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Fahrgäste müssen sich in den Sommerferien auf längere Fahrzeiten einstellen. Bis 12. September halten auf der S-Bahn-Stammstrecke keine Züge mehr. Auch die Gäubahn wird modernisiert.

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Die Stuttgarter S-Bahn soll digitaler und moderner werden. Das erste Mal seit dem Jahr 1978 packt die Bahn so grundlegende Sanierungsmaßnahmen an, wie sie es diesen Sommer tun will. Daher müssen Fahrgäste während der Sommerferien mit erheblichen Behinderungen und Änderungen im Fahrplan rechnen. Das bedeutet mehr Umstiege und längere Fahrzeiten.

Verkehrsministerium setzt auf moderne Taktung

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hält die Modernisierung der Stammstrecke unter der Landeshauptstadt trotz der Behinderungen jedoch für dringend notwendig, wie es in einer Mitteilung seines Ministeriums heißt. "Wir sind jedoch zuversichtlich, dass sich das Ergebnis lohnt. Stuttgart bekommt mit der modernisierten Stammstrecke neben einer attraktiven Taktung auch attraktive, modern eingerichtete Stationen." Hermann appelliert daher an die Geduld von Pendlern, Ausflüglern und Reisenden während der Bauzeit.

Zwischen dem 31. Juli und dem 12. September werden an den Stationen Hauptbahnhof (tief), Stadtmitte, Feuersee, Schwabstraße, Universität und Österfeld wegen Bauarbeiten keine S-Bahnen halten.

Schienenersatzverkehr zwischen Vaihingen und Hauptbahnhof

Die junge Frau ist eine von rund 60 sogenannten "Baustellen-Buddys", die die Fahrgäste während der Bauarbeiten zu den Ersatzbussen lotzen. Alle Baustellen-Buddys tragen auffällige rote Shirts oder Pullover. (Foto: SWR, Verena Neuhausen)
Die junge Frau ist eine von rund 60 sogenannten "Baustellen-Buddys", die während der Bauarbeiten an der Stammstrecke der S-Bahn Stuttgart die Fahrgäste zu den Ersatzbussen lotsen. Alle Baustellen-Buddys tragen auffällige rote Shirts oder Pullover. Verena Neuhausen

Fahrgäste können in dieser Zeit auf Busse umsteigen. Zwischen dem Hauptbahnhof und der Universität soll werktags alle fünf Minuten ein Ersatzbus fahren. Am Wochenende verkehrt der Bus laut Bahn alle 10 bis 15 Minuten. Eine weitere Ersatzbuslinie fährt ab der Universität über Österfeld nach Vaihingen. Am Wochenende soll ein Expressbus auf Abruf fahren. Darüber hinaus weitet die Stadtbahn die Verbindung zwischen Vaihingen und der Stuttgarter Innenstadt aus: Die U34 Vogelsang-Rotebühlplatz-Heslach wird in der Hauptverkehrszeit bis Vaihingen verlängert. Auf der Expresslinie X60 Leonberg-Flughafen/Messe sollen zur Taktverdichtung zusätzliche Busse zwischen Leonberg und der Haltestelle Universität fahren.

Wie die Bahn mitgeteilt hat, markieren gelbe Linien am Boden die Wege zu den Haltestellen, von denen die Ersatzbusse abfahren. Zudem setzt die Bahn rund 60 sogenannte "Baustellen-Buddys" ein - also Mitarbeitende in auffällig roten Oberteilen, die die Fahrgäste zu den Bussen lotsen. "Wir tun alles dafür, dass das Umsteigen zwischen S-Bahnen und Bussen möglichst problemlos abläuft", so Dirk Rothenstein, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Stuttgart.

S-Bahnen im Halbstunden-Takt

Auf allen S-Bahn-Linien fahren die Züge jeweils im 30-Minuten-Takt und weitgehend zu den gewohnten Zeiten, teilt die Bahn mit. Die S-Bahn-Linie S1 Kirchheim (Teck)–Herrenberg hält oben in Stuttgart Hauptbahnhof. Die Bahn leitet diese S-Bahnen ohne Halt zwischen Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen um. Wegen der Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr fahren zwischen Stuttgart Hauptbahnhof und Böblingen überwiegend nur die S-Bahnen der S1.

Das S-Bahn-Liniennetz in Stuttgart während der Bauarbeiten auf der Stammstrecke in den Sommerferien 2021. (Foto: Pressestelle, S-Bahn Stuttgart)
Das S-Bahn-Liniennetz in Stuttgart während der Bauarbeiten auf der Stammstrecke in den Sommerferien 2021. Pressestelle S-Bahn Stuttgart

Mit der Linie S15 zwischen Bietigheim und Herrenberg erhält das Nord-Netz eine Direktverbindung nach Vaihingen in den Süden Stuttgarts – mit Umfahrung der Innenstadt über Stuttgart-West. Die Linie S60 fährt von Montag bis Samstag zwischen Böblingen und Stuttgart-Zuffenhausen über Renningen. Sonntags pendelt die S60 zwischen Böblingen und Renningen.

