Ein Golden-Retriever-Hund blickt in die Kamera (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Prozessbegleitung auf vier Pfoten in Stuttgart Therapiehund Watson soll Opfer ins Gericht begleiten

Ein Hund namens Watson soll künftig schutzbedürftige Opfer während eines Strafverfahrens zu ihren Aussagen vor Gericht begleiten. Die Idee kommt aus dem Justizministerium.

In Stuttgart wird am Dienstag erstmals ein Prozessbegleiter auf vier Beinen vorgestellt. Der dreijährige Golden-Retriever-Rüde Watson könne Menschen im Strafprozess beruhigen, heißt es vom Verein PräventSozial. Etwa, indem sie den speziell ausgebildeten Therapiehund streicheln. "Hunden gelingt häufig, was Menschen gerade bei traumatisierten Opfern manchmal nicht mehr schaffen: Vertrauen und Stabilität zu vermitteln", sagte Justizminister Guido Wolf (CDU), der das Projekt am Dienstag in Stuttgart vorstellte.

Watson als "sozialer Katalysator"

Watson soll die Situation auflockern, sagt seine Hundeführerin Sabine Kubinski. Im Oktober 2019 hat Watson sein erstes Gerichtsverfahren am Amtsgericht Stuttgart begleitet und dabei einer geistig behinderten Frau Beistand bei ihrer belastenden Zeugenaussage gespendet. Weitere Einsätze sollen folgen.

In dem Modellprojekt solle erprobt werden, ob Hunde geeignete Unterstützer vor Gericht seien. Laut Sozialarbeiterin Kubinski ist es nun wichtig, um Verständnis für das Projekt zu werben. Sie habe schon erlebt, dass ein Gericht sich für Watson als psychologische Stütze im Saal offen gezeigt habe - die Vorsitzende Richterin dann aber nicht.

Psychosoziale Prozessbegleitung

Seit 2017 haben besonders schutzbedürftige Verletzte einen Anspruch auf professionelle Betreuung während des Strafverfahrens. Hunde wie Watson könnten da als Eisbrecher fungieren, um Zugang zum Begleiter herzustellen. Watson ist insbesondere für Menschen gedacht, die unsicher gebunden sind, wiederholt negative Erfahrungen mit Bezugs- und Bindungspersonen gemacht oder traumatische Erlebnisse durchlebt haben, so die Projektverantwortlichen beim Bewährungshilfeverein PräventSozial, bei dem der Therapiehund in Obhut ist.

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