Der Malteser-Impfbus fährt durch den Kreis Esslingen (Foto: SWR, Aita Koha)

Malteser schlagen Alarm

Corona-Impfbus: Aggression in der Warteschlange im Kreis Esslingen

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Die Malteser betreiben einen Corona-Impfbus im Kreis Esslingen. Wenn sie vor Ort ankommen, gibt es häufig Applaus von den Wartenden. Doch manchmal schlägt die Stimmung um.

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Der Malteser-Impfbus hat einen engen Fahrplan. Meist hält er zwei Stunden in einer Esslinger Kreisgemeinde, dann fährt er zum nächsten Ort. Doch egal ob in Owen, Bissingen oder Neckartailfingen - in der Regel ist die Nachfrage größer als das Angebot. Das führt zu Frust. Denn wer bei Dauerregen und winterlichen Temperaturen stundenlang im Freien steht, will nicht ungeimpft wieder gehen, weiß Marc Lippe, Geschäftsführer der Malteser im Bezirk Neckar-Alb.

Der Malteser-Impfbus fährt durch den Kreis Esslingen (Foto: SWR, Aita Koha)
Immer wieder kommt es zu Handgreiflichkeiten rund um den Impfbus der Malteser im Kreis Esslingen. Manchmal stellt das Ordnungsamt einen Securitydienst - wie hier in Neckartenzlingen. Aber nicht immer. Aita Koha

Polizei musste Impfaktion abbrechen

Er berichtet von bösen Beschimpfungen, Handgreiflichkeiten und Kollegen, die angegriffen wurden. "Wir müssen täglich abwägen, ob das Gefahrenpotential hoch ist und ob wir unsere Mitarbeiter überhaupt dieser Gefahr aussetzen können", sagte er bei einer Impfaktion am Donnerstag in Neckartailfingen.

Eine Woche zuvor war es, da kamen bei einer anderen Station des Impfbusses nicht alle Wartenden dran. "Die haben das nicht wahrhaben wollen und dann am Bus gewackelt und Dinge aus dem Bus zerstört." Daraufhin sei die Polizei gekommen, die die Impfaktion abgebrochen habe, erzählt der Malteser weiter.

"Man merkt, dass der Ton rauer wird und die Spannung größer wird durch die Einschränkungen."

In der Schlange der Wartenden für Ordnung zu sorgen, sieht Marc Lippe nicht als Aufgabe der Malteser an. Deswegen werde jedes Mal das örtliche Ordnungsamt angefragt. "Aber leider stößt das nicht immer auf Zustimmung." Einen eigenen Sicherheitsdienst haben die Malteser nicht.

Arzt: Mehr als 240 Impfungen am Tag sind nicht drin

Der Arzt im Malteser-Impfbus, Florian Bopp, würde gern viel mehr Menschen impfen. Doch die Möglichkeiten im Bus seien begrenzt, erklärt er. Anders als im Sommer in den Kreisimpfzentren hätten die Impflinge jetzt mehrere Kleiderschichten gegen die Kälte an. Die müssten sie erst einmal in dem Bus ausziehen, das koste Zeit. 240 Impfungen am Tag seien das Maximum, im Vergleich zu den Kreisimpfzentren im Sommer sei das nur ein Bruchteil. Und auch er berichtet von Aggressionen.

"Einer, der zu früh zur Booster-Impfung gekommen ist, hat aus Wut das Klemmbrett zerbrochen."

Malteser werden für fehlenden Impfstoff verantwortlich gemacht

Arzt Peter Nebel ist gern mit dem Impfbus unterwegs. Im Akkord zieht er Spritzen auf und freut sich, wenn er und seine Kolleginnen und Kollegen am Ende des Tages bis zu 240 weitere Menschen geimpft haben. Doch auch er bekommt immer wieder den Frust einzelner Personen ab. So sei er vergangene Woche von einer Dame beschimpft worden, erzählt er, die ihn dafür habe verantwortlich machen wollen, dass die Personen, die an dem Tag nicht mehr geimpft werden konnten, ohne Impfschutz bleiben würden.

"Man muss viel schlucken", sagt er und hat gelernt, dass man nicht immer diskutieren kann. "Die erreicht man nicht. Die haben eine andere Vorstellung. Das ist auch in Ordnung." Doch am Ende des Tages sei er trotzdem zufrieden mit seiner Arbeit.

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