Krieg in der Ukraine

Bürgermeisterin von Schönaich hilft Geflüchteten

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Der Spagat zwischen ihren Aufgaben als Bürgermeisterin in Schönaich und der Aufnahme von Geflüchteten ist für die ehemalige Ukrainerin Anna Walther besonders emotional.

Porträt Anna Walther ohne Maske (Foto: SWR)
Anna Walther stammt aus Kiew. Mit 19 Jahren kam sie als Au-Pair nach Stuttgart.

Seit fast zwanzig Jahren lebt Anna Walther in Deutschland, seit einigen Monaten ist sie Bürgermeisterin von Schönaich (Kreis Böblingen). Die letzten Wochen waren sehr aufwühlend für sie. Die 37-Jährige pflegt nach wie vor enge Beziehungen in die Ukraine.

Nach einem ersten Gefühl großer Hilflosigkeit war für sie schnell klar: Den Menschen kann sie am besten hier vor Ort helfen. Rund 40 Flüchtlinge hat Schönaich bisher aufgenommen, darunter auch den elfjährigen Halbbruder der Bürgermeisterin und dessen Mutter. Vier Tage nach Kriegsausbruch sind sie aus Odessa in Deutschland angekommen. Für Walther eine große Erleichterung. In den ersten Tagen waren die beiden bei der Bürgermeisterin privat untergebracht.

Krisenstab soll Hilfsangebote strukturieren

Um weiteren ankommenden Flüchtenden aus der Ukraine schnell und bestmöglich helfen zu können, hat Anna Walther zügig einen Krisenstab in der Gemeindeverwaltung installiert, gemeinsam mit Vertretern der örtlichen Kirchen.

Die wichtigste Frage ist, wo die Geflüchteten unterkommen können. Bisher wurden viele privat aufgenommen. Die Solidarität der Bürgerinnen und Bürger sei enorm. Gemeinsam mit dem Kreis Böblingen möchte Walther prüfen, wie viele zusätzliche Plätze seitens der Gemeinde kurzfristig zur Verfügung gestellt werden können. Weitere Hilfen wie Geld- oder Sachspenden, Kinderbetreuung und sonstige Alltagsunterstützung sammelt die Gemeinde über ein Onlineformular auf ihrer Webseite.

Anna Walther begrüßt Geflüchtete und ihre Gastfamilien beim gemeinsamen Mittagessen (Foto: SWR)
Anna Walther begrüßt Geflüchtete aus der Ukraine bei einem gemeinsamen Mittagessen mit ihren Gastfamilien aus Schönaich.

Ankommende sind traumatisiert

Eine große Aufgabe für die Gemeinde sei es, den ankommenden Geflüchteten psychologische Betreuung zur Seite zu stellen. Die Menschen seien "total durch", so Walther. Manche hätten sich zunächst nicht getraut aus dem Bus auszusteigen.

Walther: "Ich werde meine Bürger hier vor Ort nicht im Stich lassen."

Anna Walther hat nicht nur die Geflüchteten im Blick. "Ich werde meine Bürger hier vor Ort nicht im Stich lassen", sagt sie. Ebenso wichtig sei es die vielen hilfsbereiten Schönaicherinnen und Schönaicher zu unterstützen, ob mit der Organisation der Anschlussunterbringung oder dem weiteren Ausbau eines Helferpools mit Seelsorgern oder Dolmetschern.

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