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Insektenschutz, Glyphosatverbot, Gewässerschutz - die neuen Umweltauflagen bringen die Bauern auf die Palme. Auch in Stuttgart haben sie am Freitag ihren Unmut zum Ausdruck gebracht.

Aus ganz Baden-Württemberg waren Landwirte in die Landeshauptstadt gekommen, um gegen die Agrarpolitik zu protestieren. An der Sternfahrt aus vier Himmelsrichtungen durch Stuttgart nahmen nach Angaben der Veranstalter 4.000 Bauern mit insgesamt rund 2.500 Traktoren teil, wie ein Sprecher der Organisation "Land schafft Verbindung" sagte. Der Hintergrund: Zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin gibt es auch bundesweit Proteste.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Kundgebung auf dem Wasen

Die Polizei lotste die Landwirte zum Cannstatter Wasen: von Fellbach aus über die B14, aus Münchingen kommend über die B10 / B27, von Hohenheim aus über den Stuttgarter Osten und aus Richtung Bärensee über die B14 durch die Stuttgarter Innenstadt. Durch den Konvoi hatten sich Staus gebildet, Autofahrer hatten sich beschwert: "Wer nicht unbedingt mit dem Auto nach Stuttgart muss, sollte das vermeiden", riet ein Polizeisprecher.

Landwirte fürchten um ihre Existenz Bauern protestieren in Stuttgart

Viele Traktoren akkurat hintereinander auf einem Feldweg angeordnet (Foto: SWR, Philipp Pfäfflin)
Ein Traktorten-Konvoi formiert sich. Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen
Die Bauern machen sich mit ihren Traktoren auf nach Stuttgart Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen
Bauern treffen mit ihren Traktoren auf dem Cannstatter Wasen ein. Thomas Frenk Bild in Detailansicht öffnen
Mehr als tausend Landwirte sind mit ihren Traktoren in Stuttgart auf den Cannstatter Wasen gefahren, um ihrem Protest kund zu tun Thomas Frenk Bild in Detailansicht öffnen
Mit mehr als tausend Traktoren sind die Bauern aus dem Land nach Stuttgart gezogen Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen
Die Botschaft ist eindeutig. Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen
Portestplakat bei der Bauern-Demo am Cannstatter Wasen Katrin Hörger Bild in Detailansicht öffnen
Auch der Nachwuchs der Landwirte ist mit dabei. Katrin Hörger Bild in Detailansicht öffnen
Bauerndemo Bild in Detailansicht öffnen
Diszipliniert sind die Traktoren der protestierenden Landwirte unterwegs. Philipp Pfäfflin Bild in Detailansicht öffnen

Landwirte wollen mitreden

Am späten Vormittag fand auf dem Cannstatter Wasen eine Kundgebung statt. Hier machten sie ihrem Protest Luft; mit Plakaten und der Forderung an die Politik, die betroffenen Bauern besser einzubeziehen, wenn es um das Agrarpaket der Bundesregierung oder Fragen nach Insektenschutz und Umweltauflagen geht. Nach der Kundgebung zogen die Traktoren wieder zügig ab, nach Polizeiangaben kam es in der Innenstadt zu keinen weiteren, unüblichen Verkehrsbehinderungen.

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Das Agrarpaket der Bundesregierung sieht neben Änderungen bei den Direktzahlungen aus den EU-Agrarsubventionen auch ein staatliches Tierwohl-Label sowie ein Aktionsprogramm Insektenschutz mit Einschränkungen beim Einsatz von Pestiziden und ein Verbot des Pflanzengifts Glyphosat ab 2024 vor. Zugleich ärgern sich die Bauern über das Mercosur-Freihandelsabkommen der EU.

Landwirte fordern Respekt und Anerkennung

Der Sprecher warnte vor Billigimporten von Fleisch und Lebensmitteln aus Südamerika. Zugleich fühlen sich die Landwirte in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt und fordern von der Politik und den Verbrauchern mehr Verständnis für ihre Arbeit.

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Hauk erwartet Gegenwehr bei Düngeverordnung

Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) sieht gerade bei der geplanten Düngeverordnung Probleme. Schärfere Regeln seien in diesem Maß nicht akzeptabel, so Hauk. Deswegen scheint es möglich, dass Baden-Württemberg nach Bayern und Rheinland-Pfalz die neue Verordnung im Bundesrat ablehnen wird.

Wie sieht es mit Ausnahmeregelungen aus?

"Wir wollen Ausnahmeregelungen haben in regionalen Fragen, wenn es um die sogenannten roten Gebiete mit einer erhöhten Nitratbelastung des Grundwassers und um grüne Gebiete außerhalb geht", sagte Hauk. Er forderte flexiblere Sperrfristen für das Ausbringen von Düngemittel ebenso wie beim geplanten Verbot der Düngung von Zwischenfrüchten.

Hauk im SWR: "Bauern werden gegängelt"

Im SWR sagte Hauk, kein anderer Berufsstand werde so gegängelt wie die Bauern. Deutschland stelle oft Regeln auf, wo die Dinge in Ordnung seien. So würden Nitrat- Regeln oft auch in Gegenden gelten, die keine Probleme mit ihrem Grundwasser hätten.

In Baden-Württemberg stören sich die Bauern zudem an den Forderungen des Bienen-Volksbegehrens für mehr Artenschutz. Im Dezember einigten sich Regierungsvertreter, Bienenfreunde, Naturschützer und Bauernverbände auf alternative Pläne für mehr Artenschutz, die in diesem Jahr im Landtag beschlossen werden sollen.

Tausende Betriebe im Land

Hier im Land gibt es nach der amtlichen Statistik 39.600 landwirtschaftliche Betriebe, die durchschnittliche Größe liegt bei jeweils knapp 36 Hektar.

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