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Auch wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen derzeit relativ stabil ist - die Situation im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart bleibt angespannt. Derzeit sind alle 43 Beatmungsplätze belegt.

Es herrscht eine "Engpass-Situation, jeden Tag". Das sagt Mark Dominik Alscher, der Medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) in Stuttgart. Zwar verzeichne das Krankenhaus derzeit keinen weiteren Anstieg bei den Corona-Patienten, aber eben auch keinen Abfall. Wenn die Ärzte Patienten nach Hause schicken könnten, kämen auch schon die nächsten nach. Eine kontinuierliche Belastung, so der Professor.

Beatmungsplätze voll belegt

87 stationäre Corona-Patienten gibt es derzeit im RBK, 18 von ihnen müssen beatmet werden. Damit sind die insgesamt 43 regulären Beatmungsplätze voll belegt. Wenn ein weiterer Patient Beatmung benötige, mache das Klinikum Notplätze auf.

Die hohe Zahl an Corona-Patienten bereite der Klinik viele Probleme. Das berichtete Oberarzt Sebastian Allgäuer bereits Mitte November dem SWR. "Wir brauchen für weniger Patienten mehr Mitarbeiter, wir brauchen mehr Ressourcen, wir brauchen mehr Zeit. Und diese Zeit und diese Ressourcen stehen dann unter Umständen anderen Patienten nicht mehr zur Verfügung. Das ist ein großes Problem."

Bericht aus dem Robert-Bosch-Krankenhaus vom 13. November:

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Für die Behandlung von Corona-Patienten benötige man 1,7 Mal mehr Pflegepersonal als sonst, so Mark Dominik Alscher. Wegen der hohen personellen Belastung habe das RBK Betten außer Betrieb genommen. Alle Operationen, die länger als ein halbes Jahr warten können, seien abgesagt worden. Doch alle dringlichen Herz- und Tumor-OPs ermögliche das Krankenhaus. Dafür müsse man sich aber jeden Tag "neu organisieren".

Auch Mitarbeiter erkranken

Die Arbeit mit den Corona-Patienten belaste auch das Personal sehr stark, so Oberarzt Allgäuer. Das liege auch an der besonderen Situation der Patienten, die um ihr Leben fürchten müssen.

"Man sieht, dass die Leute Angst haben".

Sebastian Allgäuer, Oberarzt RBK

Dazu komme die körperliche Anstrengung für die Pflegekräfte und Ärzte: Für die Arbeit im Corona-Isolationsbereich müssen sie sich jedes Mal komplett vermummen. Trotzdem sind auch sie nicht vor Ansteckung sicher.

Engpässe beim Personal

Das Robert-Bosch-Krankenhaus testet seine Mitarbeiter regelmäßig - 1,6 Prozent der Proben seien positiv, so der Medizinische Geschäftsführer, Mark Dominik Alscher. Engpässe beim Personal seien spürbar, aber man könne sie trotzdem kompensieren. Infizierte Mitarbeiter müssten nicht zum Dienst - wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Notfälle jüngst ins Spiel gebracht hatte.

Gute Chancen auf Besserung im Frühjahr

Um im Teil-Lockdown noch mehr Infektionen zu verhindern als bisher, müsse man wohl die Corona-Maßnahmen konsequenter einhalten oder verschärfen, so Alscher. Als Gesellschaft müsse man mit Augenmaß überlegen, auf was man verzichten könne.

Der womöglich baldige Beginn der Impfungen sei ein "Silberstreif am Horizont". Mit der Erwärmung im Frühjahr sieht der Professor gute Chancen auf eine Abflachung der Problematik im April oder Mai. Den  Sommer müsse man dann zum Impfen gut nutzen - damit es dann im Herbst nicht zu einer dritten Welle komme.

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