Konservativer Philosoph aus Stuttgart Robert Spaemann mit 91 Jahren gestorben

Der katholische Philosoph Robert Spaemann ist am Montag im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Stuttgart gestorben. Das teilte sein Sohn Christian am Montagabend mit.

Im Mittelpunkt seines Denkens stand ein christlicher Glaube, der sich der geistigen Auseinandersetzung mit der vernunftgeprägten Moderne nicht verschließen, aber Modeströmungen nicht unterwerfen soll. Robert Spaemann war Sohn des Schriftstellers Heinrich Spaemann, der als Witwer katholischer Priester wurde.

Robert Spaemann (Foto: picture-alliance / dpa)
Robert Spaemann

Der Philosoph war ein Verfechter der Naturrechtslehre in der Ethik und stand in vielen Fragen dem emeritierten Papst Benedikt XVI. nahe. In die politischen Debatten der Bundesrepublik mischte sich Spaemann unter anderem mit seiner Kritik der Wiederbewaffnung und einer grundsätzlichen Ablehnung der Atomkraft ein.

Beschäftigung mit ökologischen Themen

Von 1973 bis zu seiner Emeritierung 1992 lehrte der in Berlin geborene und in Köln aufgewachsene Sohn einer zum Katholizismus konvertierten Familie in München. Als Hauptwerk des Experten für christliche Philosophie gilt das 1989 erschienene Buch "Glück und Wohlwollen". Nach Studium und Promotion arbeitete Spaemann als Verlagslektor und lehrte später unter anderem in Stuttgart und Heidelberg.

In seinen Arbeiten beschäftigte er sich mit politischen, ökologischen und kirchlichen Themen. Entschieden wandte er sich gegen atomare Aufrüstung, Umweltzerstörung, Sterbehilfe und Abtreibung. Spaemanns Texte zur Ideengeschichte der Neuzeit, zu Naturphilosophie, Anthropologie und Ethik wurden in 14 Sprachen übersetzt. Auch nach seiner Emeritierung als Ordentlicher Professor in München im Jahr 1992 veröffentlichte er zahlreiche Bücher und Aufsätze.

Einsatz für wiederverheiratete Geschiedene

Der bis zu seinem Tod in Stuttgart lebende Philosoph äußerte sich zuletzt immer wieder besorgt über Aussagen und den Kurs der Kirche unter Papst Franziskus. So kritisierte er Positionen des Papstschreibens "Amoris laetita" zur christlichen Ehe und zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Sie stünden eindeutig in Widerspruch zu den Worten Jesu und zur traditionellen Lehre der Kirche. Benedikt XVI. (2005-2013) hatte Spaemann 2006, kurz nach seiner Papstwahl, in den Sommersitz Castel Gandolfo eingeladen, um mit ihm über das Verhältnis von Naturwissenschaft, Philosophie und Religion zu sprechen.

Seit 2010 beteiligte sich der Philosoph an der Theologenausbildung der Trappistenabtei Mariawald in der Eifel. Das Kloster tritt ebenso wie Spaemann für die lateinische Liturgie nach dem Römischen Messbuch von 1962 ein. Für sein Wirken wurde Spaemann mit dem Bundesverdienstkreuz, dem bayerischen Maximiliansorden, dem Heidelberger Karl-Jaspers-Preis und einer Vielzahl von Ehrendoktortiteln ausgezeichnet. Er war Mitglied des Institut de Philosophie Politique in Paris, der Päpstlichen Akademie für das Leben und der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

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