Bürgermeister will sich nicht einschüchtern lassen

Instrumentalisieren Rechte die Trauer um Tabitha aus Asperg?

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Bernice Tshimanga
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Philipp Pfäfflin
Bild von Philipp Pfäfflin (Foto: SWR, SWR - Foto: Alexander Kluge)

Nach dem gewaltsamen Tod der 17-jährigen Tabitha taucht in Asperg (Kreis Ludwigsburg) ein Gedenkkreuz auf. Der Bürgermeister verrückt es. Seitdem wird gegen ihn im Netz gehetzt.

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Glaubt man Veröffentlichungen in den Sozialen Netzwerken wie Twitter und Telegram, ist der Bürgermeister von Asperg gegen ein angemessenes Gedenken an Tabitha. Auf Fotos wird er gezeigt, wie er ein weißes Holzkreuz wegträgt. Darunter ist zu lesen: "Was hat er gegen dieses Denkmal?" An anderer Stelle wird der Schluss gezogen: "Das Gedenken an deutsche Opfer ist unerwünscht."

Bürgermeister von Asperg hat Kreuz weggetragen - und wurde dabei gefilmt

Das weiße Kreuz samt Blumen tauchte beim Asperger Stadtfest (23. und 24. Juli) auf, bei dem auch mit einer Schweigeminute und einem Gottesdienst an die junge Frau erinnert wurde. Da der Platz aber für Musiker vorgesehen war, habe er das Kreuz weggetragen, erklärt Bürgermeister Christian Eiberger (parteilos).

Er weist daraufhin, dass das Kreuz ohne Wissen der Stadt und der Familie aufgebaut worden sei. Er habe das Kreuz erst verrückt und ein paar Meter weiter wieder aufgestellt. Dabei habe er gemerkt, dass er gefilmt wurde. Das kam ihm merkwürdig vor. Daraufhin habe er das Kreuz hinter eine Tür stellen lassen. Kurze Zeit später erschienen die ersten Posts im Internet, auf dem das Kreuz unter anderem neben einem mobilen Klohäuschen steht. Die Absender nennen sich "Wackre Schwaben", "Schwabenjunge" oder sind Einzelpersonen, die sich als "rechts" und "identitär" bezeichnen.

Fachstelle mobirex: Den extrem Rechten geht es nicht um die Opfer

Andreas Hässler von mobirex, einer Fachstelle zur Überwachung extremer Rechter, geht davon aus, dass in Asperg die Trauer um eine mutmaßlich von einem Syrer ermordete junge Frau instrumentalisiert werden soll. Er vermutet, dass dahinter eine geplante Aktion der rechtsextremen Identiären Bewegung steht: "Den Identitären geht es hier darum, Stimmung zu machen gegen Migrantinnen und Migranten und Vertreterinnen und Vertreter des demokratischen Staates. Und sie nutzen jetzt diesen Fall der Tötung, weil in diesem Fall der Täter nicht ihrem Gesellschaftsbild entspricht." Daran könne man auch erkennen, dass es den extremen Rechten nicht um das Opfer gehe, sondern um den Täter und das damit verbundene Thema Migration. Hier würde also die Trauer genutzt, um Emotionen zu schüren und zu polarisieren.

Der Bürgermeister von Asperg wird angefeindet. Eine Fachstelle vermutet rechtsextreme Identitäre dahinter. (Foto: SWR)
Christian Eiberger, der Bürgermeister von Asperg (Kreis Ludwigsburg), wird im Internet angefeindet. Er hatte zuvor ein Gedenkkreuz verrückt.

"Wir müssen alle gegen rechte Hetze aufstehen."

Geschürte Emotionen und Polarisierung dürfe sich die Gesellschaft nicht gefallen lassen, sagt Bürgermeister Eiberger. Deswegen ist er nach wie vor überzeugt, dass er richtig gehandelt hat.

Mittlerweile hat er das Kreuz ganz entfernen lassen. "Wir müssen alle gegen rechte Hetze aufstehen." Neben den bereits erwähnten Beschimpfungen, Drohungen und Beleidigungen im Internet, bekomme er auf der anderen Seite auch Unterstützung. Der Bürgermeister spricht von viel Rückhalt aus der Bevölkerung, "seit klar wurde, was für ein Spiel gespielt wurde". Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

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