Landgericht Stuttgart Sieben Jahre Haft für Ex-Geschäftsführer von Eventus

Wegen Betrugs und Untreue in Millionenhöhe ist der frühere Geschäftsführer der Eventus-Wohnungsbaugenossenschaft vom Landgericht Stuttgart zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

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Nach Ansicht des Gerichts ist es erwiesen, das der 35-jährige Ex-Genossenschaftschef Marco T. Anleger mit frei erfundenen Aktienanleihen und teils frei erfundenen Immobilienprojekten mehrere Millionen Euro eingeworben hatte. Dabei sei ihm klar gewesen, dass die Wohnungsbaugesellschaft nicht kostendeckend arbeiten oder gar Gewinne erwirtschaften konnte. Der Vorsitzende Richter sprach von einem Schneeballsystem.

Schäden von sechs Millionen Euro verursacht

Die Schadenssumme beträgt fast sechs Millionen Euro. Der Angeklagte hatte zuvor 60 zivilrechtliche Ansprüche von Anlegern anerkannt. Den Geprellten soll er das Geld zurückzahlen, so das Gericht. Da bei ihm aber nichts mehr zu holen ist, muss jetzt geklärt werden, inwiefern die zuständige Aufsichtsbehörde dafür haftbar gemacht werden kann.

Hat der Prüfverband fahrlässig gehandelt?

Der zuständige Verband der baden-württembergischen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (VBW) hatte offenbar bei der Aufsicht von Eventus fahrlässig gehandelt. Das soll aus einem Gutachten hervorgehen, das Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) in Auftrag gegeben hatte, jedoch bislang nicht veröffentlicht wurde. Die Staatsanwaltschaft soll nun prüfen, ob Ermittlungen gegen einzelne Verantwortliche des Prüfverbandes aufgenommen werden sollen.

Insolvent seit 2017

Die Staatsanwaltschaft hatte siebeneinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung hielt ein Strafmaß von etwa sechseinhalb Jahren für angemessen. Marco T. hatte 2012 die Eventus-Genossenschaft gegründet. Den Anlegern versprach er einen Rendite von bis zu achteinhalb Prozent. Den Löwenanteil des eingeworbenen Geldes investierte er jedoch nicht in Immobilien, sondern nutzte es für private Zwecke. 2017 meldete die Genossenschaft Insolvenz an.

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