Pflegeverband DBfK schauen Beschäftigte in der Pflege zurzeit genau, wo die Bedingungen in der Pflege besser oder schlechter seien. Somit könne es auch zu Unterschieden bei der Belastung von Pflegekräften besonders auf den Intensivstationen in den Krankenhäusern der Region kommen. Nicht an allen Kliniken litten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so stark, dass sie eine Kündigung in Betracht zögen.

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SWR