Verwandte nahmen an Protesten gegen Regime teil

"Kann kaum schlafen" - Kasachin in Angst wegen Gewalt in ihrem Heimatland

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Arailym Wödl ist besorgt über die Lage in Kasachstan. Gegen das dortige Regime organisierte sie in Stuttgart Proteste und sagt, Kasachen bei uns seien kürzlich bedroht worden.

Arailym Wödl trägt einen Mundschutz und die Flagge von Kasachstan. (Foto: Privat)
Arailym Wödl hat in Stuttgart eine Demonstration gegen das Regime in ihrem Heimatland Kasachstan organisiert. Über der Schulter trägt sie die Flagge der Ex-Sowjetrepublik. Privat

SWR: Frau Wödl, Sie haben Familie in Kasachstan. Wie geht es Ihnen angesichts der Nachrichten aus Ihrem Heimatland?

Arailym Wödl: Ich mache mir viel Sorgen und kann kaum schlafen. Ich lese immer Nachrichten, kann aber im Moment kaum zuverlässige Berichte aus dem Land finden und das ist schrecklich. Diese Kämpfe, die gerade zwischen dem Militär und den Menschen dort stattfinden, das betrifft nicht alle Städte, und man weiß nicht genau, inwieweit alles, was sozusagen in offiziellen Kanälen berichtet wird, richtig ist.

Wie halten Sie derzeit Kontakt zu Ihren Verwandten, zu Ihrer Familie? Das Internet scheint ja in Teilen abgeschaltet zu sein.

Am Anfang hatten wir gar keinen Kontakt und das war sehr schrecklich, aber dann haben wir einen Weg gefunden, um über Skype auf dem Handy anzurufen, was aber nicht immer ging. Und so konnten wir so wenigstens einige Minuten lang Informationen bekommen, wie es ihnen dort geht.

War Ihre Familie auch bei den Demonstrationen dabei - oder ist das im Moment einfach viel zu gefährlich? Schließlich hat Präsident Tokajew den Sicherheitskräften einen Schießbefehl erteilt.

Ich habe viele Verwandten in verschiedenen Teilen von Kasachstan, auch dort, wo die Proteste angefangen haben und in der Mangghystau-Region. Und dort habe ich sehr wohl viele Verwandte, die an den Protesten teilgenommen haben. Natürlich mache ich mir genau um sie Sorgen.

Nun haben Sie ja gestern eine Demonstration in Stuttgart angemeldet. Was erhoffen Sie sich davon?

Wir wollen, dass die Menschen, die gar keinen Kontakt zur Außenwelt haben, trotzdem von uns hören, dass wir an sie denken, dass wir sie und ihre Ziele komplett unterstützen. Und wir wollen seit drei Jahrzehnten einen Regime-Wechsel. Wir wollen politische Teilhabe und dass die Menschen in Freiheit und Frieden leben können.

Was können Sie von hier aus sonst noch unternehmen?

Wir haben jetzt Kontakt mit vielen anderen jungen Kasachen, die in Deutschland studieren und arbeiten. Aber viele haben Angst, weil sie bereits bedroht wurden, zum Beispiel nach ihrer Teilnahme an Aktionen in Berlin, München oder Frankfurt. Aber wir wollen uns trotzdem organisieren und schauen, was wir erreichen können, zum Beispiel vielleicht auf europäischer Ebene Sanktionen gegen das jetzige Regime in Kasachstan.

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