Umstrittene Arzt-Atteste Noch mehr Prüfungsabbrüche an Uni Hohenheim

Die Affäre um strittige Arzt-Atteste für Teilnehmer einer Klausur an der Uni Hohenheim weitet sich aus. Laut jüngsten Zahlen haben 75 Studierende die Prüfung im Mai abgebrochen.

Das Logo der Universität Hohenheim  (Foto: picture-alliance / dpa, Marijan Murat)
Logo der Universität Hohenheim Marijan Murat

Nach Angaben der Uni Hohenheim hat damit fast ein Drittel von 244 Teilnehmern die Prüfung am 23. Mai im Fach Wirtschaftswissenschaften abgebrochen. Als Begründung gaben sie eine spontane Erkrankung an. 48 der Prüfungsabbrecher legten fristgerecht einen Antrag auf Rücktritt ein und brachten ein Attest vom selben Arzt. Das machte die Uni misstrauisch.

Wurden die Prüfungsabbrecher richtig untersucht?

Dieser Arzt wird in Studentenkreisen "Doc Holiday" genannt. Seine Atteste beschränkten sich nach Angaben der Uni Hohenheim auf zwei Diagnosen: Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder Übelkeit und Erbrechen. Wegen der relativ großen Zahl an Fällen und der kurzen und gleichlautenden Diagnosen meldete die Universität Zweifel an, ob die Abbrecher richtig untersucht worden waren. Die Betroffenen wurden zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Der Stand der Dinge

In elf Fällen erkannte die Uni den Rücktritt von der Prüfung an (Stand 9. Juli). Die große Mehrzahl von 33 Krankmeldungen lehnte die Uni aber ab. Über vier Fälle wurde noch nicht entschieden. In manchen Fällen forderte die Uni eine zweite Stellungnahme. 21 Prüflinge brachten ihr Attest zu spät. Deren Rücktritt erkannte die Uni nicht an. 17 von ihnen legten daraufhin Widerspruch ein.
169 Studierende beendeten die Prüfung. Weil es durch die Abbrecher bei der Prüfung laut geworden war, bot die Uni ihnen an, die Klausur im September oder im Februar zu wiederholen. Die große Mehrheit der Prüflinge will dieses Angebot annehmen.

Weitere Atteste von "Doc Holiday" angezweifelt

Aufgrund der oben genannten Vorfälle entschloss sich die Uni Hohenheim, 105 weitere Atteste vom Mai zu überprüfen. Die betroffenen Studenten wurden allerdings schon vor einer Prüfung krankgeschrieben. Auch sie wurden aber von der Uni aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben.

Uni bleibt bei ihrer Strategie

Die Universität hatte es in der Vergangenheit abgelehnt, "Doc Holiday" anzuzeigen. Uni-Sprecher Florian Klebs sagte am Mittwoch dem SWR: "Wir können selbst nicht beurteilen, ob jemand so krank ist oder nicht." Und auch bei Zweifeln will die Uni an ihrem bisherigen Vorgehen festhalten. "Wenn dann soviele Atteste vom gleichen Tag kommen, dann wird man misstrauisch und sagt: Das ist zweifelhaft, dass dieser Tag die Betroffenen so eingehend untersucht hat. Und deswegen werden sie nicht anerkannt und um Stellungnahme gebeten."

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