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Das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart bietet Menschen, die zum Impftermin mit Astrazeneca gekommen sind, Alternativen an. Sorgen macht die Lage in den Intensivstationen.

Das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart bietet Menschen, die zum Impftermin mit Astrazeneca ins Impfzentrum gekommen sind, Alternativen an. Bislang habe man am Mittwoch alle, die nach einer Aufklärung über die sehr seltenen Nebenwirkungen von Astrazeneca den Impfstoff dennoch ablehnten, mit Moderna geimpft, so Mark Dominik Alscher, der Medizinsche Geschäftsführer des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK).

In den ersten drei Stunden nach Impfbeginn am Mittwoch hatten sich lediglich zehn Menschen unter 60 Jahren gegen die Impfung mit Astrazeneca entschieden. Gestern hatte die Bundesregierung die Impfung mit dem umstrittenen Impfstoff nach Problemen für unter 60-Jährige ausgesetzt. Wer eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten hat und unter 60 Jahre ist, kann von der zweiten Impfung mit Astrazeneca zurücktreten.

Besser impfen als ablehnen

"In der Pandemie ist der Impfstoff von Astrazeneca von Vorteil", so Mark Dominik Alscher. Er sei immer noch besser als gar kein Impfstoff. Alscher verwies auf ähnliche Probleme bei der Gabe von Heparin, einer Thrombose-Prophylaxe. Auch hier komme es in seltenen Fällen zu Problemen. Dennoch sei er Standard in der Therapie.

Moderna-Rücklagen werden verimpft

Derzeit sei man im Impfzentrum am RBK noch in der Lage, allen unter 60-Jährigen, die Astrazeneca ablehnten, eine Alternative zu bieten, so der Medizinische Geschäftsführer der Klinik. Alscher rechnet mit höheren Liefermengen von Impfstoffen in den kommenden Wochen, zudem gebe es noch Rücklagen in den Lagern, die derzeit verimpft würden

Sorge um Intensivstationen

Große Sorgen bereiten den Medizinern die Aussichten auf volle Intensivstationen durch viele Coronafälle. "Die dritte Welle verläuft anders als die zweite", urteilt der Klinikchef des RBK. Stand Mittwoch seien 38 Patienten stationär aufgenommen. Bei der gleichen Inzidenz in der zweiten Welle seien es deutlich mehr Patienten gewesen. Aber: mittlerweile seien vor allem 40-70 Jährige schwer erkrankt. Die britische Virusvariante verbreitet sich schneller als der Wildtyp des SARS-Cov-2-Virus und führt zu schwereren Krankheitsverläufen als in der zweiten Welle der Corona-Pandemie.

"Kein Optimismus für die dritte Welle"

"Wir werden Engpässe im Bereich der Intensivmedizin sehen", sagt Mark Donik Alscher voraus. "Wir sind nicht optimistisch, was diese dritte Welle angeht." Bereits in den nächsten Wochen rechnet man am RBK wieder mit einem Anstieg der Belegungszahlen auf den Intensivstationen. Daher spricht sich der Klinkichef auch für einen Lockdown aus.

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