Nachdem Daimler sich in Sachen Elektromobilität noch schwer tut, hofft der Autobauer jetzt auf den Durchbruch mit dem EQS. (Foto: SWR)

Der Abschied vom Verbrenner kommt

Daimler stellt aktualisierte Pläne für Elektromobilität vor

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Das Elektrozeitalter rückt für die Autobauer näher, der Wettbewerbsdruck ist hoch. Am Donnerstag hat Daimler seine neue Ideen in Sachen Elektromobilität verkündet.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler hat bei einem Investorentag seine aktualisierten Planungen für das näher rückende Elektrozeitalter vorgestellt. Unter der Überschrift "Electric only" werden die bisherigen Ziele konkretisiert.

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Ab 2025 nur noch elektrische Neuentwicklungen

So haben sich die Stuttgarter unter anderem als Ziel gesetzt, dass Elektro- und Hybridfahrzeuge bis zum Jahr 2025 die Hälfte des eigenen Pkw-Absatzes ausmachen sollen - das ist doppelt so viel wie bisher geplant. Ab dann soll es für Neuentwicklungen als technische Basis nur noch rein elektrische Plattformen geben. Ebenfalls ab 2025 sollen Kunden bei jedem Mercedes-Modell auch eine vollelektrische Version wählen können.

Diese Pläne stehen allerdings unter Vorbehalt. Das könne nur dort umgesetzt werden, schränkt der Konzern ein, wo es die Marktbedingungen zuließen. Sprich, nur in Ländern, in denen es eine ausreichende Lade-Infrastruktur gibt, sieht der Autobauer auch reelle Chancen, seine E-Autos an den Mann oder die Frau zu bringen.

Konzernchef Ola Källenius hatte zuletzt mehrfach darauf hingewiesen, dass er einen schnelleren Durchbruch der Elektromobilität als ursprünglich angepeilt für denkbar halte. Insofern könne es sein, "dass die Planungsgrundlagen, die wir bisher gehabt haben, vielleicht zu konservativ sind", sagte er noch im April. Diese bisherige Langzeitstrategie firmierte unter "Electric first" - jetzt hat die Elektromobilität nicht nur Vorrang, sondern ist alleiniges Ziel ("Electric only").

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Batteriebedarf steigt -Daimler steigt ein

Daimler lässt sich den Umstieg auf Elektromobilität einiges kosten. Bei der Vorstellung der Pläne kündigte das Unternehmen an, bis 2030 mehr als 40 Milliarden Euro zu investieren, unter anderem in die Fertigung von Batteriezellen, also dem Herzstück der Autobatterien. Je mehr Elektroautos gebaut werden, desto mehr Batteriezellen werden gebraucht. Deshalb will der Autobauer jetzt auch selbst zusammen mit anderen Unternehmen in größerem Maßstab Batteriezellen herstellen. Weltweit sollen acht Gigafabriken gebaut werden, die Akkus mit einer Kapazität von insgesamt mehr als 200 Gigawattstunden bauen sollen.

Bisher hatte der Konzern eine eigenständige Großserien-Zellproduktion abgelehnt und auf Zulieferer gesetzt. Allerdings hatten zuletzt Berichte die Runde gemacht, wonach die Qualität der gelieferten Batteriezellen zu wünschen übrig ließ. Das hat Daimler bisher nicht kommentiert. Die geplanten Batteriezellfabriken sollen das bereits geplante Netz von neun Fabriken ergänzen, die Batteriesysteme aus den Zellpaketen zusammensetzen.

Außerdem wird schon an der nächsten Generation von Batteriezellen geforscht. Die soll noch mehr standardisiert sein und fast überall eingebaut werden können, laut Daimler dann auch in über 90 Prozent aller künftigen Mercedes-Pkws.

Bisher prägen Verbrennungsmotoren das Geschäft

Bisher verdient Daimler das mit Abstand meiste Geld mit herkömmlichen Verbrennerautos, also Benzinern oder Dieselfahrzeugen. Die Zahl der verkauften vollelektrischen Pkws machte im ersten Halbjahr 2020 gerade mal etwas mehr als drei Prozent aller ausgelieferten Autos aus, hinzu kommt ein etwas höherer Anteil von Hybridautos. Die Branche rechnet - auch angesichts politischer Vorgaben - in den nächsten Jahren allerdings mit rasant wachsenden Absatzquoten bei E-Autos. Damit einher geht der Abschied vom Verbrennermotor. Daimler hat dafür kein konkretes Jahr festgelegt, man spricht nur von "baldigem Abschied".

Im Gegensatz dazu haben Volkswagen und Audi angekündigt, bis Anfang der 2030er Jahre ihre Verbrennermodelle ausmustern zu wollen. Der Wettbewerbsdruck ist hoch, viele Hersteller haben inzwischen weitreichende Elektroziele verkündet.

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