Es braucht viele Busse, um eine S-Bahn zu ersetzen

Dennoch sind die Verantwortlichen bei der S-Bahn durchaus auch etwas nervös. Dazu muss man wissen, dass in einen S-Bahn-Langzug bis zu 1.000 Personen hineinpassen, in einen der Ersatzbusse maximal 100 Menschen. Zudem müssen Reisende deutlich mehr Fahrzeit einplanen. Wer beispielsweise aus der Stuttgarter Innenstadt nach Vaihingen fahren möchte, muss laut Bahn mindestens 20 Minuten mehr Zeit einplanen. Daher verweist die Bahn sicherheitshalber auch darauf, dass im Innenstadtbereich für kurze Fahrten zum Beispiel auch Leihfahrräder und -pedelecs von RegioRad Stuttgart eine Alternative seien.

Kaputte Bodenplatten wie diese an der Haltestelle Hauptbahnhof sollen während der Sanierungsarbeiten in den Sommerferien komplett erneuert werden. Zudem sollen Weichen und Gleise auf der Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn ausgetauscht werden. (Foto: SWR, Werner Trefz)
Kaputte Bodenplatten wie diese an der Haltestelle Hauptbahnhof sollen während der Sanierungsarbeiten in den Sommerferien komplett erneuert werden. Zudem sollen Weichen und Gleise auf der Stammstrecke der Stuttgarter S-Bahn ausgetauscht werden. Werner Trefz

Modernisierungsarbeiten auf der S-Bahn-Stammstrecke

Grund für die Sperrung bis zum 12. September sind nach Bahnangaben Modernisierungsarbeiten. Unter anderem werden Weichen und Gleise erneuert, Teile der WLAN-Geräte (Repeater) und Gleise ausgetauscht. Auch die Haltestellen auf der Stammstrecke sollen erneuert werden, ganz besonders die Haltestelle Hauptbahnhof (tief): Die Bahn plant einen neuen Bodenbelag, frische Wandpaneele, renovierte Treppenhäuser und eine neue Beleuchtung. In die Sanierung der Stammstrecke werden nach eigenen Angaben rund 38 Millionen Euro investiert.

Doch bei den Arbeiten in diesem Sommer bleibt es nicht - auch in den Sommerferien in den kommenden Jahren plant die Bahn Bauarbeiten. Die Bahn hat auf der genannten Stammstrecke - der innerstädtische Tunnelstrecke der S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen - eine große Modernisierungsoffensive geplant. Ziel ist es, bis 2030 die Stammstrecke, alle Strecken des Projekts Stuttgart 21 sowie große Teile des S-Bahn-Netzes der Region Stuttgart mit ETCS (Europäisches Zug-Kontroll-System), digitalen Stellwerken und automatisiertem Fahrbetrieb mit Triebfahrzeugführern auszustatten.

Modernisierung der Gäubahn für 17 Millionen Euro

Auch die Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart und Singen (Kreis Konstanz) sowie zwischen Eutingen im Gäu (Kreis Böblingen) und Freudenstadt wird bis zum 26. September für rund 17 Millionen Euro modernisiert. Dabei soll der Bahnhof Ergenzingen (Kreis Tübingen) komplett barrierefrei werden. Auch Oberleitungen und Weichen werden erneuert, teilweise neue Schienen verlegt.

Einschränkungen im Zugverkehr

Während der Arbeiten auf der Gäubahn kommt es abschnitts- und zeitweise zu Streckensperrungen oder anderen Einschränkungen im Zugverkehr. Betroffen sind überwiegend der Abschnitt zwischen Stuttgart und Freudenstadt sowie der Halt in Ergenzingen. Es fahren Busse für die Fahrgäste. Die IC-Linie Stuttgart-Singen (Hohentwiel)-Zürich fällt zeit- und abschnittsweise ganz oder zweistündlich aus. Nur die S-Bahn fährt den Stuttgarter Hauptbahnhof vom 30. Juli bis 12. September von der Gäubahn an.
Der Zweckverband ÖPNV im Ammertal sperrt zwischen Tübingen und Herrenberg (Kreis Böblingen) wegen Umbauarbeiten die Strecke. Es fahren Busse für die Fahrgäste, die wegen der weiteren Arbeiten auf der Gäubahn zum Teil über Gärtringen (Kreis Böblingen) umgeleitet werden.

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