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Neues Jahr, neues Verkehrsverbot: In Stuttgart gilt jetzt auf einzelnen Strecken im Stadtgebiet ein Verbot für alle Diesel-Pkw der Emissionsklasse Euro 5 und schlechter. Spezielle Polizeikontrollen soll es aber nicht geben.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Von den neuen Fahrverboten sind vier große Ein- und Ausfahrtstrecken in Stuttgart betroffen. Große Hinweistafeln im Stadtgebiet machen darauf aufmerksam.

Streckenbezogene Fahrverbote für Euro-5-Diesel in Stuttgart

  • B14 (Am Neckartor) von der "ADAC Kreuzung" bis zur Kreuzung Cannstatter Str. / Heilmannstraße
  • B14 (Hauptstätter Straße) vom Österreichischen Platz bis zum Marienplatz
  • B27 (Charlottenstraße, Hohenheimer Straße, Neue Weinsteige) von der Kreuzung Obere Weinsteige / Jahnstraße bis zum Charlottenplatz
  • B27 (Heilbronner Straße) von der Kreuzung Kriegsbergstraße bis zur Kreuzung Wolframstraße

Viele Ausnahmeregelungen

Das neue Fahrverbot gilt nicht für Anlieger, für Taxis, für Fahrten bei medizinischen Notfällen oder Autos von Schwerbehinderten. Anlieger sind in diesem Fall nicht nur Menschen, die in den entsprechenden Abschnitten wohnen, sondern alle, die in der Straße etwas zu erledigen haben. Erlaubt ist zum Beispiel auch, eine Freundin zu besuchen, Blumen zu kaufen oder einen Brief einzuwerfen.

Euro-5-Diesel mit Softwareupdate dürfen noch für zwei Jahre die entsprechenden Straßen befahren.

Keine besonderen Fahrzeugkontrollen geplant

Die Polizei wird nach Angaben einer Sprecherin wie schon beim Fahrverbot der Euro-4-Diesel nur bei routinemäßigen Verkehrskontrollen die Autofahrer überprüfen. Die Stadt Stuttgart wird im ruhenden Verkehr auf ältere Fahrzeuge achten. Außerdem werden sämtliche Fahrzeuge überprüft, die bei Verkehrsverstößen wie Falschparken auffallen.

In über 4.200 Fällen eröffnete die Stadt bisher ein Verfahren wegen eines Verstoßes gegen das Diesel-Verkehrsverbot. Es wurden fast 900 Bußgeldbescheide erlassen.

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Ausweichverkehr befürchtet

In Stuttgart selbst sind nach Angaben der Stadt derzeit noch über 20.000 Diesel-Autos mit der Euronorm 5 zugelassen. Diese Diesel-Besitzer dürfen auf den betroffenen Abschnitten der Bundesstraßen 14 und 27 grundsätzlich nicht mehr mit ihren Autos fahren.

Zusätzlich sind viele Pendler betroffen. Nach Schätzungen pendeln rund 450.000 Fahrzeuge nach Stuttgart ein und aus. Der Anteil der Diesel-5-Fahrzeuge in der Region Stuttgart liegt laut Kfz-Innung bei rund neun Prozent. Das bedeutet, es trifft dann jeden Tag auch über 40.000 Pendler, die auf diesen wichtigen Einfallstraßen eigentlich nicht mehr unterwegs sein dürfen.

Im besten Fall steigen alle auf Bus oder Bahn um. Viele befürchten jedoch einen starken Ausweichverkehr. Wenn die Autofahrer bestimmte Abschnitte einer Bundesstraße eben nicht mehr befahren dürfen, dann suchen möglicherweise Zehntausende eine alternative Route.

Viele Straßen mit Tempo 40

Um die Luft zu verbessern, sind weitere einschneidende Maßnahmen geplant. So soll das Höchsttempo auf vielen Straßen im Stuttgarter Stadtgebiet nach und nach auf 40 Kilometer pro Stunde begrenzt werden. Die entsprechenden Schilder werden in den nächsten Wochen aufgestellt. Dadurch soll der Verkehr flüssiger rollen und die Schadstoffbelastung weiter zurückgehen. In Stuttgart wird außerdem das Parken in der Innenstadt verteuert und weitere Luftfiltersäulen aufgestellt.

Erweitertes Zonenfahrverbot für Euro-5-Diesel ab Sommer möglich

Ob ein erweitertes Zonen-Fahrverbot für die Diesel der Emissionsklasse Euro 5 ab Juli 2020 kommt, soll laut Regierungspräsidium im April entschieden werden und hängt davon ab, wie sich die Luftqualität in Stuttgart entwickelt. Im vergangenen Jahr gingen die Werte deutlich nach unten. Nach den vorläufigen Zahlen lag die Stickstoffdioxid-Belastung aber noch über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm. Betroffen wären dann beispielsweise der Talkessel und die Stadtteile Feuerbach, Zuffenhausen und Bad Cannstatt.

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