Verkehrminister Hermann neben einem Mercedes-Logo (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Ulf Mauder/dpa; Imago; Montage: SWR)

Neuer Verdacht auf Abgasmanipulation Betrugsvorwürfe: Hermann fordert Erklärung von Daimler

Nach dem neuen Betrugsverdacht gegen den Stuttgarter Autobauer Daimler fordert Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann (Grüne) Konsequenzen. Er spricht von "schockierenden" Vorwürfen.

"Die Vorwürfe sind ziemlich schwerwiegend, Daimler muss jetzt mal eine Erklärung abgeben", sagte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gegenüber dem SWR. Am Wochenende hatte Daimler bestätigt, dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ein Anhörungsverfahren gegen den Konzern eröffnet hat. Laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" soll der Autobauer bei rund 60.000 SUVs die Stickoxid-Werte manipuliert haben. Daimler hat zwar angekündigt, mit dem KBA zu kooperieren, verwies ansonsten aber auf das laufende Verfahren.

"Es ist ärgerlich und ein stückweit schockierend, dass Daimler immer gesagt hat: Betrügereien hat es bei uns nie gegeben, das ist höchstens bei VW so", sagte Hermann. "Und jetzt passiert das ja nicht zum ersten Mal." Bereits im vergangenen Jahr hatte das KBA einen europaweiten Rückruf von 700.000 Dieselautos angeordnet, weil Daimler illegale Abschalteinrichtungen verbaut haben soll.

Grüne fordern härteren Umgang mit Autobauern

Hermann forderte das KBA und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angesichts der neuen Vorwürfe zum Handeln auf. Auch der grüne Umweltexperte Oliver Krischer fordert einen härteren Umgang mit den Autoherstellern. Er verweist darauf, dass die Autohersteller bisher keine Bußgelder für ihre Schummeleien fürchten müssten. Das sei ein Freifahrtschein. Es werde Zeit für Konsequenzen, die Bundesregierung müsse nun endlich Hardwarenachrüstungen durchsetzen - und zwar auf Kosten der Autobauer.

Kritik von Verbraucherzentralen

Verärgert äußerte sich der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv): "Den Autobauern muss klar gemacht werden, dass Betrügereien nicht geduldet werden", so Felix Methmann. Die betroffenen Autobesitzer stünden vor der Frage, ob es einen amtlichen Rückruf und Software-Updates geben werde, und falls ja, wann.

"Keine Trickserei mehr"

Sollten sich die Vorwürfe gegen Daimler als wahr herausstellen, schwinge das Pendel von Trickserei in Richtung Betrug, sagte SWR-Wirtschaftsexperte Joachim Bech im Studiogespräch. Er geht davon aus, dass Daimler bald ein Bußgeld zahlen muss.

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19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW
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