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Zwischen Marbach (Kreis Ludwigsburg) und Heilbronn fährt schon lange keine Eisenbahn mehr. Doch einer Studie des Landesverkehrsministeriums zufolge könnte das bald wieder anders werden.

Eine der stillgelegten Bahnstrecken, bei der mit einem besonders hohen Fahrgastpotential nach einer möglichen Reaktivierung gerechnet wird, ist die sogenannte Bottwartalbahn. Die Strecke zwischen Marbach und Heilbronn gehört zu einer von zwölf Strecken im Land, bei der eine Reaktivierung gut zur Verkehrswende und zum Klimaschutz beitragen könnte.

Werktags mehr als 1.500 Fahrgäste

Laut der Studie herrscht ein "sehr hohes Nachfragepotenzial". In Zahlen bedeutet das: mehr als 1.500 Fahrgäste pro Schultag werden erwartet. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) will damit "die Fehler der Vergangenheit rückgängig machen". Aber auch zahlreiche Menschen entlang der in den 1970er Jahren teilweise abgebauten Gleise machen sich seit Jahren für die Reaktivierung der Bahn stark.

Bürgeraktion Bottwartalbahn engagiert sich seit Jahren

Die Mitglieder der Bürgeraktion Bottwartalbahn sind überzeugt: die Chancen, die Bahn wieder in Betrieb zu nehmen, sind derzeit so gut wie nie zuvor. Allerdings gilt es mit Widrigkeiten zu kämpfen: Am Ortsrand von Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg), wo der Kreis Heilbronn beginnt, sind nur noch ein paar Meter Schiene als Denkmal für die frühere Bottwartalbahn zu sehen. "Uns trennt noch ganz viel Gestrüpp von Heilbronn", sagt Oliver Kämpf, der stellvertretende Bürgermeister von Beilstein und Mitglied der Bürgeraktion Bottwartalbahn. Und: "Für die Trasse und die Verkehrswende kämpfen wir. Nicht für eine Museumsbahn, sondern für saubere, moderne und leise Fahrzeuge."

Bei der Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken gilt seit kurzem das Windhund-Prinzip: Wer zuerst seine Förderunterlagen beim Land einreicht, kann mit besonders hoher Förderung rechnen. Das Land Baden-Württemberg übernimmt die Betriebskosten, solange der Fördertopf reicht. Und: 150.000 Euro für die Planungen will das Land jeweils bereitstellen. 90 Prozent der Investitionskosten beim Bau der Strecken werden von Bund und Land erstattet.

Die Hermann-Hesse-Bahn macht es vor

Hintergrund für die Möglichkeiten Schienenstrecken günstig zu reaktivieren ist die Änderung der Förderrichtlinien. "Die Blaupause ist die Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und der Region Stuttgart", erläuterte Verkehrsminister Hermann bei der Vorstellung der Studie zur Streckenreaktivierung. Vor fünf Jahren, beim Beginn dieses Projekts, das ab 2023 Pendler vom Nordschwarzwald bis in die Landeshauptstadt bringen soll, seien die Fördermöglichkeiten noch geringer gewesen, so Hermann. Das habe sich nun geändert.

Lokalpolitiker sind gefragt

Bei der Hohenstaufenbahn zwischen Göppingen und Schwäbisch Gmünd ist man daher bereits in Verbindung, um einen Zweckverband zur Reaktivierung der Schienenverbindung zu gründen. Denn die Initiative zur Reaktivierung der Bahnen soll von den Regionen und den Kommunen ausgehen. Ob der Funke bei der Bottwartalbahn überspringt, ist allerdings noch offen. Hans-Joachim Knupfer, der sich bereits für die Hermann-Hesse-Bahn eingesetzt hat und auch seit Jahrzehnten für die Bottwartalbahn brennt, mahnt: "Das ist eine einmalige Chance. Jetzt brennt der Kittel!" Zügiges Engagement bei Lokalpolitikern und in den Landratsämtern ist nun gefragt, will man die Bottwartalbahn reaktivieren.

Landkreis Ludwigsburg reagiert positiv

In einer ersten Stellungnahme begrüßte der Landkreis Ludwigsburg am Donnerstag das Reaktivierungskonzept für die rund 34 Kilometer lange Bahnstrecke begrüßt. Das Land habe der Strecke Marbach-Heilbronn mit ihrer Potenzialanalyse einen neuen Schub gegeben, teilte das Landratsamt Ludwigsburg mit. Dies sei eine erfreuliche neue Perspektive für die Nahverkehrsverbindung durch das Bottwartal in den Landkreis Heilbronn.

Das Bottwartal- Bähnle (Foto: SWR)
Das Bottwartal- Bähnle

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