Das Stuttgarter Pressehaus, in dem mehrere Medien untergebracht sind, under anderem die «Stuttgarter Nachrichten» (StN) und die «Stuttgarter Zeitung» (StZ). (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Bernd Weißbrod)

Unternehmen verweist auf sinkende Einnahmen

Medienhaus verkündet Stellenabbau bei "Stuttgarter Zeitung" und Co.

STAND
AUTOR/IN
Christian Spöcker, Kristin von Heyden

Innerhalb der Stuttgarter Zeitungsgruppe werden bis zu 55 Stellen abgebaut. Kritik daran kommt von Gewerkschaftern: Das sei in Zeiten von "Fake News" der falsche Weg.

Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) will innerhalb der Stuttgarter Zeitungsgruppe bis zu 55 Stellen streichen. Das teilte die SWMH, zu der die Zeitungsgruppe gehört, am Mittwoch mit. Sie gibt unter anderem die "Stuttgarter Zeitung", die "Stuttgarter Nachrichten" sowie die "Esslinger Zeitung" und die "Kreiszeitung Böblinger Bote" heraus. Nach Einschätzung von Beobachtern entspricht der Stellenabbau fast jeder fünften redaktionellen Stelle.

Video herunterladen (8,9 MB | MP4)

Betriebsbedingte Kündigungen sind offenbar nicht geplant: Das Unternehmen wolle den Stellenabbau durch "natürliche Fluktuation und sozialverträgliche Maßnahmen" umsetzen, so die SWMH. Damit sind in der Regel beispielsweise Abfindungen und der vorzeitige Eintritt in den Ruhestand gemeint.

Eine Frau liest in einer Zeitung (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Tom Weller)
Steht künftig weniger Lokales in den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung"? picture alliance/dpa | Tom Weller

Verlagshaus beklagt weniger Erlöse und höhere Kosten

Zu den Gründen für den Stellenabbau teilte das Unternehmen unter anderem mit, es habe angesichts der Corona-Pandemie durch Anzeigen noch weniger eingenommen als ohnehin. Hintergrund ist, dass Anzeigenerlöse von Tageszeitungen bereits über die vergangenen Jahre hinweg zunehmend gesunken sind, beispielsweise, weil Anzeigenkunden stattdessen eher auf Online-Werbung setzen. Außerdem seien die Preise für Papier stark gestiegen, so das Unternehmen. Darüber hinaus nutzten Menschen heute Medien anders als früher.

Dementsprechend wolle die Zeitungsgruppe künftig mehr Umsatz digital generieren. Das Medienunternehmen will der Mitteilung zufolge prüfen, inwieweit intern weiter Kosten eingespart werden können: So sollen die Redaktionen der verschiedenen Zeitungen in der Lokal- und der Regionalberichterstattung enger zusammenarbeiten, um Synergien zu generieren, so die Pläne. Denkbar ist daher beispielsweise, dass möglicherweise Inhalte der Redaktion der "Esslinger Zeitung" künftig auch in anderen Blättern der Zeitungsgruppe zu finden sind.

Arbeitnehmervertreter kritisieren Stellenabbau in den Redaktionen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte im Vorfeld die angekündigten Sparmaßnahmen.

"Der neuerliche Stellenabbau ist für die beiden Stuttgarter Zeitungen dramatisch."

Er warf den Eigentümern vor, eine Sparrunde nach der anderen folgen zu lassen, anstatt konsequent in Qualität und Technik in der Digital-Berichterstattung und bei gedruckten Zeitungen zu investieren. Qualitätsjournalismus sei jedoch nur mit einer gut ausgestatteten Redaktion möglich, in der die Mitarbeitenden ausreichend Freiräume für Recherchen hätten und "nicht nur eine Schlagzeile nach der anderen produzieren" müssten, so der DGB-Landesvorsitzende.

"Kompetente Redaktionen bilden ein Gegengewicht zu all denjenigen, die mit `Fake News` und Halbwahrheiten die Öffentlichkeit manipulieren und Politik machen wollen", sagte Kunzmann weiter. Denen dürfe unsere Gesellschaft nicht das Feld überlassen. "Hier haben die Verleger auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung, der sie nicht nachkommen, wenn in den Redaktionen nur noch der Rotstift regiert."

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) in Stuttgart bezweifelte im Vorfeld der Ankündigung vom Mittwoch, dass keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen. Es sei fraglich, ob das umsetzbar sei, so der Verband. Demnach seien auch viele altgediente Redakteurinnen und Redakteure nicht ohne Weiteres in der Online-Berichterstattung der Zeitungen einsetzbar.

STAND
AUTOR/IN
Christian Spöcker, Kristin von Heyden