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Fast zwei Drittel weniger Gewinn als vergangenes Jahr: So schlecht waren die Daimler-Ergebnisse seit zehn Jahren nicht. Jetzt hat Konzern-Chef Ola Källenius Pläne für die Zukunft vorgelegt.

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Mit 4,3 Milliarden Euro liegt der Daimler-Gewinn vor Steuern rund 60 Prozent niedriger als vergangenes Jahr. Nach Steuern bleiben damit noch 2,7 Milliarden Euro Gewinn, hieß es am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Stuttgart. Im Vorjahr hatte Daimler noch fast acht Milliarden erwirtschaftet. Dabei ist der Fahrzeugabsatz stabil. Der Umsatz legte sogar rund drei Prozent zu auf mehr als 170 Milliarden Euro.

"Wir haben viele Dinge, auf die wir stolz sein können. Aber die finanziellen Ergebnisse für 2019 sind nicht die Ergebnisse, die wir für die Zukunft sehen wollen."

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender Daimler AG

Hauptgrund für den Gewinnrückgang ist die Dieselaffäre, die Daimler letztes Jahr über vier Milliarden Euro gekostet hat. Außerdem machte der Konzern deutlich, dass es bislang keine Änderungen an dem veröffentlichen Sparprogramm gibt. Dabei ist geplant, mindestens 10.000 Stellen abzubauen.

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Prämie für Mitarbeiter wird deutlich gekürzt

Auch die Mitarbeiterbeteiligung fällt schmaler aus. Die Beschäftigten sollen nur noch eine Anerkennungsprämie von 500 Euro und eine Ergebnisbeteiligung von bis zu 597 Euro erhalten. Im Jahr zuvor gab es noch 4.965 Euro Prämie.

Das schlechte Ergebnis wird auch die Aktionäre treffen. Der Konzern will dieses Jahr nur noch 90 Cent Dividende zahlen, statt 3,25 Euro im vergangenen Jahr.

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"Dieses Unternehmen wird sich fundamental verändern. Wir sind darauf eingestellt, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, dass wir als Gewinner aus dieser Transformation hervorgehen."

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender Daimler AG

Ola Källenius massiv unter Druck

Dass Daimler seine Jahresziele verfehlen würde, war absehbar. Seit dem Antritt von Ola Källenius als Daimler-Chef im Mai musste der Konzern drei Gewinnwarnungen ausgeben. Källenius steht massiv unter Druck. Die Daimler-Aktie hat seither deutlich an Wert verloren. Hinzu kommt Ärger im Dieselskandal, den der Konzern noch immer nicht abschließen konnte: Das Kraftfahrtbundesamt hat bisher Rückrufe für über eine Million Dieselfahrzeuge angeordnet.

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, nimmt an der Bilanz-Pressekonferenz der Daimler AG teil. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)
Unter Druck: Daimler-Chef Ola Källenius während der Bilanz-Pressekonferenz 2020. picture alliance/Marijan Murat/dpa

Doch nicht nur deswegen sind die Daimler-Investoren verstimmt. Das Vertrauen in den Zetsche-Nachfolger sinkt, auch weil Källenius bislang keine visionären Projekte vorweisen kann. Bei der E-Mobilität zum Beispiel sind andere – allen voran Tesla – viel weiter. Källenius muss Daimler deswegen schnell auf Spur bringen. Vor Investoren und Analysten verbreitet er am Dienstag schon mal Optimismus.

"2020 und 2021 sind wohl die Jahre mit der größten Herausforderung für uns. Ich fühle mich viel sicherer ab 2022 und den Produkten, die dann rauskommen. Wir sind auf dem Weg hin zu einer CO2-neutralen Mobilität."

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender Daimler AG

Daimler streicht Jobs und Modelle

Klar ist auf jeden Fall: Daimler muss sparen – und das wird auch Jobs kosten. So sollen unter anderem tausende Stellen durch Abfindungen, Altersteilzeit und frühzeitige Pensionierungen abgebaut werden. Wie viele genau ist noch unklar. Das "Handelsblatt" berichtete vorab von bis zu 15.000 Stellen, davor war von mindestens 10.000 die Rede.

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Daimler selbst bestätigt die Zahlen nicht, sondern betont, dass der Konzern jährlich mehr als 1,4 Milliarden Euro Personalkosten bis 2022 einsparen will. Bis dahin soll der Umbau rund zwei Milliarden Euro kosten, schätzt der Konzern.

Doch Daimler will nicht nur Jobs abbauen, sondern auch Modelle reduzieren: Unter anderem droht offenbar der B-Klasse in ihrer derzeitigen Form das Aus. Auch die Pickup-Trucks der X-Klasse will Daimler nicht mehr weiterbauen.

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