Wildbiene Halictus scabiosae (Foto: Pressestelle Naturkundemuseum, A.Haselböck)

Symposium für Insektenschutz in Stuttgart Forscher präsentieren Neun-Punkte-Plan gegen Insektensterben

Was tun gegen das Insektensterben? Darüber haben 150 Forscher aus ganz Europa mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Naturschutz diskutiert - und konkrete Forderungen ausgearbeitet.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Der starke Rückgang von Insekten in Mitteleuropa erreicht Ausmaße mit unabsehbaren Folgen für Ökologie und Ökonomie, warnen Insektenforscher. Wenn es keinen Lebensraum mehr für Wildbienen, Hummeln oder Schmetterlinge gibt, werden Nutzpflanzen nicht mehr ausreichend bestäubt.

Nach einem Symposium am Freitag von der Universität Hohenheim und dem Naturkundemuseum Stuttgart haben jetzt rund 150 europäische Forscher neun Forderungen an die Politik präsentiert. "Der dramatische Rückgang der Insekten zeichnet sich bereits seit Jahrzehnten ab und wird unabsehbare ökonomische und ökologische Folgen haben, wenn wir alle nicht endlich handeln", warnte Dr. Lars Krogmann vom Naturkundemuseum.

Neun-Punkte-Plan für die Politik

Ganz oben auf der Agenda der Wissenschaftler steht die Einschränkung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft. Neonikotinoide, die für das Bienensterben mitverantwortlich gemacht werden, und Totalherbizide sollten verboten werden. Das Insektensterben sei "eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts".

Die Teilnehmer raten außerdem zu insektenfreundlicheren Grünflächen und Naturschutzgebieten, um dort die Artenvielfalt zu erhöhen. Die Behörden müssten dafür mit mehr Geld ausgestattet werden. Bei der Straßenbeleuchtung sollten nur noch LED-Lampen verwendet werden, die für Insekten weniger attraktiv seien.

Auch Privatgärtner sind gefragt

EU-Agrarsubventionen müssen nach Ansicht der Experten an ökologische Leistungen der Landwirte gekoppelt werden. Außerdem brauche es eine Forschungs- und Bildungsoffensive in Deutschland, da die Artenkenntnisse der Menschen im Land gering seien. Auch Privatgärten ließen sich insektenfreundlicher gestalten.

Der Neun-Punkte-Plan geht den Angaben zufolge in den nächsten Woche an die Agrar-, Umwelt- und Bildungsministerien des Bundes und der Länder.

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