Landgericht Stuttgart fällt Urteil Raserprozess: 21-Jähriger zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt

Ein junger Mann baut im Temporausch mit einem gemieteten Sportwagen einen Unfall - zwei junge Menschen sterben. Mord war es nach Ansicht des Gerichts aber nicht.

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Das Landgericht Stuttgart sprach den 21-Jährigen am Freitag wegen verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge schuldig. „Dass Sie ein Mörder sind, konnten wir nicht feststellen“, sagte die Richterin. Angeklagt war der junge Mann ursprünglich wegen Mordes. Außerdem soll dem Verurteilten der Führerschein für vier Jahre abgenommen werden, nach seiner Haftentlassung, wie das Landgericht mitteilte. Der 21-Jährige hatte im März bei hohem Tempo die Kontrolle über einen gemieteten Sportwagen verloren. Das Fahrzeug war gegen einen stehenden Kleinwagen geprallt, in dessen Trümmern zwei junge Menschen aus Nordrhein-Westfalen ums Leben kamen.

Richterin spricht von rücksichtslosem Fahrstil

Die Richterin warf dem 21-Jährigen einen riskanten und rücksichtslosen Fahrtstil vor. Allerdings sei der junge Mann zuvor nicht wegen Verkehrsgefährdung aufgefallen. Die Gefahr für andere bei der Fahrt habe der Mann erkannt und bewusst in Kauf genommen, er habe auch die Strecke sehr gut gekannt. "Das gesamte Gefahrenszenario war Ihnen bekannt, das wussten Sie", sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung. Mit "völliger Überschätzung seiner Möglichkeiten" habe er allerdings auf sein Können am Steuer vertraut. Der Angeklagte habe ernsthaft darauf vertraut, den Tod anderer nicht zu riskieren, so die Richterin weiter. Dies habe die Kammer nicht ausschließen können.

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Verurteilung wegen verbotenem Kraftfahrzeugrennen

Es war die erste Mordanklage nach einem tödlichen Raserunfall in Baden-Württemberg, die seit September vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt wurde. Sechs Jahre Haft und eine Verurteilung wegen Mordes hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. Die Verteidigung plädierte auf fahrlässige Tötung und zwei Jahre Haft. Das Gericht verurteilte den jungen Mann wegen verbotenem Kraftfahrzeugrennen. Der Paragraf kommt nicht nur bei illegalen Autorennen mit mehreren Beteiligten zum Tragen, sondern auch, wenn grob verkehrswidrig und rücksichtslos gefahren wird, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen. Umgangssprachlich als "Raserei" bezeichnet, so die Richterin. Das Gericht entschied zudem, den zur Tatzeit 20-Jährigen nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. Er sei abhängig von seiner Familie, sei immer noch das "Nesthäkchen" und stehe finanziell noch nicht auf eigenen Beinen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Umfassende Zeugenbefragungen

Zwei Monate lang hat die Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts Details haarklein herausgearbeitet, rund 100 Zeugen wurden gehört: Freunde des Fahrers, Polizisten vom Unfallort, Augenzeugen des Crashs, Mediziner und Sachverständige und auch andere Autofahrer, denen der Sportwagen des 21-Jährigen bereits mehrere Stunden vor dem tödlichen Unfall aufgefallen war.

Zwei junge Menschen starben

Bei der verhängnisvollen Fahrt im März war der Angeklagte mit durchgedrücktem Gaspedal und mit bis zu 168 Stundenkilometern - das hatte die Datenauswertung aus dem Jaguar ergeben - durch die Stuttgarter Rosensteinstraße gerast. Als vor ihm ein Auto abbiegen wollte, wich der Angeklagte aus, verlor die Kontrolle und prallte in einen Kleinwagen am Straßenrand, der in der Ausfahrt des dortigen Kinos wartete. Darin saß ein junges Paar, eine 22-Jährige und ein 25-Jähriger. Sie starben nur Momente später.

Angeklagter räumte Schuld ein

Seine Schuld hatte der angeklagte KfZ-Lehrling während des Prozesses eingeräumt: "Wegen mir sind zwei Menschen gestorben, es gibt nichts zu beschönigen." Die Verhandlung verfolgte er meist mit gesenktem Blick und still. Während er befragt wurde, wurde die Öffentlichkeit zu seinem Schutz ausgeschlossen. Seine Freunde aus dem Stuttgarter Nordbahnhofviertel beschrieben den jungen Mann als eher zurückhaltend. Offenbar ist er außerdem sehr auf Autoritätspersonen wie zum Beispiel seinen älteren Bruder fixiert. Klar wurde auch: Der 21-Jährige zeigte sich gern mit schnellen Autos, sowohl auf der Straße als auch in sozialen Netzwerken im Internet. Bereits zwei Mal vor dem Unfall hatte sich der KfZ-Lehrling schon schnelle Autos ausgeliehen.

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Eltern der Verstorbenen waren beim Prozess dabei

Die Eltern der beiden Verstorbenen verfolgten den gesamten Prozess als Nebenkläger mit. Der Vater des toten 25-Jährigen trug dabei immer ein T-Shirt, auf dem das Gesicht seinen Sohnes gedruckt ist. Die Mutter der 22-jährigen Verstorbenen sagte vor Gericht über ihre Tochter: "Ich vermisse sie schrecklich. Ich vermisse ihr Lachen und ihr Reden."

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