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Das Pendler-Nadelöhr auf der B27 zwischen Aichtal und Leinfelden-Echterdingen soll bis spätestens 2030 ausgebaut werden. Doch noch immer erheben sich Stimmen dagegen.

Die Schutzgemeinschaft Filder hält weiter dagegen. Sie unterstützt die Filderbauern, die seit Jahrzehnten um den Erhalt ihrer besonders fruchtbaren Böden kämpfen. Für eine dritte Spur auf der B27 Flächen aufgeben sei Verschwendung, angesichts des in Coronazeiten zurückgehenden Verkehrs, heißt es bei Steffen Siegel von der Schutzgemeinschaft: "Es zeigt sich gerade jetzt, dass man gar nicht mehr Straßen braucht", so Siegel.

Schutzgemeinschaft Filder sorgt sich um Flächenverbrauch

Ein Ausbau würde den Verkehr nur verlagern, glaubt Steffen Siegel. Er ruft deshalb zum Erhalt von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, zur Versorgung der Menschen mit regionalen Nahrungsmitteln und auch aus Klimaschutzgründen auf das Projekt aufzugeben. Unterstützung erhält er dabei vom Filderstadter OB Christoph Traub (CDU), der sich ebenfalls kritisch gegenüber dem Vorhaben äußert.

OB Traub verweist auf Verkehrswende

Traub verweist auf das Ziel der Verkehrswende. "Wenn wir Menschen motivieren wollen, vom Individualverkehr Abstand zu nehmen und die Zahl der Fahrzeuge reduzieren wollen, dann hinterfrage ich, ob es nicht eine andere Lösungsmöglichkeit geben kann wie einen Straßenausbau", sagte Traub dem SWR.

Ende des Verkehrs auf Schleichwegen

Dem widerspricht sein Parteifreund, der Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk (CDU). Er sehe zwar die Probleme für die Filderbauern und den Naturschutz, gleichzeitig sei es die einmalige Chance, die - in Vor-Corona-Zeiten massiven - Staus auf der B27 beenden zu können. Denn hier hatten sich die Fahrtzeiten zwischen Tübingen und Stuttgart an manchen Tagen verdoppelt. Zudem würden die Anrainerstädte vom Umgehungsverkehr befreit. "Schleichwege gehen durch die Ortschaften, verstopfen dort alles und belästigen die Bürger. Das ist seit vielen Jahren ein Ärgernis", so Klenk gegenüber dem SWR. Er verwies auch auf den Verkehrsexperten der Grünen, Matthias Gastel, für den es beim Ausbau der B27 ebenfalls kein Zurück mehr gebe.

Zukunft für Express-Elektrobusse?

Nun gelte es die Planungen zu optimieren, so Klenk. 2016 hat der Bundesgetzgeber festgelegt, dass bis 2030 der Abschnitt der B27 auszubauen ist, so die Auskunft des Regierungspräsidiums Stuttgart. Die Vorplanung für das Vorhaben soll bis März dieses Jahres abgeschlossen sein, heißt es weiter. Laut OB Klenk habe es bei Bürgerinformationen dazu kaum noch Widerstand gegeben. Es könnte 2025 Baurecht geben, so Klenk, und 2026 könnte mit dem dreispurigen Ausbau begonnen werden. "15 bis 20 Jahre wird es mindestens noch viele Autos - egal ob Verbrenner oder E-Autos - geben."Und wenn eines Tages die dritte Spur überflüssig werden sollte, könne man auf ihr Express-Elektrobusse fahren lassen, so Roland Klenk, der in der dritten Amtszeit die Geschicke von Leinfelden-Echterdingen lenkt.

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