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In Baden-Württemberg kamen bis Juli mehr Menschen beim Baden ums Leben als im Vorjahreszeitraum - darunter mehr Männer als Frauen. Bundesweit nahm die Zahl der Badetoten jedoch ab.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sind in Baden-Württemberg mindestens 23 Menschen beim Baden ertrunken. Das teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstag in Stuttgart mit. Demnach starben zwei Personen mehr als im Vorjahreszeitraum. "Jetzt, wenn nicht alle Freibäder offen sind, oder der Badesee gesperrt ist, kommen die Leute auf die Idee, an Fließgewässer oder wilde Badestellen zu gehen", sagte Armin Flohr vom Landesverband Württemberg.

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Bundesweit hingegen sind die Zahlen rückläufig. In Deutschland kamen mindestens 192 Menschen beim Baden ums Leben. Das sind 63 weniger als im Vorjahreszeitraum. "Der Frühling und die ersten Sommermonate in diesem Jahr waren bislang doch eher verhalten und das spiegelt sich in den erfassten Zahlen wider", so der DLRG-Bundesverbandssprecher Achim Wiese. Die meisten tödlichen Badeunfälle gab es mit 35 Personen in Bayern - 32 weniger als im Vorjahreszeitraum. In Nordrhein-Westfalen gab es 26 Opfer zu beklagen, 15 weniger als im Vergleichzeitraum und in Niedersachsen 24, vier weniger als im Vergleichszeitraum.

Seen und Flüsse gefährlicher als das Meer

Laut DLRG-Bundesverband sorgten die zunehmende Aufklärung über die Gefahren des Schwimmens, aber auch das wechselhafte Wetter für weniger Badetote in Deutschland. Wiese sagte, die Gefahrenquelle bleibe das Binnenland mit seinen Seen und Flüssen. Dort kamen mindestens 178 Menschen ums Leben. Das seien mehr als 90 Prozent - das heißt, nur rund 10 Prozent der Badetoten seien im Meer ertrunken. "An Flüssen, Seen und Teichen sind in den wenigsten Fällen Rettungsschwimmer im Einsatz." Die DLRG appellierte an die Kommunen, gemeinsam Gefahrenanalysen zu erstellen. "Ein simples Badeverbotsschild reicht nicht aus, um den Menschen vor dem Sprung ins unbekannte Gewässer abzuhalten."

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BW-Kultusministerin: "Unverzichtbar", dass Kinder schwimmen lernen

Den Rückgang der bundesweiten Zahlen begründete Wiese auch mit der jahrelangen Aufklärungsarbeit: "Die wirkt. Es wird auf die Baderegeln geachtet." Und man gehe dort baden, wo es eine Aufsicht gebe. Allerdings bemängelt man bei der DLRG einmal mehr die mangelnde Schwimmfähigkeit der Kinder. 59 Prozent der Zehnjährigen könnten nicht schwimmen, eine "dramatische Entwicklung". Vor diesem Hintergrund macht sich neben der DLRG auch die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes für den Schwimmunterricht stark. Der Schwimmunterricht sei gesetzlich fest in den länderspezifischen Lehrplänen verankert, werde aber flächendeckend nicht umgesetzt, hieß es bei der Wasserwacht.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte: "Ich halte es für unverzichtbar, dass alle Kinder schwimmen lernen. Allerdings sind hier im Sinne der Erziehungspartnerschaft nicht die Schulen allein verantwortlich." Es sei gleichfalls wichtig, dass die Eltern sich darum kümmerten, dass die Kinder zum Beispiel schon im Vorschulalter schwimmen lernten. Zur Förderung wurden dafür im Doppelhaushalt 2020/21 jeweils 1,1 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für Schwimmkurse für Vorschulkinder bereitgestellt.

330 von der DLRG überwachte Badestellen im Land

Unter den bundesweiten Badetoten waren mindestens 15 Kinder im Alter zwischen ein bis fünf Jahren. Insgesamt kamen zumeist Männer ums Leben. Sie seien oft leichtsinniger und spielten gerne mal den Helden, was dann leider allzu oft tragisch ende, teilte die DLRG mit. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte: "Wir raten vor allem vom Baden in Flüssen ab, da diese - abgesehen von wenigen ausgewiesenen Badestellen - nicht zum Baden geeignet sind und amtlich nicht kontrolliert werden." Armin Flohr vom Landesverband Württemberg sagte, im Land gebe es 330 überwachte Badestellen von der DLRG.

Das läge daran, dass der Frühling und die ersten Sommermonate in diesem Jahr eher verhalten waren - das spiegele sich in den erfassten Zahlen wider. Es bestehe aber die Sorge, dass die Zahlen bei schönem Wetter wieder anstiegen, warnte ein DLRG-Sprecher.

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