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Die Notfallnummern 110 und 112 nehmen wir heute als selbstverständlich hin. Für ihre Einführung maßgeblich verantwortlich ist die Björn-Steiger-Stiftung. Am Sonntag feierte sie in Winnenden 50-jähriges Bestehen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Zum Festakt am Abend wurden in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) rund fünfhundert Gäste aus aller Welt erwartet. Darunter Politiker und Prominente wie Moderatorin Dunja Hayali und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), der die Festrede hielt. Darin würdigte er die Arbeit der Björn-Steiger-Stiftung. Der Grundstein für ein flächendeckendes Rettungssystem in Deutschland sei vor 50 Jahren in Winnenden gelegt worden. Das Ehepaar Steiger habe die Notfallhilfe in Deutschland revolutioniert.

Einführung der Notrufnummern

Der achtjährige Björn Steiger starb am 3. Mai 1969 auf dem Nachhauseweg vom Schwimmbad - fast eine Stunde dauerte es, bis nach dem Verkehrsunfall ein Rettungswagen anrückte. Während der Fahrt zur Klinik starb der Junge an einem Schock. Zwei Monate später, am 7. Juli, gründeten seine Eltern, Ute und Siegfried Steiger, zusammen mit Freunden die Björn-Steiger-Stiftung und revolutionierten damit die Notfallhilfe.

In Deutschland hat die Stiftung unter anderem die Notrufsäulen, die einheitliche Notrufnummer, die Luftrettung und die Funkzentralen sowie die Baby-Notarztwagen auf den Weg gebracht. Seit ein paar Jahren versucht die Björn-Steiger-Stiftung auch das Rettungswesen im Ausland zu verbessern, beispielsweise in Sri Lanka und in China.

"Der Rettungsdienst ist in weiten Teilen der Republik kollabiert"

Der Präsident der Stiftung und Bruder des verstorbenen Björn, Pierre-Enric Steiger, kritisiert den Zustand der Rettungsdienste in Deutschland anlässlich des Jubiläums im SWR. "Wir standen viele Jahre sehr gut da, aber die Wahrheit ist tatsächlich: Der Rettungsdienst steht nicht vor dem Kollaps, er ist in weiten Teilen der Republik, vor allem hier im Land, eigentlich schon kollabiert. Und keiner hat's gemerkt."

Schuld daran sind laut Steiger politische Versäumnisse. "Da sind andere europäische Länder sehr viel weiter, weil sich sehr viel verändert hat." Der Stiftungspräsident fordert deshalb von der Politik einheitliche Standards in allen Notrufzentralen Deutschlands. "Es kann ja nicht sein, dass es orts- und uhrzeitsabhängig ist, wo mir was passiert. Man hat doch die Erwartung, dass es überall gleich ist. Und dafür müssen die Standards vereinheitlicht werden."

Das ganze Interview mit Pierre-Enric Steiger finden Sie hier.

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